Südamerika
Kolumbien: Weiteres Führungsmitglied der FARC getötet

Die kolumbianischen Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben einen weiteren Anführer der linksgerichteten Guerillagruppe FARC getötet. Aus Kreisen der Staatsanwaltschaft in Bogota verlautete, bei dem Toten handele es sich wahrscheinlich um Ivan Ríos, der zur siebenköpfigen Führungsgruppe gehören soll.

HB BOGOTA. Es wäre der zweite massive Rückschlag für die Rebellengruppe, nachdem am Samstag vor einer Woche ihr Hauptsprecher Raul Reyes bei einer kolumbianischen Kommandoaktion auf ecuadorianischem Territoriums ums Leben kam. Ríos, dessen wirklicher Name Jose Juvenal Velandia ist, wurde den Angaben zufolge in einer Bergregion in der westlichen Provinz Caldas getötet. Eine offizielle Bestätigung gab es vorerst nicht. Die USA haben für die Ergreifung Ríos' eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) ausgesetzt.

Vergangenen Samstag hatte das kolumbianische Militär bei einem Angriff im Nachbarland Ecuador gegen ein FARC-Lager den FARC-Vize Raúl Reyes getötet und damit eine schwere internationale Krise ausgelöst. Reyes war das erste Mitglied des Sekretariats der 1964 gegründeten FARC, das die Streitkräfte hatten töten können.

Erstmals seit Ausbruch der diplomatischen Krise in den Anden kamen indes die Präsidenten der beteiligten Staaten bei einem Gipfeltreffen der lateinamerikanischen Staaten zusammen. Der Gastgeber des Treffens, Präsident Leonel Fernandez von der Dominikanischen Republik, eröffnete den Gipfel am Freitag mit dem Ruf nach Einheit. Eigentlich sollte es bei dem Treffen um die Energiesicherheit gehen, doch standen die Spannungen zwischen Kolumbien auf der einen und Venezuela und Ecuador auf der anderen im Vordergrund.

Der Einsatz kolumbianischer Soldaten auf ecuadorianischem Territorium gegen linksgerichtete Guerilleros löste die Krise aus. Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe warf seinem ecuadorianischen Widersacher Rafael Correa am Freitag mangelnde Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus vor. Correa hatte vor Beginn des Treffens verlangt, Kolumbien müsse sich für den Militäreinsatz gegen die FARC-Rebellen auf fremdem Boden entschuldigen. Darüber hinaus müsse Bogota „formal und verbindlich“ zusichern, dass Kolumbien nie wieder die Souveränität eines anderen Staates verletze.

Der linksgerichtete Präsidenten Venezuelas, Hugo Chavez, der auf Seiten Ecuadors steht, sprach sich vor der Eröffnung des Gipfels für eine Entspannung aus. „Die Leute sollten sich etwas abkühlen und ihre Nerven beruhigen“, sagte Chavez. Er glaube, dass das Gipfeltreffen positiv verlaufen werde. Der sogenannten Rio Gruppe, deren Staatschefs sich in der Dominikanischen Republik versammelten, gehören 20 lateinamerikanische Staaten an.

Chavez hatte die USA für die Eskalation der Lage mitverantwortlich gemacht. Der Militärschlag gegen die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), bei dem ein wichtiger Rebellenführer und 23 weitere Kämpfer ums Leben kamen, sei mit Hilfe von „Gringo-Soldaten“ ausgeführt worden, sagte Chavez.

Ein Sprecher der US-Streitkräfte, Jose Ruiz, wollte eine US-Beteiligung an dem Einsatz diese Woche weder bestätigen noch dementieren. Die USA haben Kolumbien seit 2000 mit rund vier Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) im Kampf gegen Drogenbanden und Rebellen unterstützt.

Die Krise zog am Donnerstagabend noch weitere Kreise quer durch die Region: Nicaragua brach die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien aus Solidarität mit seinen Verbündeten Ecuador und Venezuela ebenfalls ab. Präsident Daniel Ortega sprach angesichts des kolumbianischen Militäreinsatzes von „politischem Terrorismus ausgeführt von der Regierung von Alvaro Uribe“. Venezuela zog tausende Soldaten an der Grenze zusammen und drohte damit, den Handel zwischen beiden Ländern einzufrieren und kolumbianische Firmen im Land zu verstaatlichen.

Der Kontakt Frankreichs zu den Rebellen der FARC ist nach dem Militärschlag Kolumbiens abgebrochen, wie Außenminister Bernard Kouchner am Freitag erklärte. Rebellenführer Raul Reyes war bei der Militäraktion am vergangenen Wochenende getötet worden. Mit Reyes stand Frankreich in Kontakt, um die Freilassung der FARC-Geisel Ingrid Betancourt zu erreichen. Kouchner beklagte, seit dem Militärschlag sei Frankreichs Handlungsfähigkeit eingeschränkt.

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