Südkoreas Präsidentenwahl
Wirtschaftsnaher Kandidat liegt in Korea vorn

Genau zwei Wochen vor Südkoreas Präsidentenwahl zeichnet sich ein Sieg für die oppositionellen Konservativen ab: Favorit Lee Myun-Bak von der Großen Nationalpartei (GNP) führt in Umfragen rund zwanzig Prozentpunkte vor dem nächsten Kandidaten. Indes verzichtet die Staatsanwaltschaft auf eine Anklage gegen den Favoriten – doch die Zweifel bleiben.

TOKIO. Zwar kamen noch am gleichen Tag ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der Erklärung auf. Doch die im Wahlkampf größte Hürde für Lee ist damit überwunden. Letzte Gefahren drohen ihm von der Wechselhaftigkeit der Südkoreaner: Bei vergangenen Wahlen ergab sich oft in letzter Minute ein völlig anderes Bild als im Vorfeld der Abstimmung.

Die Wahl am 19. Dezember ist von großer Bedeutung für Südkoreas Außenpolitik und den wirtschaftlichen Kurs des Landes. Favorit Lee hat sich bereits kritisch über die Sonnenschein-Politik der Annäherung an Nordkorea geäußert. Diese Politik vertrat der derzeitige Amtsinhaber Roh Moon-Hyun. Trotz der jüngsten Erfolge im Umgang mit dem stalinistisch regierten Nachbarland will Lee Nordkorea mit deutlicheren Forderungen konfrontieren und mit Zuckerbrot und Peitsche auf dessen Öffnung hinarbeiten. So will er Hilfsleistungen an Wohlverhalten in Nuklearverhandlungen koppeln.

Lee Myun-Bak hat sich als Bürgermeister der Hauptstadt Seoul große Popularität erworben. Er gilt als Mann der Tat, der anpackt, wo es nötig ist. Zur Verschönerung des Stadtzentrums setzte er die Wiederherstellung eines kleinen Flusses durch, den die schnelle Entwicklung in unterirdische Betonröhren verbannt hatte. Umgekehrt ließ Lee für eine Autobahn einen Tunnel bauen und einen Häuserblock abbrechen, um Platz für den Bach zu schaffen – der sich heute mangels Zufluss aus herangepumptem Wasser speist. An den sichtbaren Erfolg in Gestalt des neuen Gewässers erinnert sich in Südkorea jeder.

Als Mann der Wirtschaft hat Lee versprochen, das Wachstum hoch und die Steuern niedrig zu halten. Hier unterscheidet er sich von der Konkurrenz aus sozialen und liberalen Parteien, die erstmals nennenswerte Unterstützung für Alte, Kranke und Arbeitslose einführen wollen.

Lee packt sein Wirtschaftsprogramm in die griffige Formel „747“ – sieben Prozent Wachstum, ein verdoppeltes Bruttoinlandprodukt pro Kopf von 40 000 Dollar und Korea als siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. In naher Zukunft unerreichbar, sagen Ökonomen. Ein derartig ehrgeiziges Programm ist jedoch genau das, was das Publikum von einem selbst stilisierten Teufelskerl wie Lee erwartet.

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