Südchinesisches Meer
Chinesische Kampfjets drängen US-Aufklärungsflugzeug ab

Im Streit um die Senkaku-Inseln im Südchinesischen Meer kommt es zu einem Zwischenfall: Zwei chinesische Kampfjets fliegen ein riskantes Abfangmanöver gegen ein US-Flugzeug. Experten rechnen mit weiteren Spannungen.

Washington/PekingDie Spannungen zwischen den USA und China im Südchinesischen Meer nehmen zu. Zwei chinesische Kampfjets hätten über dem Seegebiet ein riskantes Abfangmanöver gegen einen amerikanischen Seefernaufklärer geflogen, kritisierte das US-Verteidigungsministerium am Donnerstag. Das amerikanische Flugzeug habe sich auf einer Routine-Patrouille im internationalen Luftraum befunden. China widersprach den Angaben und forderte die USA auf, die Naherkundung einzustellen. Die chinesischen Jets hätten einen Sicherheitsabstand zu dem US-Flugzeug eingehalten, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei. Bei dem Zwischenfall habe sich der US-Aufklärer nahe der chinesischen Insel Hainan befunden.

Erst vor einer Woche hatte China Kampfjets aufsteigen lassen, weil sich ein US-Kriegsschiff einer umstrittenen Insel im Südchinesischen Meer näherte. 2014 fing ein chinesischer Pilot ein US-Aufklärungsflugzeug mit akrobatischen Flugmanövern ab. China beansprucht den Großteil des Seegebietes für sich. Auch die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei erheben jedoch Ansprüche auf Teile des Südchinesischen Meeres, unter dem Bodenschätze vermutet werden. Durch die Region führen Seehandelsrouten, über die jedes Jahr Waren im Wert von fünf Billionen Dollar transportiert werden.

China baut seit geraumer Zeit künstliche Inseln in dem Seegebiet. Die US-Regierung wirft dem Land vor, die Region zu militarisieren. China dagegen kritisiert die vermehrten Patrouillen und Manöver von US-Kriegsschiffen in Asien. US-Präsident Barack Obama bricht in wenigen Tagen zu einer Reise auf, die ihn unter anderem nach Japan und Vietnam führen wird.

2015 vereinbarten die USA und China Regeln für ungeplante Zwischenfälle auf See und richteten eine Hotline zwischen ihren Militärs ein. Dies sei genau die Art von Vorfall, die das Abkommen eigentlich verhindern soll, sagte Greg Poling vom Washingtoner Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS). Entweder habe ein Teil der chinesischen Luftwaffe diese Botschaft nicht verstanden oder das Abfangmanöver sei ein Symbol des Unmuts über die jüngsten US-Aktivitäten in der Region.

Der Sicherheitsexperte Zhang Baohui von der Hongkonger Lingnan-Universität sagte, der Zwischenfall belege die Unzulänglichkeiten der Vereinbarung. Zudem zeige er, dass die chinesischen Piloten im Zweifel doch sehr nahe an US-Aufklärungsflugzeuge heranfliegen würden. Derartige Zwischenfälle werde es weiter geben, da für China die nationale Sicherheit Priorität habe, wenn es das Gefühl habe, dass seine Interessen bedroht seien.

China rüstet seit einiger Zeit im Südchinesischen Meer auf, was die Region für die westliche Aufklärung immer interessanter macht. So vergrößert China derzeit seine Flotte atomar bewaffneter U-Boote auf Hainan. Experten gehen außerdem davon aus, dass China an der Küste von Guandong einige seiner modernster Raketen stationiert hat, darunter die DF-21D, die gegen Kriegsschiffe eingesetzt wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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