Syrien
Assad setzt immer häufiger Luftwaffe ein

Die Gefahr einer Konfrontation wächst: Assad setzt immer häufiger die Luftwaffe ein, gegen die sich die Rebellen nicht verteidigen können. Würde eine Flugverbotszone eingerichtet, käme es zur Eskalation.
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Beirut Die syrischen Soldaten sind durch den Krieg an den verschiedenen Fronten im Land so zermürbt, dass die Streitkräfte im Kampf gegen die Rebellen immer häufiger Flugzeuge und Hubschrauber zur Unterstützung einsetzen. Das liefert Hinweise auf die Stärke der syrischen Luftwaffe: Diese Informationen könnten interessant werden, wenn sich westliche Länder für die Durchsetzung einer Flugverbotszone etwa im Norden Syriens entscheiden sollten, wo die Rebellen ein größeres Gebiet kontrollieren. Dann wären direkte Konfrontationen mit syrischen Kampfflugzeugen und der Flugabwehr unausweichlich.

"Diese Möglichkeit bereitet dem Regime offenbar immer mehr Sorgen", sagt der Politikwissenschaftler Christopher Chivvis von der Rand Corporation. "Mit dem zunehmenden Einsatz von Flugzeugen wächst die Gefahr einer ausländischen Intervention." Solch eine Konfrontation wollen auch die USA möglichst vermeiden. Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte noch am 14. August, dieses Thema sei für die USA nicht vorrangig. Da können die Rebellen auch noch so sehr appellieren, sie brauchten mehr Schutz vor Luftangriffen. Die russische Regierung, Assads wichtigster Rückhalt, ist gegen jede Flugverbotszone.

Wie viele Opfer die syrischen Luftangriffe unter der Zivilbevölkerung bislang gefordert haben, ist unklar. Die syrische Opposition spricht von Hunderten, vielleicht Tausenden Toten im ganzen Land. Effektive Waffen gegen die Flugzeuge und Hubschrauber der Regierungsstreitkräfte haben die Rebellen nicht. Warum die Regierung die Luftangriffe intensiviert hat, ist nicht ganz klar. Der Krieg wird meist am Boden, in den Städten ausgefochten. Die Rebellen sehen deshalb in den zunehmenden Luftangriffen auch ein Anzeichen für die wachsende Verzweiflung des Regimes.

Genaue Zahlen zur Stärke der syrischen Luftwaffe und der Flugabwehr gibt es nach Angaben von Analysten nicht, da alle militärischen Angelegenheiten großer Geheimhaltung unterliegen. Die Art der bislang eingesetzten Flugzeuge könnte aber darauf hindeuten, dass die Regierung noch größere Auseinandersetzungen mit westlichen Streitkräften erwartet. So wurden bislang vor allem leichte Trainingsflugzeuge eingesetzt, um Bodentruppen zu unterstützen. Modernere Jets wie sie sowjetischen MiG-25 und MiG-29, über die die Luftwaffe auch verfügt, kamen nicht zum Einsatz.

"Da stellt sich die Frage, warum sie nicht diese modernere Ausrüstung nutzen", sagt Pieter Wezeman, Forscher am schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI. "Halten sie sie zurück für eine mögliche ausländische Intervention?" Die Strategie in der syrischen Luftwaffe und der Flugabwehr habe sich seit einem israelischen Luftangriff 2007 auf eine mutmaßliche syrische Atomanlage geändert, sagt Wezeman. Seitdem habe das Regime moderne russische Kampfflugzeuge und Flugabwehrraketen eingekauft. Darunter waren 24 MiG-29M2 und 36 Yak-130, die auch zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt werden können. Diese Flugzeuge wurden zwar bislang nicht ausgeliefert, dafür aber Flugabwehrraketen und andere Munition.

Mit diesen Waffen wurde die syrische Flugabwehr in den vergangenen Jahren überholt. So wurde ein weitflächiges Netz von Flugabwehr-Batterien aufgebaut. Nach Ansicht von Experten besitzt Syrien eines der besten Flugabwehrsysteme in der Region. Sich überlappende Systeme mit Raketen werden durch Tausende Geschütze ergänzt, die Flugzeuge in niedrigeren Höhen bekämpfen können. Wegen der Geheimhaltung sei unklar, ob Syrien auch moderne russische S-300-Raketen besitze, sagt Wezeman. Russland wollte die Systeme nicht liefern, unbestätigten Berichten zufolge könnten das aber andere Staaten gemacht haben. Dann könnte jede Intervention dem Angreifer teuer zu stehen kommen. Die syrische Flugabwehr sei definitiv besser als die libysche, erklärten Experten.

Erschwerend hinzu kommt, dass die Durchsetzung einer Flugverbotszone, für die es wegen des Widerstands Russlands und Chinas keine Zustimmung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen geben wird, einen größeren internationalen Konflikt heraufbeschwören würde. Der würde dann wohl auch Auswirkungen etwa auf das Verhalten Russlands im Konflikt um das iranische Atomprogramm haben, befürchtet Nick Witney, der frühere Chef der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA). "Die Russen und Chinesen werden nicht nachgeben, und einseitige Aktionen des Westens könnten einen alten Ost-West-Konflikt wegen Syrien heraufbeschwören. Das wäre ein gewagtes Spiel angesichts des Pulverfasses im Nahen Osten."


Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien : Assad setzt immer häufiger Luftwaffe ein "

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  • gute Mann,

    das ist eine Strafexpedition / Lektion für Syrien, weil die aus dem Dollar-Verbund austreten wollten.

    Iraq, Iran und Syrien wollen extern in EURO abrechnen, nicht in Dollar.

  • wenn ich zur syrischen bewölkerung gehören wurde, ich würde in ein Flüchtlingslager gehen. Nur so kann ich mich vom Terror distanzieren. Wenn rings um mich die Häuser in schutt in asche liegen, dann wohn ich doch da nicht mehr, wenn dort dann kämpfe statt finden, dann doch nicht von der Zivilbewölkerung! Diese angeblich Rewolte ist zum mega Flop geworden, die rechnung der Mulas ging nicht auf und auch nicht die der Nato.

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