Südafrikas Ex-Präsident
Mandelas Zustand ist kritisch

Seit Dezember ist es nun schon das vierte Mal, dass Nelson Mandela im Krankenhaus behandelt wird. Der 94 Jahre alte Nationalheld Südafrikas ist offensichtlich sterbenskrank. Erstmals wird offiziell nichts beschönigt.
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Pretoria/WindhukSüdafrikas Regierung bereitet die Nation auf den Tod Nelson Mandelas vor. Denn der Nationalheld ist sichtlich todkrank. „Wir müssen der Realität ins Auge schauen... Wir dürfen nur nicht hysterisch werden“, warnte der Sprecher des Präsidialamtes, Mac Maharaj. „Lasst uns sein Leben feiern, solange er lebt, und lasst uns sein Leben feiern, wenn er nicht mehr unter uns ist“, forderte der alte Gefährte Mandelas im Kampf gegen das rassistische Apartheid-System.

Erstmals werden den Südafrikanern nicht mehr wie früher beschwichtigende, fast verharmlosende Krankenbulletins über den Zustand des 94 Jahre alten Ex-Präsidenten präsentiert.

Im Falle des Falles könnte es kaum einen geeigneteren Überbringer der traurigen Botschaft geben als Maharaj. Denn gemeinsam saßen die beiden in den 70er Jahren auf der Gefängnisinsel Robben Island in Haft. Maharaj war es, der damals Mandelas Autobiografie „Der lange Marsch zum Frieden“ aus dem Gefängnis schmuggelte. Die 27 Jahre währende Haft Mandelas hat auch viel mit den dramatischen Ereignissen dieser Tage zu tun. Denn die aktuelle Lungenentzündung, die zweite binnen weniger Monate, ist nach Angaben der Ärzten auch eine Folge einer unzulänglich behandelten Tuberkulose, die er sich im Gefängnis zugezogen hatte.

Maharaj verband die schlechten Nachrichten mit „der sehr wichtigen Botschaft Mandelas für uns alle“, die der „Mitmenschlichkeit“. Es gehe eben nicht darum, „nur an sich selbst zu denken, sondern darum, wie man das Leben anderer Menschen besser machen kann“.

Schon im März hatte Südafrikas Präsident Jacob Zuma öffentlich vom Tod Mandelas gesprochen, dem Mann, der über alle Gegensätze von Hautfarben, Völkern und Stämmen hinweg Versöhnung und friedliches Zusammenleben predigte. „In Zulu sagt man über alte Menschen, dass sie heimkehren, wenn sie sterben. Ich denke, wir sollten in dieser Weise denken“, sagte Zuma in einem BBC-Interview. Damals warnte Zuma allerdings auch seine Landsleute davor, wegen der Erkrankung Mandelas „in Panik zu verfallen“, die Leute sollten „ihre Ängste zügeln“.

Zumas Worte machen die Bedeutung des des „Vaters der Regenbogennation“ für das Land am Kap deutlich. Viele Südafrikaner fürchten, dass der Tod Madibas, so sein Clanname, die fragile Demokratie, das relativ friedliche Auskommen zwischen den Bevölkerungsgruppen gefährden könnte. „Wenn Madiba stirbt, stirbt die Freiheit“, lautete vor über einem Jahr die schreierische Überschrift einer „Times“-Kolumne. Die Schreckensvision neuer rassistischer Konflikte scheint nach 19 Jahren gelebter Demokratie und angesichts des relativ friedlichen Zusammenlebens von Schwarz und Weiss kaum vorstellbar - auch wenn die tiefen Wunden des Apartheid-Systems sicher noch nicht verheilt sind.

Aber schon der Gedanke an Mandelas Tod verunsichert viele Südafrikaner aller Schichten und politischen Richtungen tief. „Mandela lebt im Herzen aller Südafrikaner“, betont auch die Oppositionsführerin, die Ministerpräsidentin der Provinz Westkap, Hellen Zille. Als aber ihre Partei, die Demokratische Allianz, 2013 zum „Jahr Nelson Mandelas“ machen wollen, brach beim ANC, der früheren Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei, ein Proteststurm los. Der ANC glaubt nicht, dass Mandela allen Südafrikanern gehört, so wie es Zille behauptet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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