Südsudan wird unabhängig
Eine Sauna im Palast, aber keine Straßen auf dem Land

Afrika bekommt einen neuen Staat: Seit heute ist der Südsudan unabhängig. Die Hauptstadt Juba boomt, doch die alten Konflikte mit dem Norden bleiben. Gestritten wird ums Öl und um die Grenzregion Abyei.
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JubaDer Countdown läuft seit Wochen: Mitten in Juba, der jüngsten Hauptstadt der Welt, zählt eine Uhr die Tage und Stunden bis zum 9. Juli herunter. Heute ist es so weit: Der Südsudan wird zum 54. Staat Afrikas – und löst sich offiziell vom sudanesischen Zentralstaat im Norden und der dortigen Regierung in Khartum. Direkt neben dem Denkmal von John Garang, dem 2005 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Vorkämpfer für die Unabhängigkeit des Südens, haben Bauarbeiter eine Tribüne errichtet, auf der am Wochenende die vielen Ehrengäste der Feierlichkeiten Platz nehmen werden.

Mehr als 95 Prozent der vier Millionen wahlberechtigten Südsudanesen hatten zu Jahresbeginn in einem Referendum für die Unabhängigkeit der ölreichen aber ansonsten bitterarmen Region votiert. Die Abstimmung war Teil eines im Jahre 2005 zwischen dem muslimischen Norden und christlichen Süden geschlossenen Friedensabkommens, das einen mehr als 20 Jahre langen Bürgerkrieg beendete. Insgesamt waren dabei mehr als zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen.

Juba macht sich seit Wochen für den großen Tag am Wochenende fein. Mit ungewohntem Eifer fegen Putzkolonnen den Abfall von den Straßen, Fahnenmasten werden geschmückt, Regierungsgebäude angestrichen. Kaum eine andere Stadt ist in Afrika in den letzten fünf Jahren so rasant gewachsen wie die neue Hauptstadt des 196. Staates der Welt. Wo einst Gewitterregen die Sandpisten in riesige Seenlandschaften verwandelten, verlaufen heute zumindest ein paar geteerte Straßen - die größte vor dem Präsidentenpalast, der in einem frisch renovierten Kolonialgebäude liegt. Selbst an eine Sauna haben die Architekten gedacht, obwohl bei Außentemperaturen von 35 Grad ein solcher Luxus eigentlich nicht unbedingt notwendig wäre.

Seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages ist die nahe der Grenze zu Uganda und Kenia gelegene neue Hauptstadt nicht wiederzuerkennen: Noch 2005 war Juba einer der unwirtlichsten Orte der Welt und kaum mehr als eine Ansammlung von Lehmhütten und Schotterpisten. Im gesamten Südsudan gab es damals ganze vier Kilometer geteerte Straße – in einem Gebiet von der doppelten Größe Deutschlands. Auch Unterkünfte suchten Besucher damals vergeblich.

Heute boomt Juba. Überall schießen fast immer von Ausländern betriebene Restaurants und Hotels aus dem Boden. Die neue Abfertigungshalle am Flughafen ist zwar noch immer ein Rohbau, doch betonieren chinesische Arbeiter gerade große Flächen um die Halle, um genug Parkplätze für die Maschinen zu schaffen, die hier am Wochenende erwartet werden.

Mit dem Aufschwung kommen allerdings auch viele neue Probleme. In der ganzen Region hat es zuletzt nur eine einzige größere Privatinvestition gegeben: Der südafrikanische Biergigant SAB Miller hat vor zwei Jahren rund 45 Millionen US-Dollar in eine neue Brauerei gesteckt, die für die Bierherstellung mehr Strom erzeugt als ganz Juba für seine 750.000 Menschen. Auch der Verkehr hat stark zugenommen. Allerdings sind die meisten Straßen noch immer ungeteert und versumpfen bei Regen schnell. Und trotz des vom Ölreichtum geschürten Baubooms leben die meisten Menschen noch immer in traditionellen Lehmhütten mit Strohdach. Hochhäuser gibt es keine.

