Südamerika-Chef von VW
„Südamerika ist europa-freundlich“

Der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft kommt in der globalen Krise eine besondere Bedeutung zu. Heute wollen die Mercosur-Mitglieder über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit Europa beraten. Wie die Chancen für ein Handelsabkommen stehen, erläutert Viktor Klima, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler und Südamerika-Chef von Volkswagen in Buenos Aires im Gespräch mit dem Handelsblatt.
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Herr Klima, seit 14 Jahren verhandeln Europa und der Mercosur erfolglos über eine Integration. Sehen Sie Aussichten auf eine kurzfristige Einigung?

Viktor Klima: Ja, weil der politische Wille auf beiden Seiten zugenommen hat. In der EU macht die Wirtschaft Druck, weil sie nach der Wirtschaftskrise einen besseren Zugang zu einem der weltweiten Wachstumsmärkte gut gebrauchen kann. Außerdem hat Spanien ab Anfang nächsten Jahres den Vorsitz in der EU. Die Spanier setzen sich stark ein für eine Einigung mit den Südamerikanern. Auch Kommissionspräsident Barroso will eine Integration.

Bisher mangelt es doch vor allem im Mercosur am Interesse an einer Einigung mit Europa.

Das hat sich geändert: Brasilien unter Lula ist sehr an einer Union mit Europa interessiert. Auch Argentinien, welches den Mercosur-Vorsitz übernimmt, möchte außenpolitische Erfolge vorweisen. Außerdem gibt es derzeit so etwas wie ein geopolitisches Fenster für Verhandlungen: Die Stimmung in Südamerika ist derzeit europa-freundlich.

Der Mercosur ist sich in vielen Fragen selbst nicht einig.

Ja, aber den Südamerikanern ist bewusst, dass sie auf Wohlstandsgewinne verzichten, wenn sie sich nicht integrieren. Aus 380 Millionen Menschen besteht der Binnenmarkt in Südamerika. Aber bisher findet nur ein Viertel des Handels in der Region selbst statt.

Im Mercosur ändern sich ständig die Spielregeln. Wie soll da ein komplexes Abkommen mit Europa möglich sein?

Das ist ja gerade der Vorteil eines Abkommens. Da müssen sich die Staaten auf Spielregeln festlegen, auf Normen einigen. Davon würden die südamerikanischen Staaten genauso profitieren. Es fällt den jungen Demokratien in Südamerika einfach schwer, Macht abzugeben. Aber das war ja bei uns in Europa auch nicht anders.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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