Südamerika
Guerillero will Wahlen in Uruguay gewinnen

Uruguay steht vor den Wahlen. Noch ist das Land auf wirtschaftsfreundlichem Kurs: Aus der „Schweiz Südamerikas“ ist heute ein moderner Agrarlieferant geworden, der sich erfolgreich vom Nachbar Argentinien gelöst hat.
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HB BUENOS AIRES. Auf den ersten Blick scheint es, dass bei den Wahlen in Uruguay am kommenden Sonntag ein weiterer Linksruck Südamerikas bevorsteht: Mit 45 Prozent der Wählergunst hat der ehemalige Guerillero José „Pepe“ Mujica die besten Chancen zum künftigen Präsidenten des 3,5 Millionen-Einwohner-Land gewählt zu werden. Für die uruguayischen Tupamaros kämpfte Mujica in den siebziger Jahren in der Stadtguerilla. Er wurde festgenommen und saß 14 Jahre in Haft. Mit seinem wilden Haarschopf und seinen Auftritten in Pullover und Schlabberhose scheint der 74-jährige Mujica den volksnahen Habitus der südamerikanischen Linkspräsidenten Morales in Bolivien und Correa in Ecuador zu folgen.

Doch die Realität könnte kaum anders sein: Mujica war bereits als Senator und unter dem jetzigen Präsidenten Tabaré Vázquez als Agrarminister ein besonnener Politiker, der dazu beigetragen hat, dass Uruguay zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten Südamerikas wurde. Das Land hat sich seit der tiefen Krise 2002 prächtig erholt. Sogar die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat es weitgehend unberührt gelassen: Ab April dieses Jahres wuchs die Wirtschaft des Landes von der halben Größe Deutschlands bereits wieder. Pablo Goldberg von der Investmentbank HSBC erwartet, dass Uruguays Wirtschaft dieses Jahr ein Prozent wächst und 2010 mit vier Prozent wieder den Wachstumskurs der Vorjahre folgen wird. Zwischen 2003 und 2008 wuchs Uruguay jährlich mehr als sieben Prozent.

Uruguays Erfolgsrezept: Das einstige Steuer- und Bankenparadies hat nach den Erfahrungen von 2002 einen neuen wirtschaftspolitischen Weg eingeschlagen: Statt als Bankenparadies vor allem auf Finanzinvestoren und Steuerflüchtige aus den Nachbarländern zu setzen, ist Uruguay heute ein moderner Argrarlieferant, der von der steigenden Nachfrage nach Landwirtschaftsgütern aus Fernost profitiert. Denn die Krise 2002 war traumatisch für die selbsternannte „Schweiz Südamerikas“: Infolge der Krise und dem Zahlungstopp im benachbarten Argentinien plünderten die Anleger aus dem Nachbarland auch in Montevideo ihre Konten und lösten eine Liquiditätskrise aus. Das Land verlor seinen Investment-Grade-Status und beschloss, sich künftig von der Abhängigkeit des großen Nachbarn im Süden zu befreien.

Mit Erfolg: „Früher war Buenos Aires weltstädtisch und Montevideo provinziell“, sagt der Investmentbanker Walter Molano, „heute strotzt Uruguay vor Vitalität und Argentinien versinkt im Pessimismus.“ Während Argentinien erst seinen Gläubigern bei der Umschuldung harte Schuldenreduzierungen zumutete und anschließend ausländische Konzerne wie die Agrarbranche gängelte, setzte Uruguay auf einen konträren Kurs: Es mutete seinen Gläubigern nur eine weiche Umschuldung zu, ohne Kupon- oder Nominalkürzungen.

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  • informativer, vertiefender Artikel zur Wirtschaftspolitik der Regierung Vasquez unter http://uruguay-magazin.com/Politik/bilanz-der-Regierung-Tabare-Vazquez-ii-Eine-erfolgreiche-Wirtschaftspolitik.html

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