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Eine Sauna im Palast, aber keine Straßen auf dem Land

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Öleinnahmen: Sechs Milliarden Dollar seit 2006

Kommentare zu " Südsudan wird unabhängig: Eine Sauna im Palast, aber keine Straßen auf dem Land"

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  • Natürlich wird Afrika arm regiert und das ja nun seit Jahrzehnten.
    Selbst afrikanische Wissenschaftler haben doch schon die Entwicklungshilfe aus dem Westen kritisiert. Sie ist kontraproduktiv.
    Das ist so wie bei uns mit der Sozialhilfe-Mami in der 3. Generation. Das Geld vom Staat kommt ja, also muß sie sich doch nicht anstrengen und arbeiten gehen
    Aber unsere Gutmenschen wollen davon ja nichts wissen und verschleudern weiterhin jede Menge Geld.
    Wer hat den in den letzten Jahrzehnten von der Entwicklungshilfe partizipiert? Doch nicht die normalen Bürger in Afrika, nein die Diktatoren haben sich die Taschen voll gestopft, wieso sind die denn alle so reich?
    Und immer wieder hatte auch der Westen seine Figner im Spiel im Installieren von Diktatoren.
    Mit diesen ganzen Entwicklugnshilfe-Mißständen muß endlich aufgeräumt werden.
    Hinzu kommt noch, dass wir noch auf andere Art die Afrikaner arm machen. Wenn wir mit Subventionen noch aus Brüssel dort landwirtschaftliche Produkte hin liefern, die billiger sind, als das was sie selbst machen, dann halte ich das für kriminell
    Aber bei unsren durchgeknallten Politikern sehe ich da wohl leider schwarz. Ein Umdenken wird nicht erfolgen, denn das wäre ja zu anstrengend und außerdem bräuchte es dazu mal intellegente Leute, die aber haben wir in der Politik nun absolut nicht.

  • Poltik beginnt mit dem Nachdenken darüber,ob und wie man Ziele erreichen kann.Entwicklungshilfe darf keine Dauerhilfe werden und nicht z.B.die originär staatlichen Aufgaben wie Bildung und Gesundheitsversorgung übernehmen, denn dauerhafte Zahlungen aus dem Ausland zementieren die Abhängigkeit der Regierung. Sie verhindert, dass die Machteliten gegenüber der Bevölkerung Rechenschaft ablegen und verlangsamt eine nachhaltige Entwicklung. Es geht darum, Menschen in die Lage zu versetzen ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Nichts wäre schlimmer, wenn sich das neue Land an die Versorgungskultur durch den Westen gewöhnt, ohne selbst größere Bildungsanstrengungen -nicht nur in der Hauptstadt-zu unternehmen.Ohne ein Mindesmaß an Wissen wird sich der Südsudan nicht entwickeln. Es ist die Pflicht und Schuldigkeit eines jeden Staates hierfür die Grundlagen zu schaffen. Die neue Führung sollte von Ruanda lernen, dass Bildung die einzige Möglichkeit ist, den Sprung aus der Armut zu schaffen und das Leben zu ändern. Im englischen gibt es den Begriff"Tough love". Er bedeutet, dass man jemanden härter anfasst, um ihm oder ihr längerfristig zu helfen. Die Bundesregierung muß endlich den Mut zu unwillkommenen Wahrheiten haben und künftig nur noch dort helfen, wo sich die Regierungen ihren Bevölkerungen und nicht nur ihrem Clan verpflichtet fühlen.
    Volker Seitz "Autor "Afrika wird armregiert"

  • Im englischen gibt den Begriff "Tough love". Er bedeutet, dass man jemanden härter anfasst, um ihm langfristig zu helfen.Politik beginnt mit dem Nachdenken darüber wie man Ziele erreichen kann. Entwicklungshilfe darf keine Dauerhilfe werden und nicht originär staatliche Aufgaben wie Bildung und Gesundheitsversorgung übernehmen, denn unendliche Zahlungen aus dem Ausland zementieren die Abhängigkeit der Regierung. Sie verhindert, dass sie gegenüber der Bevölkerung Rechenschaft ablegt und verlangsamt eine nachhaltige Entwicklung. Es geht darum, Menschen in die Lage zu versetzen, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Nichts wäre schlimmer , wenn sich die neue Regierung an die Versorgungskultur durch den Westen gewöhnt, ohne selbst größere Bildungsanstrengungen zu unternehmen.Ohne ein Mindesmaß an Wissen wird sich der Südsudan nicht entwickeln. Es ist die Plicht eines jeden Staates hiefür die Grundlagen zu schaffen.Dies ist die einzige Möglichkeit den Sprung aus der Armut zu schaffen und das Leben zu ändern.

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