Syrien
Französischer Journalist in Protesthochburg getötet

Dem Blutvergießen in Syrien fällt erstmals ein westlicher Korrespondent zum Opfer. Ein französischer Fernsehjournalist stirbt, als in Homs eine Demonstration von Anhängern des Regimes mit Mörsergranaten beschossen wird.
  • 0

Kairo/Beirut/ParisKnapp zehn Monate nach Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad ist erstmals ein westlicher Korrespondent in Syrien getötet worden. Der französische Fernsehjournalist Gilles Jacquier starb nach syrischen Regierungsangaben am Mittwoch in der Protesthochburg Homs. Der langjährige Kriegsberichterstatter des Fernsehsenders France zwei gehörte zu einer Gruppe von ausländischen Reportern, die auf Einladung der Regierung an einer Demonstration von Regimeanhängern teilgenommen hatte. Der Demonstrationszug wurde nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana mit Mörsergranaten beschossen.

Dabei sind der Franzose sowie acht Syrer getötet worden, wie Sana weiter berichtete. Bei den Tätern handele es sich um „bewaffnete Terroristen“ - das ist die seit Monaten gängige Bezeichnung des Regimes für die Protestbewegung.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy drückte seine Abscheu über die Tat aus. Außenminister Alain Juppé verurteilte die Tat und verlangte eine Aufklärung der Todesumstände. In einer Erklärung forderte er die syrische Führung zudem auf, für die Sicherheit ausländischer Journalisten zu sorgen und die Pressefreiheit zu schützen.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, ein weiterer westlicher Reporter sei verletzt worden. Nach Angaben des internationalen Presseinstituts IPI handelt es sich um einen Belgier. In anderen Berichten war von einem Niederländer die Rede.

Der Fernsehsender Dunia strahlte erschütternde Aufnahmen vom Unglücksort aus. „Er ist tot“, rief ein Fotograf, der zu der Journalistengruppe gehörte. Zahlreiche Leichen lagen auf dem Boden.

Der getötete Fernsehjournalist arbeitete nach IPI-Angaben seit 1999 für France zwei in Konfliktgebieten wie Afghanistan, dem Irak und im Kosovo. „Sein Tod ist eine tragische Erinnerung an die ständigen Gefahren, denen Journalisten bei der Berichterstattung in Konfliktgebieten ausgesetzt sind“, heißt es in einer Erklärung. Das Presseinstitut forderte alle Parteien in Syrien auf, das Recht von Journalisten auf freie und sichere Arbeit zu gewährleisten.

Seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime von Assad im März 2011 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 5000 Menschen getötet worden. Syrische Menschenrechtsaktivisten sprechen indessen von mehr als 6000 Toten. Syrien hatte monatelang westlichen Korrespondenten die Berichterstattung verweigert. Wegen der fortwährenden Kritik lockerte das Regime in den vergangenen Wochen die Medienblockade. Allerdings dürfen westliche Journalisten nicht frei durch Syrien reisen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien: Französischer Journalist in Protesthochburg getötet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%