Symbolische Volksabstimmung
Katalanen stimmen für Unabhängigkeit

Bei einer symbolischen Volksabstimmung in Katalonien hat die große Mehrheit der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit der wirtschaftsstärksten Region Spaniens votiert. Allerdings beteiligten sich nur 30 Prozent der Bevölkerung an der Abstimmung und die Regierung in Madrid erkennt das Ergebnis nicht an.
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HB BARCELONA. Wie die Veranstalter in der Nacht zum Montag mitteilten, gaben etwa 30 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das Ergebnis hat keine bindende Wirkung. Die Abstimmung fand in mehr als 160 Städten und Gemeinden der nordostspanischen Region statt.

Die Bürger sollten die Frage beantworten, ob sie dafür oder dagegen sind, dass Katalonien einen unabhängigen Staat bildet und ein eigenständiges Mitglied der Europäischen Union wird. Von den 700 000 Stimmberechtigten - etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung Kataloniens - beteiligten sich rund 200 000 an der Abstimmung. Davon votierten nach vorläufigen Ergebnissen fast 95 Prozent für die Loslösung Kataloniens von Spanien. Knapp vier Prozent der Teilnehmer stimmten gegen die Unabhängigkeit.

Die Veranstalter bezeichneten die Abstimmung als einen großen Erfolg. Allerdings hatten sie auf eine größere Beteiligung gehofft. Sie kündigten an, über ein Volksbegehren im kommenden Jahr die Abhaltung eines verbindlichen Referendums über die Unabhängigkeit Kataloniens durchsetzen zu wollen.

Die spanische Regierung in Madrid erkennt den Ausgang der jetzigen Abstimmung nicht an. Nach der Verfassung darf in Spanien nur der Zentralstaat Referenden abhalten. "Solche Abstimmungen bringen nichts ein", sagte der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Die symbolische Abstimmung wurde von privaten Initiativen organisiert. Die Rathausverwaltungen in den jeweiligen Städten gaben ihr Einverständnis, durften die Veranstalter aber nicht unterstützen.

Nach Umfragen sind unter den 7,4 Mio. Einwohnern Kataloniens die Befürworter einer Loslösung der Region von Spanien in der Minderheit. Ihre Zahl stieg in letzter Zeit jedoch ständig an. Eine Studie der Regionalregierung bezifferte ihren Anteil auf etwa 20 Prozent. Der prominenteste Förderer dieser Bewegung ist der Präsident des Fußballclubs FC Barcelona, Joan Laporta. Beim Spiel des FC Barcelona gegen den Lokalrivalen Espanyol hatten Tausende von Zuschauern am Samstagabend Unabhängigkeitsflaggen geschwenkt.

Katalonien versteht sich auf der Grundlage seines im Jahr 2006 verabschiedeten Autonomie-Statuts als eine "Nation". Flächenmäßig ist die Region etwa so groß wie Belgien. Die katalanische Sprache war während der Franco-Diktatur (1939-1975) unterdrückt worden. Sie wird außer in Katalonien selbst auch in der Region Valencia, auf den Balearen und im Pyrenäen-Kleinstaat Andorra gesprochen.

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