Südamerikanische Politikerinnen streben nach oben
Vorbild: Hillary Clinton, Spitzname: Traktor

Überall in Südamerika greift zurzeit eine neue Generation starker Frauen nach den Schalthebeln der Macht oder hält sie bereits in Händen. Die Ära der konservativen Politmachos geht in den südamerikanischen Staaten ihrem Ende entgegen. Porträt einer neuen Politikerinnen-Generation.

BUENOS AIRES/RIO DE JANEIRO. Rein äußerlich wirkt Michelle Bachelet wie eine brave Hausfrau. Ein klassischer, dunkelblonder Pilzhaarschopf, eine einfache, randlose Brille mit großen Gläsern. Der rundliche Körper steckt in einem Kostüm in gedeckten Farben. Eine Frau, die nicht auffällt, die keine Zeit in Schönheitsfarmen verschwendet. Ihre Freunde beschreiben sie als herzlich und bescheiden. „Ich bin eine ganz normale Chilenin: Ich arbeite, mache meinen Haushalt und bringe meine Tochter in die Schule”, sagt die 53-Jährige mit dem typischen Stakkato der Chilenen, das immer ein wenig an Vogelgezwitscher erinnert.

Tatsächlich ist Michelle Bachelet weder brav noch Hausfrau. Man könnte sie als die südamerikanische Angela Merkel bezeichnen. Bachelet ist die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin Chiles, und allen derzeitigen Umfragen zufolge werden ihre Landsleute sie im Dezember zur Präsidentin wählen.

Ihr Aufstieg kommt einer politischen Revolution im konservativen Chile gleich, einem Land, das erst vor kurzem als einer der letzten Staaten der Welt das Scheidungsrecht einführte. Bachelet ist nicht nur eine Frau und Sozialistin, die sich selbst als Agnostikerin bezeichnet, sondern auch noch allein erziehende Mutter von drei Kindern.

Michelle Bachelet wäre die erste Frau, die durch Wahlen an die Spitze eines südamerikanischen Staates gelangt. Doch auf dem Weg an die Spitze der Politik ist sie nicht alleine: Überall auf dem Kontinent greift zurzeit eine neue Generation starker Frauen nach den Schalthebeln der Macht oder hält sie bereits in Händen.

In Brasilien ist Dilma Rousseff als Leiterin des Präsidialamts schon zur einflussreichsten Person in der Regierung neben Staatspräsident Lula aufgestiegen. In Kolumbien ist inzwischen fast die Hälfte der Ministerposten im Kabinett des amtierenden Präsidenten Alvaro Uribe mit Frauen besetzt. In Peru hat die Christdemokratin Lourdes Flores gute Chancen, im nächsten Jahr zur Präsidentin gewählt zu werden. Für die Präsidentschaftswahlen in Bolivien Anfang Dezember gibt es gleich zwei Kandidatinnen für das Amt des Vizepräsidenten. Und in Argentinien wurden die jüngsten Kongresswahlen von der verbalen Schlammschlacht zwischen zwei Frauen bestimmt, Chiche Duhalde und Cristina Fernandez de Kirchner.

Das alles zeigt: Die Ära der konservativen Politmachos geht in Südamerika ihrem Ende entgegen. Die oft seit Jahrhunderten dominierenden männlichen Politclans verlieren an Einfluss. Das findet auf allen Ebenen statt: So verdoppelt sich in Brasilien nach jeder Kommunalwahl die Zahl der Bürgermeisterinnen. Und zwei Gouverneurinnen sind in dem riesigen Land auch schon an der Macht.

Mit den linken oder sozialdemokratischen Regierungen, die in den letzten Jahren fast überall in der Region gewählt wurden, eroberte gleichzeitig eine neue Generation die Politik, die sich mit den deutschen 68ern vergleichen lässt. Gleichberechtigung der Geschlechter gehört für diese Generation – zumindest theoretisch – zum guten Ton.

Seite 1:

Vorbild: Hillary Clinton, Spitzname: Traktor

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%