S&P unter Beschuss

Ratingagentur gibt Frankreich eins auf die Mütze - aus Versehen

Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass Frankreich sein Top-Rating verlieren könnte. S&P hat das Szenario nun irrtümlich wahr werden lassen und sich bis auf die Knochen blamiert. Jetzt greift die Aufsicht ein.
Update: 11.11.2011 - 13:09 Uhr 21 Kommentare
Frankreichs Finanzminister Francois Baroin. Quelle: dpa

Frankreichs Finanzminister Francois Baroin.

(Foto: dpa)

Für kurze Zeit schien der Super-Gau der Finanzkrise Wirklichkeit zu werden. Eine Mitteilung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) machte wie ein Lauffeuer die Runde. Die Bonitätswächter, so hieß es, hätten die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabgestuft. Doch kurze Zeit später kam die Entwarnung: Alles nur ein Irrtum.

Aber der Schreck saß tief. Frankreichs Finanzminister Francois Baroin nannte den Fehler der Ratingagentur am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Lyon „ziemlich schockierend“. Er forderte die Regulierungsbehörden auf, die Ursachen und Folgen des Vorgangs zu klären.

Mit der irrtümlichen Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit hat S&P Ängste vor einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise weiter angeheizt. Erst zwei Stunden nach dem Vorfall räumte die Agentur ein, am Donnerstag versehentlich eine Mitteilung an einige Abonnenten ihrer Internet-Seite verschickt zu haben, die eine Verschlechterung der Bonität signalisierte. Ursache sei ein technischer Defekt gewesen, erklärte S&P und betonte gleichzeitig, dass Frankreich noch immer die Bestnote „AAA“ mit einem stabilen Ausblick habe. In New York gaben die Aktienkurse in Folge der Mitteilung vorübergehend nach, während französische Staatsanleihen zunächst deutlich an Wert verloren.

Auch in Deutschland sorgte die Panne für großen Unmut. Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, forderte zudem Konsequenzen. „Die Europäische Kommission soll endlich ihre Vorschläge zur Regulierung von Ratingagenturen vorlegen“, sagte Flosbach Handelsblatt Online. Standard & Poor's warf er vor, „in höchstem Maß unprofessionell und grob fahrlässig“ gehandelt zu haben. „Einen besseren Beweis für meine ständige Forderung, dass wir für Rating-Agenturen endlich einen wirksamen zivilrechtlichen Haftungsrahmen brauchen, gibt es nicht“, sagte er. „Rating-Agenturen müssen für solches Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen werden.“

Damit sei es aber nicht getan, sagte Flosbach weiter. Nötig sei vielmehr eine stärkere Regulierung von Rating-Agenturen. Deren Aktivitäten müssten im Einklang mit den Grundsätzen der Integrität, Transparenz, Rechenschaftspflicht und guter Unternehmensführung stehen. „In der Europäischen Gemeinschaft sollen nur Ratings verwendet werden dürfen, die unabhängig, objektiv und von hoher Qualität sind“, sagte der CDU-Politiker. Die Rating-Agenturen müssten zudem „schnellstmöglich dafür sorgen, dass alle Marktteilnehmer der Qualität, Beständigkeit und Integrität der Ratings wieder vertrauen können.“

Das peinliche Missgeschick von S&P hat die Anleger am Anleihemarkt jedoch nur kurz geschockt. Nach dem deutlichen Renditeanstieg am Donnerstag, erholten sich französische Anleihen am Freitagmorgen etwas. Die Rendite zehnjähriger französischer Papiere sank am Morgen leicht auf 3,38 Prozent, nachdem sie am Vortag bis auf 3,45 Prozent gestiegen war.

Die französische Börsenaufsicht AMF bestätigte bereits, eine Untersuchung eingeleitet zu haben. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA sei ebenfalls kontaktiert worden, hieß es. Ratingagenturen waren in jüngster Zeit verstärkt in die Kritik geraten. Den drei großen US-Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch wird auch von etlichen europäischen Politikern vorgeworfen, mit ihren Herabstufungen die Krise in Europa zu verschärfen und nicht unparteiisch zu sein.

Der britische Ex-Premier Gordon Brown schürt die Ängste
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21 Kommentare zu "S&P unter Beschuss: Ratingagentur gibt Frankreich eins auf die Mütze - aus Versehen"

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  • @AlexM4

    Was Sie nicht sagen! Das Rating eines Staates beinhaltet gesamtwirtschaftliche sowie politische Stärken und Schwächen eines Landes, die gegeneinander abgewogen werden. Punkt.

    Und natürlich sagt des Saldo der Ergebnisses dann auch etwas über die Stärke/Schwäche der Währung des Landes aus. Nach welchen Kriterien würden Sie würden Sie die denn sonst bewerten wollen.?

  • Sarkozy weiß ja auch, dass er von Merkel gerettet wird. Das hat er ja selbst so eingefädelt.

  • Ich will mich den rein spekulativen Äußerungen hinsichtlich einer Intervention von Barack Obama bei S&P oder ob die USA um ihre Reputation des Dollars fürchten, nicht anschließen. Dazu fehlen die Beweise. Allerdings stößt es immer wieder neagtiv auf, dass es sich bei den drei führenden Ratingagenturen S&P, Moody´s und Fitch um amerikanische Agenturen handelt. Im Gegenzug sollte auf europäischer Ebene eine gemeinschaftliche Ratingagentur gegründet werden. Aber vor dem Hintergrund, dass es in Europa eh schwierig ist gemeinsame Entscheidungen zu treffen, wird dies auch nur ein Wunschgedanke sein. Ob es sich bei dieser Meldung des Downgrade um einen Irrtum oder einer vorgetäuschten Absicht handelt, wird keine übergeordnete Rolle spielen. Die Eurokrise ist schon soweit fortgeschritten, dass solche Meldungen das Bild nur noch abrunden.

