Syrien-Gipfel
Gesucht: Der Weg aus der Hölle

Bevor der Syrien-Gipfel in Wien begonnen hat, gibt es eine gute Nachricht: Die Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien nehmen erstmals gemeinsam an den Friedensgesprächen teil. Ob das eine Lösung des Konflikts beschleunigt?

WienEine prächtigere Herberge als das legendäre Hotel Imperial hat Wien nicht zu bieten. Das überaus angenehme Ambiente ist der Rahmen für die als ausgesprochen schwierig geltende Konferenz zur Beendigung des seit Jahren andauernden Bürgerkrieges in Syrien. Auf Einladung des US-Außenministers John Kerry setzen sich am Freitag erstmals auch die Erzrivalen Iran und Saudi-Arabien an einen Tisch.

Die Regionalmächte sind seit Jahrzehnten verfeindet und führen im Mittleren Osten eine Reihe von Stellvertreterkriegen. Ein wichtiges Schlachtfeld der Iranis und der Saudis ist Syrien.

Kerry hatte vor seine Abreise nach Wien in Washington erklärt, es gelte, „einen Weg aus der Hölle zu weisen.“ Im syrischen Bürgerkrieg sind bereits eine Viertelmillion Menschen getötet worden. Europa und der Nahe Osten haben mit einer Flüchtlingswelle zu kämpfen. Millionen von Syrern sind vor der Gewalt in die Nachbarländer Türkei und Libanon oder nach Ost- und Mitteleuropa geflohen.

Der amerikanische Außenminister ist bereits am Donnerstag in Wien eingetroffen. Bereits am vergangenen Freitag hatte Kerry Friedensgespräche im „Imperial“ geführt, die aber zu keinen greifbaren Ergebnissen geführt haben. Am Donnerstagabend wird er nach einer Reihe von Vorgesprächen unter anderen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow auch ein Abendessen mit Kerry und dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz geben.

Am Freitag wird der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in der österreichischen Hauptstadt eintreffen. Trotz heftiger Gegenwehr haben die Amerikaner durchgesetzt, dass Iran am Versuch einer Friedenslösung für Syrien beteiligt. Am Wiener Gipfel nehmen auch der russische Außenminister Lawrow sowie Saudi-Arabien und Delegationen von annähernd 20 weiteren Staaten teil. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, sein britischer Amtskollege Philipp Hammond und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini werden dabei sein. Für Freitag ist auch eine Pressekonferenz geplant.

Ob es zu einer Annäherung der Konfliktparteien unter der Aufsicht der Großmächte USA und Russland in Wien kommen wird, ist völlig offen. Es wird bereits unter Diplomaten als Erfolg gewertet, dass sowohl der saudi-arabische Außenminister Adel bin Ahmed Al-Jubeir als auch sein Amtskollege Mohammed Dschawad Sarif in Wien dabei sein werden. Nur einer wird in der österreichischen Hauptstadt fehlen: Bashar al-Assad und die syrische Regierung. Dabei soll über das Schicksal des syrischen Diktators entschieden werden.

Im Vorfeld der Wiener Konferenz hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang zu einer politischen Lösung zur Beendigung des syrischen Bürgerkriegs aufgerufen. Ein Durchbruch wird in Wien am Freitag nicht erwartet. Bereits in der nächsten Woche wird ein weiteres Treffen in der österreichischen Hauptstadt anvisiert.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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