Südamerika
Chile glänzt mit kluger Fiskalpolitik

Chile erweist sich inmitten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise als ein Hort der Stabilität. Der Andenstaat federt mit gesparten Rohstoffeinnahmen den Abschwung ab. Der stabile Markt lockt neue Investoren an. Chile wird in diesem Jahr wachsen - im Gegensatz zu Lateinamerika insgesamt.

SANTIAGO. Chile erweist sich inmitten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise als ein Hort der Stabilität - im regionalen und auch im weltweiten Vergleich: Die Börse in Santiago hat mit knapp zehn Prozent Verlust in den vergangenen zwölf Monaten am besten unter allen internationalen Aktienmärkten abgeschnitten. Die Zinsen auf chilenische Anleihen sind weniger stark als in allen anderen Emerging-Markets gestiegen. Und das Andenland wird in diesem Jahr wachsen - und nicht stagnieren, wie Lateinamerika insgesamt.

"Die Märkte belohnen Chile für seine vorausschauende Politik", sagt Luis Arcentales von Morgan Stanley. Tatsächlich profitiert das Andenland in der Krise von seiner anti-zyklischen Fiskalpolitik. Anstatt die hohen Einnahmen aus den Kupferexporten der vergangenen Jahre zu verprassen, hat die Regierung gespart - und für schlechte Zeiten vorgesorgt. Mit 20 Mrd. Dollar ist der Kupfer-Stabilisierungsfond gut gefüllt. Gleichzeitig hat die Regierung 2008 einen Haushaltsüberschuss von sechs Prozent erwirtschaftet. Das Ausgabenpaket in Höhe von vier Mrd. Dollar für Infrastruktur und öffentliche Investitionen, kann der chilenische Staat mühelos schnüren, ohne sich zu überschulden. "Chile ist in der einzigartigen Lage, sein eingespartes Kapital aggressiv einzusetzen, ohne seinen Haushalt zu belasten", sagt Alberto Ramos von Goldman Sachs. Zudem ist der Staat mit einer Verschuldung von rund vier Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) fast schuldenfrei. Entsprechend schnell und problemlos können Regierung und Zentralbank der Wirtschaft Liquidität und Kredite anbieten, ohne gleichzeitig die Steuern anheben zu müssen und die Konjunktur damit abzuwürgen.

Zwar geht auch an Chile die weltweite Krise nicht spurlos vorbei: In diesem Jahr wird das Andenland zwischen 0,5 und zwei Prozent wachsen, so die Prognosen der Investmentbanken - also um maximal gut die Hälfte des Vorjahres (2008: 3,8 Prozent). Zudem ist die Industrieproduktion eingebrochen. Und die ausländischen Rekordinvestitionen von 16 Mrd. Dollar in 2008 werden maximal halb so hoch ausfallen. Große Bauprojekte in Santiagos boomenden Geschäftsviertel Providencia wachsen langsamer als vorgesehen. Dennoch kam es bisher zu keinen Unternehmenspleiten. Denn Chiles Kapitalmarkt ist intakt. "Er federt die externen Kreditausfälle ab", sagt Arcentales von Morgan Stanley. Die Zentralbank hat zudem schnell reagiert. Seit Jahresbeginn hat sie den Zins um 350 Punkte auf 4,75 Prozent gesenkt. "Chile ist in der beneidenswerten Lage in der Krise aktiv gegensteuern zu können", sagt Arcentales.

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