Südafrika
Richtungsstreit verzögert Wahl des ANC-Chefs

Der Afrikanische Nationalkongress (ANC), Regierungspartei in Südafrika, muss in diesen Tagen richtungsweisende Entscheidungen Treffen. Beim Parteitag muss die Spitze bestätigt oder neu geformt werden. Dabei scheint Staatschef Mbeki gegen seinen Konkurrenten Jacob Zuma den Kürzeren zu ziehen.

HB POLOKWANE/JOHANNESBURG. Im Zeichen eines hartnäckigen Richtungsstreits hat der in Südafrika regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) gestern seinen 52. Parteitag in Polokwane fortgesetzt. Nach Beilegung einer Auseinandersetzung um die Art der Stimmenauszählung sollten die 4 075 Delegierten noch am Abend die neue Parteiführung bestimmen. Das Ergebnis wurde erst für den heutigen Dienstag erwartet, da die Stimmen von Hand ausgezählt werden sollten.

Als klarer Favorit ging der von den einflussreichen Gewerkschaften unterstützte 65-jährige Jacob Zuma in die Wahl, mit der wohl auch über den künftigen Präsidenten des Landes entschieden wird. Dem derzeitigen Staatschef Thabo Mbeki werden kaum Chancen auf eine Wiederwahl an die Parteispitze zugeschrieben. Kritikern zufolge hat er sich von der Basis entfremdet und es nicht geschafft, die verarmten Bevölkerungsschichten am Aufschwung von Afrikas größter Volkswirtschaft teilhaben zu lassen. Zuma dagegen präsentiert sich als Volkstribun.

Ranghohe Mitglieder der Partei zeigten sich entsetzt über den tiefen Riss, der durch die Partei geht und bei der Eröffnung des Parteitages zu spontanen Störaktionen der Zuma-Anhänger geführt hatte. „Stoppt die Anarchie“, erklärte Vize-Verteidigungsminister Mluleki George gestern. Zeitungen sprachen von einer „offenen Revolte“ innerhalb der Regierungspartei.

Als ANC-Chef würde Zuma bei den Wahlen 2009 gute Chancen für den Weg ins höchste Staatsamt haben, da sich der mit Zweidrittelmehrheit regierende ANC auf eine breite Basis in der Bevölkerung stützt. Der von der Wirtschaftselite und schwarzen Mittelschicht unterstützte Mbeki selbst darf bei der Präsidentenwahl nicht mehr antreten, könnte als Parteivorsitzender aber einen Nachfolger aufbauen. Sein Verhältnis zu Zuma, den er 2005 als Vizepräsidenten in Folge einer Korruptionsaffäre entlassen hatte, ist unterkühlt. Die beiden Männer gelten inzwischen als Erzrivalen.

Aus Mbekis Lager verlautete denn auch zuletzt, ein Mann wie Zuma, der sich nicht nur wegen Korruptions-, sondern auch wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht verantworten musste, sei für das Land untragbar. Zudem drohe ein Linksruck in der Wirtschaftspolitik, der ausländische Investoren abschrecken könnte.

Mbeki nutzte seine Rede zum Auftakt des Parteitages am Sonntag dazu, eindringlich vor einer weiteren Spaltung der Partei zu warnen. Die Grabenkämpfe könnten den Afrikanischen Nationalkongress zerstören, sagte er. Auch sein Vorgänger, der 89 Jahre alte Nelson Mandela, wandte sich in einer Videobotschaft an die Delegierten und erklärte, die großen Differenzen innerhalb der Partei bereiteten ANC-Veteranen wie ihm große Sorgen. Der seit knapp 100 Jahren bestehende ANC regiert seit 1994 und war die wichtigste Organisation bei der Überwindung der Apartheid.

Zumas Anhänger haben die diversen Gerichtsverfahren wiederholt als Kampagne gegen den Politiker verurteilt. Zuma selbst bestritt zuletzt auch vehement, das Land nach links rücken zu wollen und suchte das Gespräch mit Wirtschaftsvertretern. Die Aussicht auf einen ANC-Chef namens Zuma hat die Märkte dennoch beunruhigt: Die südafrikanische Währung Rand markierte am Montag ein Drei-Wochen-Tief. „Es sieht so aus, als ob Zuma gewinnt, und das ist für Südafrikas Wirtschaft in Zukunft wirklich eine große Sorge“, sagte Experte Carlin Doyle von State Street Global Advisors in London.

Zuma selbst sieht sich gerne als „Mann des Volkes“. Er wird von den einflussreichen Gewerkschaften sowie der ANC-Frauenliga unterstützt, und auch innerhalb seiner Partei erhoffen sich viele, dass er die Not von Millionen verarmten Südafrikanern lindern kann, von denen ein großer Teil noch immer in Townships lebt. Wie Mandela war Zuma jahrelang auf Robben Island inhaftiert, weil er gegen das weiße Apartheids-Regime gekämpft hatte. Nach zehnjähriger Haft ging er ins Exil.

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