Syrien-Konflikt Donald Trump kündigt via Twitter US-Raketenangriff an

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Merkel spricht von schweren Indizien, die in Richtung Syriens Regimes zeigen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Mittwoch zu Syrien geäußert und der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad erstmals eine mögliche Verantwortung für den mutmaßlichen Giftgas-Einsatz zugewiesen. „Es gibt schwere Indizien, die in Richtung des syrischen Regimes zeigen. Auf der Grundlage werden dann auch die weiteren Bewertungen durchgeführt werden“, sagte Merkel auf einer Pressekonferenz nach der Kabinettsklausur im brandenburgischen Meseberg.

Bisher hatte Merkel auf eine Schuldzuweisung verzichtet. An Spekulationen über einen Militäranschlag als Antwort auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz wollte sich Kanzlerin Merkel nicht beteiligen. Sie bedauerte, dass der UN-Sicherheitsrat bisher keine Resolution zu dem Thema zustande gebracht hat. „Über weitere Dinge möchte ich jetzt nicht spekulieren“, sagte sie mit Blick auf einen möglichen Militärschlag der USA und ihrer Verbündeten.

Ein Bericht der investigativen Internetplattform Bellingcat zum mutmaßlichen Giftgaseinsatz legt ebenfalls nahe, dass die syrischen Streitkräfte den folgenschweren Angriff ausführten. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass Dutzende Menschen bei der gemeldeten Attacke am Samstag durch einen Giftgas-Angriff von Helikoptern getötet wurden, die von einem nahen syrischen Luftwaffenstützpunkt kamen.

Flugzeug-Beobachter hätten Hubschrauber vom Typ Mi-8 Hip etwa eine halbe Stunde vor dem Angriff von der Dmeir-Basis in Richtung Ost-Ghuta losfliegen sehen. Dieselben Helikopter seien kurz vor dem Angriff in Duma gesichtet worden. Zudem zeige Bildmaterial nach dem Angriff einen Gaszylinder auf dem Dach eines Hauses, in dem eine große Anzahl von Toten gefunden wurde. Ähnliche Zylinder seien schon bei vorherigen Gas-Attacken von Mi-8 Hip-Hubschraubern abgeworfen worden.

Bellingcat verglich für die Schlussfolgerungen mehrere Videoaufnahmen und Fotos zu dem Vorfall und glich Aussagen von Beobachtern, Aktivisten und Hilfsorganisationen miteinander ab. Die Internetplattform um den britischen Aktivisten Eliot Higgins hat sich durch die Auswertung online frei erhältlicher Informationen zu Vorfällen einen Namen gemacht.

Dem CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen zufolge müsse die Kriegsdrohung von US-Präsident Donald Trump gegen Syrien ernst genommen werden. Es handle sich im Gegensatz zu früheren Tweets von Trump etwa zur Nordkorea-Krise nicht um eine allgemeine Drohung, sondern um die Ankündigung eines Militärschlags in einem konkreten Kontext.

„Ich glaube, dass der amerikanische Präsident sowas nicht sagen kann, ohne dass es Folgen gibt. Man muss es ernst nehmen“, sagte Röttgen der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings würden sowohl die USA als auch Russland eine unmittelbare militärische Konfrontation unbedingt vermeiden wollen. Die größte Gefahr bestehe darin, dass in einer solchen Lage etwas Unbeabsichtigtes passiere.

Röttgen forderte eine konsequente Syrien-Politik des Westens. Immer wieder flackere das Thema auf, immer wieder komme es zu Militärschlägen und zu Empörung. „Sieben Jahre Krieg sind genug“, so Röttgen. Nötig sei eine „diplomatische Dauerkraftanstrengung“ der Vereinten Nationen, der EU, der USA und weiterer Akteure. Deutschland könne dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff reagierte entsetzt auf den angedrohten Militärschlag: „Der Mangel an Ernsthaftigkeit, den der amerikanische Präsident als Oberkommandierender der stärksten Streitkräfte der Welt zeigt, macht einen sprachlos“, sagte Lambsdorff der „Rheinischen Post“. Es sei sehr besorgniserregend, dass der US-Präsident Russland wie einen Schuljungen provoziere.

Man sei aber gut beraten, die Worte Trumps ernst zu nehmen, betonte auch Lambsdorff. „Ich hoffe, die Militärs auf beiden Seiten kommunizieren so, dass es nicht zu einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland kommt.“ Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Duma hatte Trump am Mittwoch Russland als dem Verbündeten Syriens mit einem Militärschlag in dem Bürgerkriegsland gedroht.

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin fordert indes die Bundesregierung auf, sich einem militärischen Vergeltungsschlag entgegenzustellen. „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sowohl in Washington als auch in Moskau klarstellt: Wir wollen, dass das aufgeklärt wird, und wir wollen nicht mit voreiligen militärischen Operationen diese Aufklärung unterbinden“, sagte Trittin der Deutschen Presse-Agentur.