  • So sehe ich das auch. Man hat S&P die Pistole auf die Brust gesetzt und gezwungen, die Meldung zurückzuziehen. Denn welche Auswirkungen ein Downgrade aktuell hätte kann man sich ohne viel Fantasie ausmalen. Und so reiht sich Lüge an Lüge an Lüge an Lüge... Ein Blick auf die Renditen für F-Bonds spricht für sich! So wird alles nur weiter hinausgeschoben, aber nicht aufgehoben.

  • @moika: Ratings beziehen sich nur auf die Fähigkeit zur Zahlung von Zinsen und die Rückzahlung der Anleihe. (und sind auch keine Bewertung einer Währung). Sowohl die USA als auch die europäischen Länder haben in dieser Hinsicht Probleme, die es üblicherweise nicht für Staatsanleihen in der eigenen Währung eines Landes gibt:
    USA - hat eine verfassungsmässige Schuldenbremse und Kontrollmacht der Abgeordneten, die das Gelddrucken teilweise be- oder verhindern kann. Übrigens gut für die Bevölkerung - aber Mist für Beamte und Politiker. Die Abstufung hier liegt daran, wie groß der Widerstand vieler Abgeordneter gegen die Ausgabenpolitik ist
    Europa - eigentlich ist Gelddrucken hier verboten bzw. der einzelne Staat kann eben nicht im klassischen Sinne Geld drucken, sondern muss immer mehr Kredit aufnehmen oder eben alle anderen mit dazu holen. Das in Anbetracht dieser Lage irgendein EU-Land überhaupt AAA bewertet wird, ist eigentlich grotesk.

  • Dass Ratingagenturen ein merkwürdiges Spiel mit ihrem Staatenrating in diesen Zeiten treiben, ist schon seit einigen Wochen nicht mehr ganz verborgen geblieben. Am 10. Oktober 2011 war es dann soweit. S&P veröffentlichte ein Downgrading Frankreichs. Versehentlich. Die Erklärung geradezu lächerlich unglaubwürdig.
    Eine deutlichere Offenbarung über die Zustände in den Ratingagenturen kann es kaum noch geben. Da läuft ein globales Heer gläubiger Finanzenlenker einer Sekte hinterher, deren Einstellung zur Sorgfalt und ihrem moralischen Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit ihren Einschätzungen das eigentliche Elend nicht nur zu fördern scheint. Ein profitorientierter Werteverfall, der dazu noch einen tendenziösen Beigeschmack hat. So kommentierte ein Finanzanalyst Tags darauf im Radio, dass es schon auffallend sei, wie amerikanische Ratingagenturen Europa sturmreif schießen, während das eigene Land gut 15 Billionen US-Dollar Schulden hat.

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    HICRO Analytics

  • @yoski

    Wenn Ihrer Meinung nach Deutschland um einen und Frankreich um zwei Punkte abgestuft werden müßten - wo müßte dann im Rating Amerika stehen?

    Und vor allem wo stände dann erst Großbritannien? Ein Staat praktisch ohne produzierendes Gewerbe kann auf Dauer nicht nur von der Dienstleistung leben. Das Problem haben sie jetzt schon. England sitzt (durch die Zentralbank gekauft) mittlerweile auf einem Berg eigener Anleihen, die rund 18 Prozent des BIP ausmachen. Bei der EU sind's bis jetzt erst 2,7 Prozent.

    Damit drucken die Tommies Geld bis zum Anschlag! Na, was glauben Sie warum ausgerechnet England trotzdem nicht herabgestuft wird und deren tripple A rating erst vor vier Wochen noch ausdrücklich bestätigt wurde? Klar das Gordon Brown gestern in Moskau in das gleiche Horn wie Krugman und Mayer stieß: Dem geht, wie der Ruhrgebietler so treffend auszudrücken pflegt, der Ar... auf Grundeis...

    Nicht einer möglichen Herabstufung wegen - da muß jede der Agenturen erst das OK des amerik. Finanzminiteriums einholen, sondern weil die Probleme der Refinanzierung immer größer werden. Und England hat nicht einmal ansatzweise das Standing der USA, aber inzwischen Preissteigerungen von 5 Prozent und mehr. Da kocht der Kessel bald über.

  • Wenn das Irrtum ist, dann ist S&P unfähig und unseriös. Wenn das absichtlich geschehen ist, dann spekuliert S&P. Das ist auch Betrug.

  • ...und die Einführung des EURO war natürlich auch ein "Versehen", wird bemerkt und bald wieder zurück genommen...

  • "Die Amis fürchten um die Reputation des Dollar und versuchen den Euro mit aller Macht, unter der Beihilfe deutscher Finanzinstitute, sturmreif zu schießen. "
    Die Amis brauchen nichts sturmreif zu schiessen. Den Euro gegen die Wand zu fahren bekommen die Europaer ganz alleine gebacken.
    Die hatten F um zwei Noten und D um eine Note herabstufen muessen. Das entspricht in etwa den Verhaeltnissen.

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