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S&P unter Beschuss: Ratingagentur gibt Frankreich eins auf die Mütze - aus Versehen

Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass Frankreich sein Top-Rating verlieren könnte. S&P hat das Szenario nun irrtümlich wahr werden lassen und sich bis auf die Knochen blamiert. Jetzt greift die Aufsicht ein.

Frankreichs Finanzminister Francois Baroin. Quelle: dpa
Frankreichs Finanzminister Francois Baroin. Quelle: dpa

Für kurze Zeit schien der Super-Gau der Finanzkrise Wirklichkeit zu werden. Eine Mitteilung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) machte wie ein Lauffeuer die Runde. Die Bonitätswächter, so hieß es, hätten die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabgestuft. Doch kurze Zeit später kam die Entwarnung: Alles nur ein Irrtum.

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Aber der Schreck saß tief. Frankreichs Finanzminister Francois Baroin nannte den Fehler der Ratingagentur am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Lyon „ziemlich schockierend“. Er forderte die Regulierungsbehörden auf, die Ursachen und Folgen des Vorgangs zu klären.

Mit der irrtümlichen Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit hat S&P Ängste vor einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise weiter angeheizt. Erst zwei Stunden nach dem Vorfall räumte die Agentur ein, am Donnerstag versehentlich eine Mitteilung an einige Abonnenten ihrer Internet-Seite verschickt zu haben, die eine Verschlechterung der Bonität signalisierte. Ursache sei ein technischer Defekt gewesen, erklärte S&P und betonte gleichzeitig, dass Frankreich noch immer die Bestnote „AAA“ mit einem stabilen Ausblick habe. In New York gaben die Aktienkurse in Folge der Mitteilung vorübergehend nach, während französische Staatsanleihen zunächst deutlich an Wert verloren.

Auch in Deutschland sorgte die Panne für großen Unmut. Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, forderte zudem Konsequenzen. „Die Europäische Kommission soll endlich ihre Vorschläge zur Regulierung von Ratingagenturen vorlegen“, sagte Flosbach Handelsblatt Online. Standard & Poor's warf er vor, „in höchstem Maß unprofessionell und grob fahrlässig“ gehandelt zu haben. „Einen besseren Beweis für meine ständige Forderung, dass wir für Rating-Agenturen endlich einen wirksamen zivilrechtlichen Haftungsrahmen brauchen, gibt es nicht“, sagte er. „Rating-Agenturen müssen für solches Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen werden.“

Damit sei es aber nicht getan, sagte Flosbach weiter. Nötig sei vielmehr eine stärkere Regulierung von Rating-Agenturen. Deren Aktivitäten müssten im Einklang mit den Grundsätzen der Integrität, Transparenz, Rechenschaftspflicht und guter Unternehmensführung stehen. „In der Europäischen Gemeinschaft sollen nur Ratings verwendet werden dürfen, die unabhängig, objektiv und von hoher Qualität sind“, sagte der CDU-Politiker. Die Rating-Agenturen müssten zudem „schnellstmöglich dafür sorgen, dass alle Marktteilnehmer der Qualität, Beständigkeit und Integrität der Ratings wieder vertrauen können.“

Das peinliche Missgeschick von S&P hat die Anleger am Anleihemarkt jedoch nur kurz geschockt. Nach dem deutlichen Renditeanstieg am Donnerstag, erholten sich französische Anleihen am Freitagmorgen etwas. Die Rendite zehnjähriger französischer Papiere sank am Morgen leicht auf 3,38 Prozent, nachdem sie am Vortag bis auf 3,45 Prozent gestiegen war.

Die französische Börsenaufsicht AMF bestätigte bereits, eine Untersuchung eingeleitet zu haben. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA sei ebenfalls kontaktiert worden, hieß es. Ratingagenturen waren in jüngster Zeit verstärkt in die Kritik geraten. Den drei großen US-Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch wird auch von etlichen europäischen Politikern vorgeworfen, mit ihren Herabstufungen die Krise in Europa zu verschärfen und nicht unparteiisch zu sein.

Ratingagenturen ABC

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

  • Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

    Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

  • Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

    Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

  • Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

    Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

  • Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

    Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

  • 11.11.2011, 17:01 UhrAnonymer Benutzer: Moika

    @AlexM4

    Was Sie nicht sagen! Das Rating eines Staates beinhaltet gesamtwirtschaftliche sowie politische Stärken und Schwächen eines Landes, die gegeneinander abgewogen werden. Punkt.

    Und natürlich sagt des Saldo der Ergebnisses dann auch etwas über die Stärke/Schwäche der Währung des Landes aus. Nach welchen Kriterien würden Sie würden Sie die denn sonst bewerten wollen.?

  • 11.11.2011, 15:26 Uhrmargrit117888

    Sarkozy weiß ja auch, dass er von Merkel gerettet wird. Das hat er ja selbst so eingefädelt.

  • 11.11.2011, 15:26 UhrChecker75

    Ich will mich den rein spekulativen Äußerungen hinsichtlich einer Intervention von Barack Obama bei S&P oder ob die USA um ihre Reputation des Dollars fürchten, nicht anschließen. Dazu fehlen die Beweise. Allerdings stößt es immer wieder neagtiv auf, dass es sich bei den drei führenden Ratingagenturen S&P, Moody´s und Fitch um amerikanische Agenturen handelt. Im Gegenzug sollte auf europäischer Ebene eine gemeinschaftliche Ratingagentur gegründet werden. Aber vor dem Hintergrund, dass es in Europa eh schwierig ist gemeinsame Entscheidungen zu treffen, wird dies auch nur ein Wunschgedanke sein. Ob es sich bei dieser Meldung des Downgrade um einen Irrtum oder einer vorgetäuschten Absicht handelt, wird keine übergeordnete Rolle spielen. Die Eurokrise ist schon soweit fortgeschritten, dass solche Meldungen das Bild nur noch abrunden.

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