Südeuropa-Gipfel in Athen
Neue Front gegen Angela Merkel?

Griechenlands Premierminister Tsipras lädt zum Südeuropa-Gipfel in Athen ein. Die EU-Staaten am Mittelmeer sollen in Brüssel künftig mit einer Stimme reden – über die Zukunft der EU und die Migrationskrise.

Athen/BerlinZum ersten Mal in der Geschichte der EU kommen am Freitag die Regierungschefs der wichtigsten EU-Mittelmeer-Anrainer zusammen. Dabei solle aber „auf keinen Fall“ Front gegen die Nordstaaten der EU gemacht werden, hieß es aus Kreisen der griechischen Regierung, die Gastgeber des Treffens in Athen ist.

Auf der Agenda der versammelten Regierungschefs stehen Themen wie Migration und Sicherheit, die antieuropäischen populistischen Bewegungen in vielen EU-Staaten sowie die angekündigte EU-Austritt Großbritanniens.

Ein Mitarbeiter des linken Regierungschefs Alexis Tsipras sagte am Donnerstag, dass zwei der Teilnehmerstaaten wirtschaftlich und politisch keine „reinen“ Südländer seien. Die Industrieländer Frankreich und Italien hätten viele Gemeinsamkeiten mit dem Norden. Allein das zeige, dass es nicht um eine Front von Europa-Skeptikern oder eine Vereinigung gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Brüssel gehe.

Neben dem französischen Präsidenten François Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi werden auch der portugiesische Regierungschef, António Costa, sowie die Regierungschefs Zyperns und Maltas, Nikos Anastasiades und Joseph Muscat teilnehmen. Wegen der Regierungskrise in Spanien hat Interimsregierungschef Mariano Rajoy abgesagt - für ihn kommt ein hochrangiger Vertreter, wie es hieß.

Tsipras verwirklicht mit dem Mittelmeer-Gipfel einen seiner ersten politischen Träume. Unmittelbar nach seiner Wahl im Februar 2015 startete er eine Rundreise in die Südstaaten der EU. Ziel: Verbündete gegen die von den Nordstaaten und Brüssel verordnete Austerität zu finden. Das Südländer-Projekt scheiterte damals kläglich. Renzi und Hollande sagten ihm, er solle erst Ordnung im eigenen Haus schaffen. Spaniens und Portugals Regierungen wollten ihn damals gar nicht sehen, um nicht mit Griechenlands schlechtem Finanz-Status in Verbindung gebracht zu werden.

Die Zeiten haben sich aber geändert. Der Ex-Revolutionär Tsipras sei „gezähmt“, sagt ein Diplomat eines großen Nicht-EU-Landes in Athen. Nach langem politischen Hick-Hack ließ er „Illusionen“ hinter sich, wie er selbst es vor einiger Zeit nannte.

Tsipras unterzeichnete vergangenen Sommer ein hartes Sparprogramm und setzt es jetzt um. Als Gastgeber wichtiger EU-Partner will er zumindest für einen Tag die Aufmerksamkeit der Griechen in eine andere Richtung lenken. Denn der mediale Alltag wird derzeit bestimmt von Rentenkürzungen und Steuererhöhungen.

Die Zeiten haben sich auch für Andere geändert. Der Pariser Präsident Hollande sieht angesichts verheerender Umfrageergebnisse mit Bangen der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr entgegen. Er kann internationale Aufmerksamkeit jenseits der teils umstrittenen engen Zusammenarbeit mit Deutschland gut brauchen.

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