
AmmanDie für das viertägige Opferfest der Muslime ausgehandelte Waffenruhe in Syrien verliert immer mehr an Bedeutung. Auch am vorletzten Tag der eigentlich vereinbarten Feuerpause schwiegen die Waffen nicht. Oppositionellen zufolge nahmen Kampfflugzeuge am Sonntag Vororte der Hauptstadt Damaskus unter Beschuss. Die Angriffe hätten Vierteln gegolten, in denen hauptsächlich sunnitische Muslime leben. Die Sunniten bilden das Rückgrat des Aufstands gegen Machthaber Baschar al-Assad, der als Alawit einem Zweig des schiitischen Islam angehört. Mit der Waffenruhe von Freitag bis Montag hatte der Sondergesandte Lakdar Brahimi einen Impuls für einen dauerhaften Frieden geben wollen.
Kampfflugzeuge russischer Bauart hätten am Sonntag Ziele in den Vororten Samalka, Irbin und Harasta bombardiert, berichteten die Oppositionellen weiter. Es habe heftige Explosionen gegeben, dicke Rauchsäulen seien aufgestiegen. In Harasta seien Strom-, Wasser- und Telefonleitungen gekappt worden. Dutzende Verletzte hätten aus dem örtlichen Krankenhaus in andere Einrichtungen verlegt werden müssen, weil die Bomben immer näher eingeschlagen seien.
An die syrische Hauptstadt Damaskus grenzen zahlreiche sunnitische Vororte, die in dem seit nunmehr 19 Monaten andauernden Aufstand gegen Assad eine zentrale Rolle spielen. Alawiten wie Assad haben das mehrheitlich sunnitische Land seit Jahrzehnten politisch dominiert. Der internationale Sondergesandte Brahimi hatte für die Dauer des islamischen Opferfestes eine Waffenpause vereinbart, die am Freitag in Kraft treten sollte. Sie wurde aber bereits nach kurzer Zeit gebrochen.