S&P unter Beschuss
EU-Kommission wettert gegen Rating-Entscheidung

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von neun Euroländern stößt auf harsche Kritik. Doch nicht nur Ärger macht sich breit, sondern auch ernsthafte Sorgen um das Top-Rating des Rettungsfonds.
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Brüssel/WienTrotz Herabstufung der bisherigen AAA-Länder Frankreich und Österreich will die Eurozone die Top-Bonität für den Rettungsfonds EFSF erhalten. „Die Teilhaber des EFSF bekräftigen ihre Entschlossenheit, die Möglichkeiten für die Bewahrung des AAA-Ratings zu prüfen“, erklärte Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker am späten Freitagabend. Zuvor hatte S&P Frankreich und Österreich als erste der drei maßgeblichen Ratingagenturen die Spitzenbewertung genommen.

Dadurch entsteht im EFSF ein großes Loch, denn alleine der französische Anteil von rund 160 Milliarden Euro kann nun vermutlich nicht länger für die Ausgabe von AAA-Anleihen zur Finanzierung von Rettungsprogrammen für Pleitekandidaten genutzt werden.

Ohne den Anteil aus Paris schmölze die Ausleihsumme auf unter 300 Milliarden Euro. Andererseits würde der Verlust der Spitzenbewertung für die EFSF-Schuldscheine das Geldleihen für den Fonds verteuern. Juncker beteuerte deswegen, der EFSF „hat ausreichende Ressourcen zur Verfügung“, um seine Verpflichtungen aus laufenden und möglichen zukünftigen Rettungsprogrammen zu erfüllen.

Zugleich betonte der Eurogruppen-Chef, dass das Aufspannen des dauerhaften Rettungsschirms ESM auf Juli vorgezogen und der ESM statt nur mit Garantien auch mit eigenem Kapital ausgestattet wird. „Deswegen wird er von den Ratingnoten seiner Mitglieder nicht so stark beeinträchtigt“.

Ob der Ausleih-Deckel von 500 Milliarden Euro aufgestockt werden muss, soll im März entschieden werden. EU-Währungskommissar Olli Rehn kritisierte, dass S&P Frankreich und Österreich das AAA nahm und auch Italien, Spanien und fünf weitere Euro-Staaten herabstufte. Das sei „inkonsistent“, sagte Rehn, denn es komme zu einer Zeit, in der die Länder „an allen Fronten entschlossen auf die Schuldenkrise reagieren“.

So würden die Konsolidierungen ebenso vorangetrieben wie Strukturreformen, der Bankensektor gestützt und die Brandschutzmauern gestärkt. Rehn betonte mit Blick auf die zuletzt stark gesunkenen Zinsen für Italien und Spanien, dass die Spannungen an den Anleihenmärkten gerade erheblich nachgelassen hätten.

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Kommentare zu " S&P unter Beschuss: EU-Kommission wettert gegen Rating-Entscheidung"

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  • Wettern ist das eine, aber die Zeichen der Zeit und zwar zur rechten Zeit zu erkennen, das ist das Andere.

    Eben diese Zeit vorher hat die EU Commission, Barosso, verschlafen. Sie waren unfähig und sind es wahrscheinlich auch weiterhin. Bei der Besetzung der Ämter sollte mehr auf Qualität geachtet werden. Das gilt auch für unsere Regierung, z.B. für Ämter der EZB. Diese Steine fallen nur auf die Füße (siehe exemplarisch der Fall "Wulff").

    Es macht keinen Sinn, wenn das Kind im Brunnen liegt den Retter zu beschimpfen. Es sei denn, ...

  • Hallo aus Mainz,
    warum werden nicht alle Einnahmen der Ratingagenturen
    öffentlich gemacht? Beispiele:
    England dürfte heute nur die Bewertung "A" und die
    USA ebenfalls nur mit "A" bewertet werden. Es ist inzwischen bekannt, dass der S&P das Geld ausgeht. Warum werden derartige Infos nicht veröffentlicht?

  • Ist doch logisch.Die Herabstufungen waren angekündigt und nur eine Frage der Zeit.
    Euro ade ! Meinen Segen dazu hat er.Je schneller, desto besser für Deutschland.

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