Südchinesisches Meer
China erbost über US-Manöver

Bislang hat sich Donald Trump im Streit um das Südchinesische Meer in Zurückhaltung geübt. Nun schickt er erstmals einen Zerstörer in von China beanspruchte Gewässer. Pekings Antwort fällt deutlich aus.
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PekingErstmals seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump haben die USA militärische Stärke im Streit um das Südchinesische Meer gezeigt. Wie US-Medien am Donnerstag berichteten, durchquerte ein US-Kriegsschiff Gewässer in der Nähe der Spratly-Inseln, die zum Teil künstlich von China aufgeschüttet wurden. Der Zerstörer „Dewey“ habe während einer Routine-Patrouille die Zwölf-Meilen-Zone um das Mischief-Riff durchfahren. China sieht diese als Hoheitsgewässer an, obwohl es laut eines Urteils des Schiedsgerichtshofs von Den Haag keinen Anspruch besitzt

Peking kritisierte die Durchfahrt deutlich. „Das Fehlverhalten der USA“ würde nur dazu führen, dass China seine Präsenz in der Region weiter ausbaue, um seine Souveränität zu schützen, hieß es in einer Erklärung des chinesischen Verteidigungsministeriums. Zwei chinesische Militärschiffe hätten die „Dewey“ aufgefordert, sich aus den Gewässern zurückzuziehen.

Während China ähnliche US-Manöver in der Vergangenheit immer wieder als illegal bezeichnete, sehen die USA darin keinen Rechtsbruch. „Diese Operationen finden im Einklang mit internationalem Recht statt“, sagte der Pentagon-Sprecher Jeff Davis dem US-Sender CNN. „Wir fahren per Schiff, fliegen und operieren überall dort, wo das internationale Recht das erlaubt.“ .

Einsätze unter dem Titel „Freedom of Navigation“ hatte es unter dem US-Präsidenten Barack Obama in der Region immer wieder gegeben. Das Manöver der „Dewey“ war das erste dieser Art, seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt. In den USA wurde die bisherige Zurückhaltung als Zeichen gewertet, dass Trump die seit seinem Amtsantritt ohnehin angespannten Beziehungen zu Peking nicht noch weiter belasten will.

Trump hatte China im Wahlkampf und auch danach als „Währungsmanipulator“ bezeichnet und einen Strafzoll in Höhe von 45 Prozent auf Einfuhren aus China angekündigt. Auch hatte er China beschuldigt, amerikanische Arbeitsplätze zu stehlen, sowie Pekings „Ein-China-Politik“ gegenüber Taiwan in Frage gestellt. Nach ersten Telefonaten und einem Treffen mit Chinas Präsidenten Xi Jinping in Florida war von vielen der Anschuldigungen jedoch keine Rede mehr. Trump nannte Xi sogar einen „Freund“.

Das Südchinesische Meer gehört zum Pazifischen Ozean und liegt südlich von China zwischen Vietnam, Malaysia und den Philippinen. China beansprucht 80 Prozent des 3,5 Millionen Quadratkilometer großen rohstoffreichen Gebietes, durch das auch ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs geht. Handelswaren im Wert von mehr als fünf Billionen US-Dollar werden jährlich durch das Südchinesische Meer verschifft.

China streitet mit den Nachbarn über Souveränitätsansprüche auf mehrere Atolle. Die Inseln und Riffe liegen teils mehr als 800 Kilometer von China, aber nur etwa 220 Kilometer von den Philippinen entfernt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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