Syrien-Konflikt: Türkei schiebt nach Unruhen syrische Flüchtlinge ab

Syrien-Konflikt
Türkei schiebt nach Unruhen syrische Flüchtlinge ab

Tränengas und fliegende Steine: Weil sie angeblich gewaltsam gegen die Lebensverhältnisse im Zeltlager protestierten, schiebt die Türkei 700 syrische Flüchtlinge ab. Niemand sei gegen seinen Willen gegangen, heißt es.
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IstanbulNach Unruhen in einem Lager für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge hat die Türkei nach Darstellung örtlicher Vertreter Hunderte Bewohner in ihr Heimatland zurückgeschickt. Zeugen zufolge wurden die Flüchtlinge mit Bussen zur Grenze gebracht. Ein Vertreter des Lagers Suleymansah sagte, die abgeschobenen 600 bis 700 Personen seien an Gewalttaten beteiligt gewesen. Das türkische Außenministerium wies die Darstellungen zurück.

Hintergrund der Aktion waren Zusammenstöße in dem Lager. Dabei wurden Militärpolizisten am Mittwoch mit Steinen beworfen. Die Beamten setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Auslöser der Krawalle war Bewohnern zufolge eine Protestaktion gegen die Lebensverhältnisse in dem Lager. Aus Behördenkreisen verlautete dagegen, es sei zu den Zusammenstößen gekommen, nachdem Wachleute 200 Syrer an dem voll besetzten Lager abgewiesen hätten.

Es blieb zunächst unklar, wie viele Flüchtlinge aus dem Lager nach Syrien zurückgeschickt wurden. Ein Vertreter der örtlichen Behörden nannte die Zahl 400. Das Außenministerium erklärte dagegen, niemand sei gegen seinen Willen abgeschoben worden. Die Zahl der Rückkehrer liege eher bei 50 bis 60. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zeigte sich über die Berichte aus der Türkei besorgt. Derartige Abschiebungen würden gegen internationale Vereinbarungen verstoßen.

Seit Beginn des Konfliktes in Syrien sind nach UN-Angaben etwa 1,2 Millionen Menschen ins Ausland geflüchtet. Die Türkei hat mehr als 260.000 von ihnen aufgenommen. Das Lager Suleymansah in der Nähe der Stadt Akcakale ist mit 35.000 Bewohnern eines der größten. Die meisten Unterbringungen in der Türkei sind mit Heizungen ausgestattet. Flüchtlinge erhalten dort drei warme Mahlzeiten am Tag. Damit herrschen in den türkischen Lagern bessere Bedingungen als in anderen Nachbarländern Syriens. Weil aber immer mehr Menschen flüchten, haben die Behörden mit Überbelegungen zu kämpfen.

In Syrien versucht Staatschef Baschar al-Assad seit zwei Jahren, einen Aufstand gegen ihn niederzuschlagen. Die Kämpfe toben auch in der Hauptstadt Damaskus. So wurden am Donnerstag nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana bei einem Granatenangriff von Rebellen an der Universität 15 Studenten getötet. Die Geschosse seien in einer Mensa des Institutes für Architektur eingeschlagen. In dem Stadtviertel stehen auch das Verteidigungsministerium und Assads Residenz. Eine Überprüfung der Berichte ist unmöglich.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ich bin Türke und wäre der erste der die ganzen salafisten, kriminelle Ausländer, bulgarische Zigeuner, rumänische Zigeuner raus wirft.

  • Auweia, das müßen wir mal tun mit den ganzen kriminellen Türken und Salafisten.
    Da käme aber Herr Erdogan sofort angereist und würde in seiner türkischen Kolonie Deutschland Ruhe schaffen, unterstützt von seinen grünen Freunden

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