Syrien-Konflikt

Todesangst in Damaskus

Hamsterkäufe und Flucht: In der syrischen Hauptstadt Damaskus bereitet sich die Bevölkerung auf einen möglichen Militärschlag des Westens vor. Viele fürchten sich vor einem dritten Weltkrieg.
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Syrierinnen auf dem al-Shaalan Markt in Damaskus. Vor einem möglichen Militärschlag des Westens beginnt die Bevölkerung in der Hauptstadt mit Hamsterkäufen. Viele verlassen Damaskus. Quelle: Reuters

Syrierinnen auf dem al-Shaalan Markt in Damaskus. Vor einem möglichen Militärschlag des Westens beginnt die Bevölkerung in der Hauptstadt mit Hamsterkäufen. Viele verlassen Damaskus.

(Foto: Reuters)

DamaskusDschihan sitzt auf den gepackten Koffern der Familie. Die junge Mutter wohnt neben Mazze, dem Militärflughafen von Damaskus, und ist überzeugt, dass dies eines der ersten Ziele ist, das die USA und ihre Verbündeten bombardieren werden.

Todesangst macht sich in Damaskus breit. Vor allem Bewohner in der Nachbarschaft von strategischen Einrichtungen, die in den nächsten Tagen angegriffen werden könnten, bangen um ihr Leben. Andere reagieren mit Hamsterkäufen auf die schwebende Drohung, die syrische Regierung, der Giftgasangriffe auf die eigene Bevölkerung vorgeworfen werden, mit Militärschlägen zu bestrafen.

„Mazze gehört zu den ausgewählten Angriffszielen. Da bin ich sicher“, sagt Dschihan. Der größte Militärflughafen im Land wird auch von Präsident Baschar al-Assad für Inlandsflüge genutzt, die allerdings selten geworden sind.

Geschützt wird Mazze von der gefürchteten Vierten Division, die für die Verteidigung der Hauptstadt zuständig ist und vom Präsidentenbruder Maher al-Assad befehligt wird. Dschihan zieht mit Mann und den zwei Töchtern zu Verwandten nach Malki, einem Viertel in der Innenstadt, das sie für sicherer hält.

Auf den Straßen im Zentrum fahren kaum noch Autos. Die Einwohner von Damaskus verlassen ihre Häuser nur noch für die Arbeit oder unaufschiebbare Besorgungen. „Es sind kaum Leute unterwegs. Meine Frau zum Beispiel kommt nach der Arbeit immer sofort nach Hause, ohne wie früher erst ihre Mutter zu besuchen“, berichtet der Bankangestellte Adel.

„Seit drei Tagen hört man hier die irrsten Gerüchte. Meine Mutter ist völlig fertig mit den Nerven, weil wir gleich neben der Zentrale des Generalstabs wohnen. Und das ist ja wirklich ein Angriffsziel“, sagt der 35-jährige Mohammed, der im schicken Viertel Abu Ruman wohnt. „Seit die hier von Raketenangriffen reden, habe ich vor lauter Angst ständig Bluthochdruck“, klagt Futun, die mit kleinen Kindern im gleichen Innenstadtviertel wohnt.

„Unser Land ist schon lange im Krieg“
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12 Kommentare zu "Syrien-Konflikt: Todesangst in Damaskus"

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  • In den Niederschriften des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. kann man nachlesen, daß sich schon 1898 drei Länder vertraglich verpflichteten einander in jedweder Situation militärisch beizustehen. Das Ganze war selbstredend streng vertraulich.
    Schaut man sich nun mal die letzen 100 Jahre an, wer da praktisch ständig in irgendwelche Kriegsaktivitäten verwickelt ist, kommt man immer wieder auf diese drei üblichen Verdächtigen. Und nein, es sind nicht Syrien. Auch nicht Lybien, nicht Russland, nicht Deutschland und nicht China.
    Wenn ich nun sämtliche Aussagen inpunkto Giftgasangriff ignoriere und mir nur das Geschrei dieser Drei anhöre, reicht mir das um zu wissen, wer hinter solchen Provokationen wirklich steckt!
    Zumal Kriege irgend wie stets mit Morden und gleich darauf Lügen beginnen.
    Der Weg mag hier und da etwas anderst gepflastert sein, aber das Ziel ist immer das Selbe. Genau wie die Nutzniesser immer die Selben sind!
    Und Namen brauch ich ja wohl gar nicht erst zu nennen!

    Im Übrigen habe ich diesen Artikel heute schon einmal gelesen. Im schweizer Schundblatt 20min. Nicht wortwörtlich, aber doch unverkennbar aus der gleichen Quelle!
    Danke HB für die tolle Recherche!

  • @hafnersp

    DANKE..!!!...Liest sich wie ein Krimi! So tiefgehend analysiert, hinein- und wieder herausgezoomt, habe ich es noch nirgends gelesen!!!

  • Krank - pervers - Verbrecher regieren uns.

    Und die Titelzeile hinterlässt den Eindruck als wäre das alles völlig normal.

  • @Bob

    Die russische Sicht der Dinge:

    http://apxwn.blogspot.co.at/2012/08/schlag-gegen-syrien-ziel-russland.html

  • dazu braucht man Syrien aber nicht.
    Die haben ihr Geld und Gold verpulvert für Waffen.
    Die Wirtschaft is uninteressant und Ölreserven bescheiden. Einen Fuß im nahen Osten kann man billiger haben und hätte man eigentlich.
    Halte es für völlig überzogen vom dritten Weltkrieg zu sprechen.
    Assad hängt spätestens 4 Wochen nach Kriegsbeginn.
    Der Westen verschwindet aus dem Land und überlässt es seinem Schicksal.
    Hat aber auch den Vorteil, solange sie sich dann selbst die Schädel gegenseitig einschlagen, sind sie mit sich selbst beschäftigt.

  • Wenn man seinen Grips ein wenig anstrengt wird man feststellen, dass es keineswegs um ein Dreckloch voller Sand geht. In Saudiarabien gibt es auch nicht nur Sand. Das ist eine von langer Hand geplante Strategie und Syrien ist nur ein kleines Teilchen in diesem Puzzle. CIA und Mossad arbeiten fieberhaft an der Vollendung.

  • dritter Weltkrieg?...für was denn? Wegen dem Dreckloch voller Sand?
    Uns Europäern gehen ja eh nach zwei Wochen die Raketen aus.
    Wahrscheinlich geht es nur darum, dass die Amerikaner noch mal versuchen wollen auch endlich mal einen Krieg zu gewinnen. Wäre ja auch mal wirklich Zeit. Ist ja schon fast peinlich was die überall hinterlassen...
    Ich bin jedenfalls gespannt, vor allem ob es sich hinter her lohnt und die auch Geld haben um ihre Hütten wieder auf zu bauen. Vielleicht kann da dann mal moderne Haustechnik verkauft werden.

  • Aber wenn Merkel wieder ran kommt, dürfen wir bald den Iran mit überfallen.
    Bei allem negativen in Schröders Zeit - und das war viel!!! Wir versanken ihm, dass er nicht mit in den Irak eingefallen ist!

  • Schade, dass wir dieses Mal nicht mitmachen dürfen, wg. Bundestagswahl ;–((

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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