Syrien-Krieg
Appell zur Waffenruhe bleibt ungehört

Das Töten im Bürgerkrieg in Syrien nimmt kein Ende. Ein Appell nach einer Waffenruhe zum wichtigsten islamischen Feiertag bleibt ungehört. Erneut sollen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation entführt worden sein.
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Istanbul/BeirutIm Norden Syriens sind mehrere Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) entführt worden. Bewaffnete „Terroristen“ hätten die Helfer in ihre Gewalt gebracht, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Das IKRK teilte mit, dass insgesamt sieben Mitarbeiter der Partnerorganisation Roter Halbmond in der Provinz Idlib entführt worden seien. Die Angreifer sollen zunächst die Fahrzeuge der Hilfsorganisation unter Beschuss genommen und später die Mitarbeiter verschleppt haben. In Syrien sind fast ausschließlich Mitarbeiter aus arabischen Ländern für das IKRK im Einsatz.

Eine IKRK-Sprecherin erklärte, das Team habe am Vormittag die Stadt Idlib verlassen. Es sei in vier Fahrzeugen unterwegs gewesen, die mit dem Logo der Organisation gekennzeichnet waren. Zuvor hatten sich die Helfer in der Region demnach einen Überblick über die Lage in den Kliniken verschafft und Arzneimittel geliefert. Sie seien am Sonntag auf dem Rückweg nach Damaskus gewesen. Im August hatte das IKRK mitgeteilt, dass bis dahin 22 Mitarbeiter im syrischen Bürgerkrieg ums Leben gekommen seien.

Während internationale Experten an der Vernichtung syrischer Chemiewaffen arbeiten, geht das Töten im Bürgerkriegsland weiter. Nach Angaben von Aktivisten kamen am Wochenende bei Kämpfen, Bombardierungen und bewaffneten Übergriffen mehr als 200 Menschen ums Leben. Erneut gerieten auch Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation zwischen die Fronten. Trotz eines Appells der Arabischer Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) ist keine Waffenruhe zum wichtigsten muslimischen Feiertag, dem Eid al-Adha, in Sicht. Das Opferfest wird am Dienstag von Muslimen weltweit gefeiert.

Mitarbeiter des syrischen Roten Halbmondes evakuierten am Wochenende laut Staatsfernsehen rund 1500 Menschen aus der Ortschaft Muadamijeh im Umland von Damaskus. Laut Bericht flohen überwiegend Frauen und Kinder aus dem Gebiet, das seit Monaten von Regimesoldaten belagert wird.

Die Opposition warf dem Regime von Präsident Baschar al-Assad derweil vor, nahe der Hauptstadt ein neues Massaker verübt zu haben. Syrische Soldaten - unterstützt von Anhängern der libanesischen Hisbollah und irakischen schiitischen Milizionären - hätten rund 130 Männer in der Nähe der Ortschaft Al-Dhijabija bei Damaskus getötet, sagte der Sprecher der Freien Syrischen Armee, Luai al-Mekdad, der Nachrichtenagentur dpa.

Am Freitag hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) syrischen Rebellengruppen vorgeworfen, sie hätten im August mehr als 190 Zivilisten getötet und Hunderte Geiseln genommen. Die Täter gehörten radikal-islamischen Organisationen, die Opfer der alawitischen Minderheit an.

Mitarbeiter der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen (OPCW) arbeiten derzeit in dem Land am Abbau der Massenvernichtungswaffen bis Mitte 2014. Nach Schätzungen verfügt das Regime von Präsident Baschar al-Assad über rund 1000 Tonnen C-Waffen. Syrien wird am Montag offiziell 190. Mitglied der OPCW.

Im Syrienkonflikt sind seit März 2011 nach UN-Angaben mehr als 100.000 Menschen getötet worden. In Moskau bezifferte der syrische Botschafter Riad Chadad am Wochenende die Kosten eines Wiederaufbaus in dem Land auf mindestens 100 Milliarden Dollar (rund 75 Milliarden Euro).

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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