Er verglich die Situation mit der vor dem Irak-Krieg 2003, als die USA angebliche Massenvernichtungswaffen in den Händen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein als Grund für einen Angriff nannten. Solche Waffen wurden aber nie gefunden.

„Man kann eigentlich nur hoffen, dass sich nicht das wiederholt, was wir mal mit den Chemiewaffen im Irak hatten: Dass man militärisch losschlägt, bevor es tatsächlich belastbare Belege an dieser Stelle gibt“, sagte Trittin, der zu Zeiten des Irak-Krieges der Bundesregierung als Umweltminister angehörte.

Die europäische Flugsicherung hat Fluggesellschaften dagegen bereits zu Vorsicht wegen möglicher militärischer Maßnahmen gegen Syrien aufgerufen. Eurocontrol teilte am Mittwoch mit, dass bei Flügen in der Nähe Syriens beachtet werden müsse, dass das Land aus der Luft oder mit Raketen angegriffen werden könnte.

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60 Kommentare zu "Syrien-Konflikt: Donald Trump kündigt via Twitter US-Raketenangriff an"

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  • Schlusssatz aus dem Artikel "Krokodilstränen sind unangebracht" (im HB auf S. 12 und auf handelsblatt.com/my/meinung/kommentare/kommentar-harte-wirtschaftssanktionen-gegen-russland-sind-der-beste-weg/21160802.html):

    "Ohne selbst Schuld zu tragen, werden westliche Firmen nun heftig getroffen - aber harte Wirtschaftssanktionen sind der eindeutig bessere Weg als eine militärische Konfrontation."

    Unbedingt.

  • "Wozu haben wir denn Atomwaffen, wenn wir sie nicht einsetzen?" hat Trump gesagt. Und: "Amerika muss endlich wieder einen Krieg gewinnen. Unter Obama haben wir nur verloren."

    Ein Mann, der so redet, wurde von den russischen Spin-Doktoren als Friedenspräsident angekündigt, während Hillary Clinton die Kriegstreiberin war. Was für eine Scheisse.

  • "Wozu haben wir denn Atomwaffen, wenn wir sie nicht einsetzen?" hat Trump gesagt. Und: "Amerika muss endlich wieder einen Krieg gewinnen. Unter Obama haben wir nur verloren."

    Ein Mann, der so redet, wurde von den russischen Spin-Doktoren als Friedenspräsident angekündigt, während Hillary Clinton die Kriegstreiberin war. Was für eine Scheisse.

  • Herr Spiegel, die Bezeichnung habe ich gewählt, weil die Bezeichnung Psychopath für einen Islamis-ten nicht wirklich passt.

    Was diesen „Führer“ angeht, dem die Alliierten bis jetzt vielleicht heimlich dankbar dafür sind, dass er Deutschland rechtzeitig zur Trümmerwüste gemacht hat, bevor etwas Größeres entstehen konnte.

    Meine Meinung ist – und damit auch meine Wertschätzung -, dass nach dem Psychopathen und Immigranten aus Österreich Merkel die nächste Führerin ist, die in Deutschland größtmöglichen Schaden zugefügt hat – für die Zensur : fällt unter freie Meinungsäußerung.

    Damit ist auch klar, was ich von dem österreichischen Psychopathen halte.

  • Herr Tomas Maidan, die Mannschaft ist noch betrunken, wird schon noch.

  • Herr Peer Kabus, Adolf-Verschnitt, das hat der Führer nicht verdient.

  • Irgendwie kommt die Rakete vom Stormy Donald aber zeimlich langsam hoch. Wann und wo gehts denn nun genau los?

  • Das hoffe ich auch, Herr Spiegel. Beugen wird er sich aber nur einem Stärkeren. Das zweifelhafte Vergnügen hatten wir ja nach dem Abschuss des russischen Bombers erleben dürfen.

    Nur wird sein Abgang leider zeitlich massiv von Brüssel verhindert werden. Bis dahin darf er seine Schergen weiter morden und plündern lassen und unsere „Wertegemeinschaft“ aus charakterlosen Figuren bestehend, liefert ihm sogar noch das Material.

    Mir wäre am liebsten, dieser Adolf-Verschnitt würde mit seiner Türkei aus der NATO austreten und sich mit Russland verbünden. Dann haben die USA dort wenigstens keine geostrategischen Interes-sen zu sichern und stattdessen die EU-Außengrenzen militärisch aktiv sichern. Allein kriegt die EU das sowieso nicht hin.

  • Naja, also wenn USA und Türkei jetzt möglichst schnell Assad wegbekommen könnten, wäre das auch für Deutschland ein Vorteil. Viele Flüchtlinge könnten dann endlich wieder zurück. Fast alle Syrer die in Deutschland sind, sind vor Assad geflohen.

  • Genau so ist es, da hat der Erdo Recht, nur entkommt er seinem Schiksal nicht, er kann sich beugen oder im Rauch der Geschichte aufgehen.
    Herr Peer Kabus
    11.04.2018, 18:55 Uhr

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