Südamerika
Uruguays Unternehmer erwarten Kontinuität

Der Sieg des linken Lagers bei der Präsidentschaftswahl ist vorerst ausgeblieben: José Mujica hat die absolute Mehrheit knapp verpasst und muss nun in die Stichwahl mit seinem konservativen Widersacher Luis Alberto Lacalle. Die Wirtschaft des kleinen Landes sieht die Stichwahl gelassen und erwartet Kontinuität in der Wirtschaftspolitik.
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BUENOS AIRES. Der erwartete Sieg des linken Lagers bei der Präsidentschaftswahl in Uruguay steht wieder auf der Kippe. Mit 47,5 Prozent der Stimmen hat José "Pepe" Mujica vom Linksbündnis Frente Amplio am Sonntag knapp die nötige Mehrheit verpasst. Nun muss er sich am 29. November der Stichwahl mit dem Rechts-Mitte-Kandidaten Luis Alberto Lacalle stellen, der 28,5 Prozent der Stimmen erhielt. Das überraschend gute Abschneiden des anderen konservativen Gegenkandidaten, Juan María Bordaberry, macht den zweiten Wahlgang spannend. Denn Bordaberry, der 18 Prozent der Stimmen holte - doppelt so viele wie erwartet -, will für die Unterstützung Lacalles werben.

Die Wirtschaft des kleinen südamerikanischen Landes sieht die Stichwahl gelassen. Egal ob Mujica oder Ex-Präsident Lacalle gewinne - "an den Rahmenbedingungen wird sich in Uruguay wenig ändern", ist Pablo Goldberg von der Investmentbank HSBC überzeugt. Und die sind überraschend gut. Unter dem jetzigen Links-Mitte-Präsidenten Tabaré Vázquez wurde Uruguay zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten Südamerikas. Das Land, halb so groß wie Deutschland, hat sich seit der tiefen Krise 2002 prächtig erholt. Sogar die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat es weitgehend unberührt gelassen: Seit April wächst die Wirtschaft wieder. HSBC-Analyst Goldberg erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um ein Prozent und 2010 um vier Prozent zulegen wird.

Das einstige Steuer- und Bankenparadies Uruguay hat nach den Erfahrungen von 2002 einen neuen wirtschaftspolitischen Weg eingeschlagen: Statt vor allem auf Finanzinvestoren und Steuerflüchtige aus den Nachbarländern zu schielen, ist es heute ein moderner Argrarlieferant, der von der steigenden Nachfrage nach Landwirtschaftsgütern aus Fernost profitiert. Die Krise vor sieben Jahren war - verbunden mit dem Zahlungsstopp im benachbarten Argentinien - traumatisch für die selbst ernannte "Schweiz Südamerikas": Denn die Anleger aus dem Nachbarland plünderten auch in Montevideo ihre Konten und lösten so eine Liquiditätskrise aus. Uruguay verlor seinen Investment-Grade-Status und beschloss, sich künftig aus der Abhängigkeit des großen Nachbarn im Süden zu befreien.

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