Syrien-Krise
Armee versteckt Chemiewaffen an Dutzenden Standorten

Laut einem Medienbericht soll das syrische Militär seine Chemiewaffen absichtlich verlagern, damit sie von Geheimdiensten unentdeckt bleiben. Gleichzeitig werfen Menschenrechtler der Armee Massenhinrichtungen vor.
  • 13

Berlin/WashingtonEine Elite-Einheit des syrischen Militärs versucht einem Zeitungsbericht zufolge mit einem ausgeklügelten System, sein Chemiewaffen-Arsenal vor den Geheimdiensten zu verbergen. Die für das syrische C-Waffen-Programm zuständige Gruppe „Unit 450“ habe die Kampfstoffe auf Dutzende Standorte in Syrien verteilt, berichtete das „Wall Street Journal“ am Donnerstag auf seiner Website unter Berufung auf US-Regierungs- und Kongresskreise. Seit Monaten würden die Waffen immer wieder verlagert, um ihren aktuellen Standort zu verschleiern. Die USA vermuteten sie mittlerweile an bis zu 50 verschiedenen Orten im ganzen Land. Die Geheimdienste der USA und Israels gingen aber trotzdem noch davon aus, die meisten Lagerstätten zu kennen.

US-Regierungsvertreter sagten der Zeitung zufolge, die USA schätzten den syrischen Bestand an biologischen und chemischen Kampfstoffen auf mindestens 1000 Tonnen. Über Jahre hinweg seien die B- und C-Waffen an einigen wenigen Standorten im Westen Syriens gelagert worden, hieß es demnach aus Washingtoner Regierungskreisen. Vor etwa einem Jahr habe die syrische Führung dann aber deren Verteilung im ganzen Land angeordnet. Eine Vielzahl von Verstecken könnte die Pläne für einen US-Militärschlag erschweren, sagten die Regierungsvertreter der Zeitung weiter. C-Waffen-Lager sollten wegen der Gefahren für die Bevölkerung aber nicht direkt angegriffen werden.

Nach einer russischen Initiative sollen Syriens Chemiewaffen unter Kontrolle gebracht und später vernichtet werden, um so einen US-Militärschlag gegen das Land abzuwenden. Die USA werfen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad vor, für einen Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus mit rund 1400 Toten verantwortlich zu sein. Assad weist dies zurück.

Menschenrechtler haben derweil der syrischen Armee und mit ihr verbündeten Milizen Massenhinrichtungen vorgeworfen. Regierungstreue Kampfverbände hätten mindestens 248 Menschen in zwei vorwiegend von Sunniten bewohnten Orten an der Mittelmeerküste getötet, berichtete Human Rights Watch (HRW) am Freitag. Die Vorfälle sollen sich demnach am 2. und 3. Mai ereignet haben. Der Bericht basierte auf Interviews der Organisation mit Überlebenden. Laut HRW sahen oder hörten einige der Befragten, wie ihre Angehörigen getötet wurden.

Der seit mehr als zweieinhalb Jahren währende Aufstand gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad wird überwiegend von Sunniten getragen. Assad ist Alawit, eine religiöse Strömung, die zur schiitischen Ausrichtung des Islams gehört.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien-Krise: Armee versteckt Chemiewaffen an Dutzenden Standorten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Absolut richtig zusammengefasst.

  • Ist ja auch völlig einleuchtend, SANTOS, sobald sich die Lage zu entspannen scheint und eine friedliche Lösung für diesen Konflikt in greifbare Nähe gerückt ist, massakriert Assad noch schnell ein Dutzend Kinder, damit die USA auch sicher militärisch eingreifen. SANTOS, so wenig Intelligenz, traue ich selbst Ihnen nicht zu, das zu glauben.

  • Laut einem Medienbericht soll...
    US-Regierungsvertreter sagten der Zeitung zufolge...
    Quellenangaben liebe Redakteure!
    Oder sagt einfach am Anfang: Es war einmal...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%