Syrien-Konflikt
USA und Türkei wappnen sich gegen Einsatz von Chemiewaffen

US-Außenministerin Clinton und ihr türkischer Kollege Davutoglu bereiten sich auf ein Extremszenario in Syrien vor. Sie fürchten, Assad könnte Chemiewaffen einsetzen. Hunderttausende sind bereits geflohen.
  • 7

Washington/AnkaraDie USA und die Türkei wappnen sich gegen einen möglichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Clinton und ihr türkischer Kollege Ahmet Davutoglu sagten am Samstag nach einem Treffen in Istanbul, beide Länder würden sich auf ein Extremszenario in Syrien vorbereiten. Es sei nicht auszuschließen, dass das Regime von Präsident Baschar Assad Chemiewaffen gegen Aufständische einsetzen werde. Derweil berichteten Aktivisten von einem anhaltend heftigen Bombardement der Wirtschaftsmetropole Aleppo durch Regierungstruppen.

Die USA und die Türkei würden eine Arbeitsgruppe bilden, die für die Koordination auf militärischer, geheimdienstlicher und politischer Ebene verantwortlich sein solle, hieß es am Samstag in Istanbul. Für den Tagesverlauf waren Gespräche Clintons mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und Staatschef Abdullah Gül sowie Vertretern der syrischen Opposition geplant. Die Türkei ist dem Regime von Präsident Baschar Assad gegenüber kritisch eingestellt.

Während ihres Besuchs in Istanbul wollte sich Clinton auch mit syrischen Flüchtlingen treffen, für die die Hilfe aus Washington Kreisen zufolge aufgestockt werden soll. Mehr als 51.000 Menschen sind bislang aus Syrien in die benachbarte Türkei geflohen, weitaus mehr Flüchtlinge soll es in Jordanien, dem Libanon und Irak geben. Allein diese Woche suchten mehr als 6.000 Menschen aus Syrien in der Türkei Zuflucht, die meisten flohen aus der seit zwei Wochen erbittert umkämpften syrischen Stadt Aleppo. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind inzwischen fast 150.000 Menschen aus Syrien in Nachbarländer geflohen. Behördenvertreter gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge eher bei mehr als 200.00 liegen dürfte, da sich nicht alle Flüchtlinge als solche registrieren lassen.

In Aleppo nahm die Armee nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte das von Rebellen gehaltene Stadtviertel Al Sukkari unter Beschuss. Die Aktivisten gingen davon aus, dass die Regierungstruppen das Viertel noch am (heutigen) Samstag stürmen würden. Auch das angrenzende Stadtviertel Saif al Dawla sei von Raketen getroffen worden, hieß es am Samstag auf der Webseite des Aktivistennetzwerks.

Zur Beilegung des Syrien-Konflikts soll nach dem Rücktritt Kofi Annans offenbar der ehemalige algerische Außenminister Lakhdar Brahimi als neuer Syrien-Beauftragter benannt werden. Der 78-jährige war von 1991 bis 1993 algerischer Außenminister und hatte seit 1994 mehrere ranghohe Posten bei den Vereinten Nationen inne, unter anderem als Gesandter für Afghanistan, Haiti und den Irak. Als Repräsentant der Arabischen Liga handelte er das Ende das Bürgerkriegs im Libanon mit aus. 2005 ging Brahimi in den Ruhestand.

Unterdessen berichtete ein der Regierung von Assad nahestehender syrischer Fernsehsender von der Entführung vier seiner Mitarbeiter. Drei Journalisten und ihr Fahrer seien am Freitag in Al Tal, einem nördlich gelegenen Vorort der Hauptstadt Damaskus, von Bewaffneten verschleppt worden, als sie von dort berichtet hätten, sagte der Geschäftsführer des Fernsehsenders Al Ichbarija, Imad Sarah. In der Gegend kam es am Samstag zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen. Letztere bestätigten die Entführung zunächst nicht.

Al Ichbarija und andere Fernsehsender, die der syrischen Regierung nahestehen, sind seit Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im März 2011 häufig Ziel von Anschlägen geworden. Vor wenigen Tagen wurde die Zentrale des syrischen Staatsfernsehens in Damaskus von einer Bombenexplosion erfasst. Dabei wurden mehrere Mitarbeiter verletzt.

Geheimdienstkreise in Washington warnten unterdessen vor einem Erstarken des Terrornetzwerks Al-Kaida in Syrien. Mindestens 200 Kämpfer seien bereits aktiv, und ihre Zahl steige. Die Gruppen weiteten sich von Stadt zu Stadt aus.

Die US-Regierung verhängte derweil weitere Sanktionen gegen die syrische Ölindustrie sowie gegen die vom Iran unterstützte radikalislamische Hisbollah. Die Strafmaßnahmen gelten als weitgehend symbolisch. Geschäfte mit dem staatlichen Unternehmen Sytrol sowie mit der von den USA als Terrorgruppe eingestuften Hisbollah sind US-Bürgern bereits aufgrund bestehender Sanktionen seit vielen Jahren verboten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien-Konflikt: USA und Türkei wappnen sich gegen Einsatz von Chemiewaffen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • KRIEGSTREIBEREI - Lügen - Irreführung

  • Syrien ?
    = Russland =Veto =machen lassen !
    Erst wenn diese Chemie/Biowaffen gegen andere Länder eingesetzt werden wird Syrien platt gemacht .

  • Chemische oder biologische Waffen werden niemals - ich wiederhole: niemals - in der syrischen Krise eingesetzt werden, ganz gleichgültig welche internen Entwicklungen es in dieser Krise gibt", sagte Außenminister Makdissi. "Alle Varianten dieser Waffen werden von den syrischen Streitkräften und unter ihrer direkten Aufsicht gelagert und gesichert. Sie werden nicht eingesetzt werden, wenn Syrien nicht zum Opfer einer auswärtigen Aggression wird."

    Artikel aus dem Stern:
    http://www.stern.de/news2/aktuell/auslaendische-dschihadisten-bekaempfen-assad-1871474.html
    Augenzeugen bestätigen, dass an der Grenze zur Türkei Al-Kaida-Leute versammelt sind.
    Die ausländischen Kämpfer kommen nach eigenen Angaben auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Libyen, Tunesien oder gar aus Tschetschenien und Somalia. Der Grenzort wurde in der vergangenen Woche von der Freien Syrischen Armee (FSA) eingenommen.

    Auf islamistischen Webseiten werden Dschihadisten aufgerufen, für einen Sturz Assads, der der schiitischen Abspaltung der Alawiten angehört, zu kämpfen.
    "Der Islam kenne keine Abspaltung"

    In dem Stadtteil, dem Zentrum der Kämpfe in Aleppo, stehen nach Angaben eines AFP-Korrespondenten Tschetschenen, Algerier, Schweden und Franzosen Seite an Seite mit den syrischen Rebellen. Sie nennen sich "Brigade der Einheit der Mudschahedin".
    Dazu die Gruppierung Ansar al-Scham: "Die Welt muss wissen, dass Syrien begonnen hat, junge Araber anzuziehen, die bereit sind, sich den Revolutionären und den Kämpfern anzuschließen." Niemand habe das Recht zu kritisieren, "dass Syrien ein Gebiet des internationalen Dschihad geworden ist".

    Ich hoffe für Assad und für die Christen in Syrien,das Rußland und China sich da einklinken..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%