Südkorea: Die Bombe als Rückversicherung

Südkorea
Die Bombe als Rückversicherung

Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist in Korea - und schaut damit den Schurkenstaaten direkt in die Augen. Doch anders als im Fall Iran verlaufen die Gespräche mit Nordkorea in geordneten Bahnen.

HB PANMUNJOM/ TOKIO. Wie bizarr die Situation in der blauen Baracke „T2“ ist, merkt auch Frank-Walter Steinmeier. Fast ungläubig schüttelt der Bundesaußenminister den Kopf, als ihm der US-Offizier erklärt, dass er jetzt gerade auf nordkoreanischem Boden steht. Schließlich ist die auch für Touristen zugängliche Baracke in der Nähe von Panmunjom direkt auf die 1953 zwischen Nord- und Südkorea ausgehandelte Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad gesetzt worden.

Wer um den Verhandlungstisch und vorbei an dem grimmig schauenden südkoreanischen Soldaten geht, wechselt also formal ständig zwischen beiden Hälfte Koreas hin und her. Als Steinmeier wenig später von einem Hügel aus nach Nordkorea späht, erinnert er sich an die deutsche Teilung. Aber eigentlich müsste ihm auch der Iran durch den Kopf geschossen sein. Denn die Eskalation um dessen Atomprogramm beschäftigt den Außenminister nun schon lange. Und jetzt steht er auf dem Boden eines „Schurkenstaates“, der vor einem Jahr sogar offiziell erklärt hat, es verfüge über geheim entwickelte Nuklearwaffen.

Doch anders als im Fall Iran verlaufen die Gespräche mit Nordkorea in geordneten Bahnen. Im „Sechs-Parteien-Gespräch“ der Regionalmächte und der USA wird verhandelt – auch wenn die Gespräche seit einem Zwischenabkommen im September wieder stocken. Dabei läuft ein nordkoreanisches Plutonium-Programm mit jedem Tag weiter, an dem der Konflikt nicht beigelegt ist. Parallel vielleicht auch ein Uran-Anreicherungsprogramm, dessen Existenz die Regierung in Pjönjang aber offiziell bestreitet. Seit Oktober werden in Washington die Hardliner wieder lauter. So kündigte US-Außenministerin Condoleezza Rice an, künftig solle der amerikanische Sondergesandte für die Menschenrechtslage in Nordkorea wieder aktiver werden.

Pjöngjang stört dies bisher nicht sonderlich, zumal Südkorea wie China und Russland die US-Regierung zu einer weicheren Linie drängen. Man setzt im Gegenzug auf stärkere Wirtschaftskontakte. „In Südkorea wird als Problem gesehen, dass die USA ständig ihre Verhandlungstaktik ändern“, sagt Edward Reed von der „Asia Foundation“ in Seoul. Erst biete man Nordkorea etwa die Lieferung von Leichtwasserreaktoren an, dann deute man doch wieder einen „regime-change“ in Nordkorea an. Die Bombe wird als Rückversicherung für das Überleben des eigenen Regimes gesehen. „Beide Seiten misstrauen sich grundlegend“, meint Reed. Experten wie Bruce Klinger von der Politikberatungsfirma „Eurasia“ erwarten deshalb auch keinen Durchbruch, sollte das Sechs-Parteien-Gespräch wieder starten.

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ie Einschaltung des Uno-Sicherheitsrates oder gar militärische Sanktionen drohen Nordkorea dennoch nicht. Ein direkter Vergleich mit dem Iran wird auch in Seoul zurückgewiesen. Das weiß Steinmeier, als er von der Grenze zu Gesprächen mit seinem Amtskollegen fährt. Tatsächlich hat Südkorea im IAEA-Gouverneursrat für die Anrufung des Sicherheitsrates im Falle Iran gestimmt. Denn auch wenn in Seoul das Gefühl vorherrscht, die USA verstünden die komplizierte Lage auf der koreanischen Halbinsel nicht – anlegen möchte man sich deshalb mit dem mächtigen Verbündeten noch lange nicht. Am Abend stellt sich Außenminister Ban Ki Moon neben Steinmeier und betont: „Iran muss seine Aktivitäten stoppen und an den Verhandlungstisch zurückkehren.“

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