Südlibanon
Israel richtet sich auf Besetzung ein

Reichlich fünf Jahre nach dem Abzug der letzten israelischen Soldaten aus dem Südlibanon will die Regierung in Jerusalem erneut eine Pufferzone im Nachbarland besetzen. An den Finanzmärkten machen unterdessen Gerüchte die Runde, die die Hoffnung auf einen Waffenstillstand Israels mit der Hisbollah nähren.

HB JERUSALEM. „Wir haben keine andere Option ... Wir werden einen Pufferstreifen errichten, einen Sicherheitsstreifen, der einen Schild für unsere Truppen sein wird, bis internationale Truppen übernehmen“, sagte Verteidigungsminister Amir Perez. Keinen Kommentar wollten Armee und Regierungsvertreter zum Gerücht abgeben, die Hisbollah-Miliz habe die beiden israelischen Soldaten freigelassen, die sie vor knapp zwei Wochen an der libanesisch-israelischen Grenze entführt hatte. Die Geiselnahme hatte die israelische Offensive ausgelöst.

Am Dienstagnachmittag bombardierte die israelische Luftwaffe erneut den Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut, der als Hochburg der Hisbollah gilt. Es ereignete sich eine Serie gewaltiger Explosionen in den vor allem von Schiiten bevölkerten Wohngebieten. Große Rauchwolken standen über diesem Gebiet. Nach Polizeiangaben fielen etwa zehn schwere Bomben. Dieselben Wohngebiete waren schon vorher von der israelischen Luftwaffe beschossen worden, wobei unter anderem die Führungszentrale der Hisbollah getroffen worden. Viele Wohnhäuser waren zerstört. Der neue Angriff führte zu Panik in den Straßen. Der Verkehr kam teilweise zum Erliegen.

Bei den Gefechten um die südlibanesische Kleinstadt und Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil sind nach israelischen Armeeangaben mindestens 20 Kämpfer der Miliz getötet worden. „In den vergangenen 24 Stunden haben wir rund 20 bis 30 Terroristen getötet“, sagte der israelische Brigadegeneral Ido Nehuschtan am Dienstag. In der Nähe des Dorfes wurden am Montag auch zwei israelische Soldaten getötet.

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat angesichts des Krieges im Libanon dazu aufgerufen, die Palästinenserfrage nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Aufmerksamkeit müsse auf die Lage in den Palästinensergebieten konzentriert bleiben, sagte Rice nach einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Dienstag in Ramallah. Die USA hielten am Ziel zweier friedlich zusammenlebender Staaten fest.

Seit der Tötung zweier Soldaten und der Verschleppung eines dritten durch Kämpfer der in den Palästinensergebieten regierenden Hamas im Juni geht Israel militärisch gegen den Gazastreifen vor. Dabei wurden mindestens 115 Palästinenser getötet. Abbas, der sich gegen den Widerstand der Hamas um eine Wiederbelebung des Friedensprozesses bemüht, äußerte die Hoffnung, dass der israelische Soldat bald im Austausch gegen palästinensische Häftlinge freikommen werde. Israel hat einen Gefangenenaustausch bislang abgelehnt.

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