Syrien
Hämische Kommentare aus Damaskus

Die syrische Führung hat mit Freude und Häme auf das Scheitern der Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat reagiert. Für die Oppostion hingegen ist das UN-Veto nichts anderes als eine „Lizenz zum Töten“.
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Damaskus/KairoDie Reaktionen aus der syrischen Hauptstadt Damaskus dürften für die Opposition des Regimes und dessen weltweite Kritiker wohl ein Schlag ins Gesicht sein. Mit Freude und Häme hat die syrische Führung das Scheitern der Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat zur Kenntnis genommen. Das Parteiorgan der regierenden Baath-Partei von Präsident Baschar al-Assad schrieb am Sonntag, das Veto von Russland und China sei ein „harter Schlag“ für die westlichen „Verschwörer“ und ihre arabischen Komplizen.

Das „Nein“ der beiden Veto-Mächte zu dem Resolutionsentwurf habe verhindert, „dass eine Entscheidung getroffen wird, die für Syrien, für die Region und für die ganze Welt katastrophale Folgen gehabt hätte“. Der Kommentator der „Baath“-Zeitung ätzte weiter: „So bleibt uns nur, den Verschwörern gegen Syrien unter den arabischen Herrschern - und ganz besonders den Königen, Prinzen und Öl-Scheichs - unser Beileid auszusprechen, die jetzt von großem Unheil befallen sind, da ihr Projekt gescheitert ist.“

Die staatliche Zeitung „Al-Thawra“ schrieb, das Scheitern der Syrien-Resolution am Samstag sei ein Beweis dafür, dass die Zeit der westlichen Hegemonie vorbei sei.

Der Nationalrat der syrischen Opposition (SNC) hingegen hat das Nein von Russland und China zu einer UN-Resolution als Lizenz zum Töten für das Regime von Baschar al-Assad kritisiert. Moskau und Peking seien damit für die Eskalation der Gewalt verantwortlich, erklärte das Gremium am Sonntag in Istanbul. Die Opposition forderte die Veto-Mächte auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben. Zuvor hatten Russland und China gegen eine Mehrheit aller anderen 13 Mitglieder im UN-Sicherheitsrat mit einem Doppelveto die Syrien-Resolution verhindert.

Vor der Abstimmung waren bei einem Einsatz der syrischen Armee in der Rebellenhochburg Homs Hunderte von Menschen getötet worden. Im Internet kündigten anschließend Aktivisten an: Wir nehmen die Revolution selbst in die Hand.

Am Sonntagmorgen ging das Blutvergießen in Syrien weiter. Nach Angaben von Oppositionellen wurden in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze mindestens neun Regierungssoldaten bei einem Angriff von Deserteuren getötet. Auch im südlichen Daraa seien Kämpfe zwischen der Assad-Armee und fahnenflüchtigen Soldaten ausgebrochen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • na ja schaut man sich russland und china an. innerlandes werden in beiden ländern täglich an sogenannten regierungsgegenern gemeine morde begangen werden regimegegener beseitigt oder nach sibirien verbannt
    in beiden ländern schert man sich einen dreck um umweltschutz mich wundern solche entscheidungen überhaupt nicht

  • Was für ein dummes Russland , was für ein dummes China !Es ist nur noch eine Frage der Zeit, das Assad gestürtzt wird.
    Danach dürfte wohl klar sein ,das die künftige Regierung alle
    Russen und Chinesen aus dem Land schmeißt .Dann ist es vorbei mit dem einzigen russischen Stützpunkt im Mittelmeer
    und anderen Vergünstigungen .Ich dachte die Russen sind gute Schachspieler,aber hier manövrieren sie sich ins Matt.

  • @ Zhaneetta,
    die Presse (Funk und TV) verschweigt nicht nur Missliebiges, sonder liefert auch oft genug Falschdarstellungen.
    Damit ist jeder Bürger, der kein ausgewiesener Kenner der Materie ist, hoffnungslos unterlegen.

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