Südamerika
Mercosur-Gipfel: Zuckerhut und Peitsche

Heute beginnt der Gipfel der Südamerikaner. Venezuelas Präsident steht einmal mehr im Zentrum. Doch in Wirklichkeit gibt Brasilien längst den Ton an. Wie die ungestüme Kraft der Weltwirtschaft am amerikanischen Subkontinent zerrt - und die Regierungen in immer neue Konflikte treibt.

SÃO PAULO. Hugo Chávez und Honduras - wenn heute zehn südamerikanische Staatspräsidenten in Paraguay zum Mercosur-Gipfel zusammenkommen, dürfte Venezuelas linksautoritärer Präsident einmal mehr im Mittelpunkt stehen. Er wird den Putsch in Honduras scharf verurteilen und auf einhellige Zustimmung stoßen. Doch damit sind die politischen Gemeinsamkeiten der Mercosur-Staaten auch schon erschöpft.

Die südamerikanische Gemeinschaft konnte sich nicht einmal auf eine einvernehmliche Gipfel-Agenda einigen. Es sei auch "unrealistisch, inmitten der Wirtschaftskrise eine weitere Integration oder eine Marktöffnung zu erwarten", erklärt Brasiliens Außenminister Celso Amorim. Argentiniens früherer Vizepräsident Carlos Alvarez sagt dagegen frank und frei: "Der Mercosur ist eine leere Hülse, in Südamerika besteht kein wirkliches Interesse mehr an dieser Gemeinschaft." Alvarez weiß auch, warum: Das politische Kräfteverhältnis in Südamerika verschiebt sich Richtung Brasilien - "Brasilien will Weltmacht werden und fühlt sich stark genug dafür".

Tatsächlich hat sich Brasiliens wirtschaftliches und politisches Gewicht seit 2002 kontinuierlich erhöht - und damit de facto den Mercosur als Gremium gleichberechtigter Staaten gesprengt. Die Wirtschaftskrise hat diesen Prozess noch beschleunigt. Erstmals gelingt es Brasilien, eine weltweite Wirtschaftskrise nicht nur vergleichsweise unbeschadet zu überstehen, sondern auch die Rolle des Stabilitätsankers auf dem früher stets unruhigen Kontinent zu spielen. Das gilt für die Wirtschaft und die Politik.

In diesem Jahr wird Brasilien zwar wie der Rest des Kontinents von der Weltwirtschaftskrise gebeutelt. Aber im weltweiten Vergleich kommt Südamerika nach Einschätzung der Wirtschaftskommission der Uno für Lateinamerika (Cepal) eher glimpflich davon: Mehr als ein "normales" Rezessionstal wird Südamerika nicht durchleben - trotz der schwersten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 70 Jahren.

Dass dies so ist, liegt vor allem an Brasilien, dessen Wirtschaft fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Region erzeugt. In Brasilien ist die Konjunkturwende zum Positiven bereits Realität: Nach drei rezessiven Quartalen wächst die Wirtschaft wieder - und zieht die gesamte Region nach oben. Cepal erwartet für Südamerika 2010 ein Wachstum von rund 3,5 Prozent - zählt damit allerdings auch zu den Optimisten. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Finanzmärkte in Erwartung einer sonnigen Zukunft seit Jahresbeginn äußerst positiv gestimmt sind. Währungen wie der Peso in Chile und der Real in Brasilien werteten weltweit am stärksten auf. Und ausländische Unternehmen investieren heute mehr in neue Fabriken, Unternehmen und Produkte als in den letzten Jahren.

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