Syrien-Konflikt
Türkei wirbt für Einsatz von Bodentruppen

Der türkische Außenminister spricht sich für einen gemeinsamen Bodeneinsatz mit den Alliierten im Syrien-Konflikt aus. Einen Alleingang schließt er aber aus. Die syrische Regierung stimmt unterdessen Hilfslieferungen zu.

Istanbul, AnkaraDie Türkei hat bei ihren Alliierten im Syrien-Konflikt für einen gemeinsamen Einsatz von Bodentruppen geworben. Der Nato-Staat werde aber nicht allein mit Saudi-Arabien und Katar Truppen dafür stellen, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Die türkische Armee nahm unterdessen Militärkreisen zufolge den vierten Tag in Folge Ziele der kurdischen YPG-Miliz in Syrien ins Visier. Die Gruppe, die von der Regierung in Ankara als Terrororganisation betrachtet wird, baut im Windschatten der Erfolge der syrischen Regierungstruppen gegen andere Aufständische ihre Positionen an der türkischen Grenze aus. Die syrische Regierung stimmte UN-Angaben zufolge Hilfslieferungen für sieben umkämpfte Gebiete zu. Die Konvois würden in wenigen Tagen starten, erklärte die UN-Behörde zur Koordinierung humanitärer Nothilfe (Ocha).

Beratungen laufen bereits

Die Türkei, Saudi-Arabien und einige europäische Staaten befürworteten den Einsatz von Bodentruppen, sagte Cavusoglu. Wenn es einen Bodeneinsatz gebe, müsse er aber auch gemeinsam ausgeführt werden - genau wie die Luftangriffe der internationalen Koalition. Ein türkische Regierungsvertreter sagte, über die Frage nach Bodentruppen gebe es bereits Beratungen mit den Alliierten des Anti-IS-Bündnisses, darunter mit den USA. Die Regierung in Washington hat eine großangelegte gemeinsame Bodenoffensive ausgeschlossen. Verteidigungsminister Ashton Carter bat aber am Freitag Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate um die Entsendung von Elitetruppen für den Kampf um die syrische Stadt Rakka. Das Königreich hat sich dazu grundsätzlich bereiterklärt.

Die türkische Armee feuerte nach Angaben aus Militärkreisen am Dienstag erneut Granaten auf kurdische Milizen. Damit sei auf Beschuss aus Syrien reagiert worden. Am Montag hatte die Türkei den Milizen "schärfste Reaktionen" angedroht, sollten sie ihren Vormarsch im Norden Syriens fortsetzen. Die Türkei, die Kurdenorganisationen im eigenen Land bekämpft, fürchtet deren Erstarken im Nachbarland. Ermöglicht wurden die Erfolge der YPG durch die von der russischen Luftwaffe unterstützte Offensive der syrischen Armee. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, Russland und Syrien zielten darauf ab, einen Korridor für kurdische Kämpfer zu schaffen.

Syrische Regierungstruppen sind bis auf 25 Kilometer an die türkische Grenze herangerückt. Ziel ist die Abriegelung des Nachschubs für Aufständische, der bislang hauptsächlich über die Türkei kam. Bodentruppen würden die Gefahr einer direkten Konfrontation der Türkei mit Russland vergrößern.

Vertreter der Syrien-Kontaktgruppe, an der sich auch Russland und die Türkei beteiligen, hatten sich am Freitag auf einen Waffenstillstand und die Lieferung von Hilfsgütern verständigt. Allerdings soll die Vereinbarung erst Ende dieser Woche in Kraft treten. Zudem wurde sie von keiner Kriegspartei unterzeichnet. Staatschef Baschar al-Assad erklärte, innerhalb einer Woche sei ein Waffenstillstand nicht zu machen. Für ihn habe die Bekämpfung des Terrorismus Priorität.

Die UN-Behörde Ocha teilte mit, die syrische Führung habe Hilfskonvois unter anderem nach Muadamija al-Scham in der Nähe von Damaskus und Deir al-Sor zugestimmt. In Syrien sind viele Menschen durch die Kämpfe von der Außenwelt abgeschnitten und brauchen dringend Hilfe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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