Syrien-Krieg
Russlands Bomben zünden schlecht

Vier Wochen läuft Wladimir Putins Luftoffensive in Syrien. Erst tönte die Propaganda-Maschinerie von großen Erfolgen. Doch nun häufen sich die Rückschläge auf dem Schlachtfeld. Russland will den Grund kennen.
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Wladimir Putins Luftoffensive startete vor vier Wochen demonstrativ furios und martialisch. Fast unablässig waren seine Kampfflugzeuge über Syrien in der Luft. Sogar vom Kaspischen Meer aus griffen zu Putins Geburtstag am 7. Oktober russische Kriegsschiffe mit 26 Cruise Missiles in das 900 Kilometer entfernte Kriegsgeschehen ein. Tag für Tag trat der Sprecher des Moskauer Generalstabs mit neuen Siegesmeldungen vor die Presse.

Einmal hieß es, tausende IS-Kämpfer seien Hals über Kopf geflohen. Tage später erklärte der Kreml die Gotteskrieger als so gut wie besiegt. Inzwischen ist es still geworden um die Propagandamaschine des Kreml.
Denn auf dem Schlachtfeld häufen sich die Rückschläge, vor allem weil sich Bashar al-Assads Bodentruppen als ausgelaugt und demotiviert erweisen.

„50 Zentimeter“ sei man an der Front bei Hama vorangekommen, spottete ein syrischer Kommandeur. Stattdessen multiplizieren sich im Internet Videos von brennenden Panzern, abgeschossen mit frisch gelieferten mobilen amerikanischen TOW-Lenkraketen. Auf der Website „The Daily Beast“ brüstete sich ein Rebellenchef, man habe innerhalb von 24 Stunden 23 Panzer zerstört. Die US-Waffen stammen aus saudischen Beständen.

Im Funkverkehr des Regimes, den Aufständische mithören konnten, hagelte es Vorwürfe eines russischen Generals an seinen syrischen Kommandeur-Kollegen. Dessen Armee sei schwach und unfähig, erobertes Gelände zu halten, polterte der Russe, der bald noch ganz andere Probleme bekommen könnte. Denn im November sollen offenbar einige Rebellengruppen erstmals auch Boden-Luft-Raketen erhalten, mit denen sich die bisher unerreichbaren russischen Kampfjets und Hubschrauber vom Himmel holen lassen.

Auf dem Boden ist derweil der Versuch von Assads Generälen, Aleppo mit russischer Luftunterstützung zurückzuerobern, bereits gescheitert. Stattdessen wurden weitere 120.000 Menschen zu Flüchtlingen gemacht und ein halbes Dutzend Krankenhäuser zerstört. Zudem gelang es der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), im Schatten der russischen Angriffswellen auf alle anderen Rebellen, die wichtigste Nachschubroute der Assad-Armee nach Aleppo zu erobern und zu kappen.

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  • Andere Nationen haben genug Gelegenheit gehabt zu beweisen, dass deren Bomben besser zünden.
    Hat man z.B. in Libyen gesehen. Dort haben die Bomben der Alliierten dermaßen gut gezündet, dass wir jetzt de facto einen "failed state" haben - ohne funktionierende Grenzsicherung und Küstenwache natürlich, mit den jetzt eindrucksvollen Konsequenzen für Europa.

  • Das ist der gleiche Unterschied wie der zwischen Islamisten, Salafisten, islamistischen Fanatikern, Taliban, Al-Kaida..........

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht.

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