Syrien-Krise
UN fordert Zugang für Giftgas-Inspektoren

Hunderte Menschen sollen laut syrischer Opposition nahe Damaskus durch Giftgas umgekommen sein. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert eine sofortige Untersuchung durch Experten. US-Präsident Obama hält sich bedeckt.
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New York/WashingtonNach den Berichten über einen Giftgasangriff auf Zivilisten in Syrien wächst der Druck auf die Regierung, UN-Inspektoren Zugang zu den betroffenen Gebieten zu gewähren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Donnerstag, es werde eine entsprechende Bitte an die Regierung von Präsident Baschar al-Assad übergeben. Zuvor hatten unter anderem die USA und Deutschland Zugang für die Experten gefordert. Syriens Verbündeter Russland erklärte, man werde sich einer Untersuchung nicht in den Weg stellen. Eine Reaktion der syrischen Regierung zu den Forderungen lag zunächst nicht vor.

Die syrische Opposition wirft der Armee vor, bei einem Giftgas-Angriff am Mittwoch zwischen 500 und 1300 Menschen in Vororten von Damaskus getötet zu haben. Die Regierung hat dies als „unlogisch und erfunden“ zurückgewiesen. In der Region wurde am Donnerstag weiter gekämpft. In der Nacht hatte sich der UN-Sicherheitsrat nur auf eine abgeschwächte Erklärung zum Angriff durchringen können: Die Vorwürfe der Opposition müssten aufgeklärt werden, hieß es. Eine Untersuchung wurde nicht gefordert. Russland schützt Syrien im Sicherheitsrat seit dem Beginn des Konfliktes vor zwei Jahren. Inzwischen sind UN-Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen getötet worden.

Ein Sprecher des russischen Außenministeriums erklärte am Donnerstag, die syrische Haltung zu den Inspektoren müsse respektiert werden. Er wies jedoch darauf hin, dass sich eine Gruppe der UN-Experten bereits im Land aufhalte, um frühere Vorwürfe zu untersuchen. Ihre Entsendung sei damals vom Sicherheitsrat und damit auch von Russland beschlossen worden. „Wie könnten wir dagegen sein?“, sagte der Sprecher zu neuen Ermittlungen. Russland habe auch Interesse an einer objektiven Aufklärung der Vorgänge.

Die Inspektoren wurden in das Land entsandt, nachdem erstmals Vorwürfe aufgekommen waren, Assad habe im Kampf gegen die Rebellen auf sein Chemiewaffenarsenal zurückgegriffen. Die Regierung wirft den Rebellen ihrerseits vor, entsprechende Massenvernichtungswaffen einzusetzen.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Giftgas als rote Linie bezeichnet und vor Konsequenzen gewarnt. In den USA wuchs am Donnerstag der Druck auf ihn, dem Taten folgen zu lassen. Der einflussreiche republikanische Senator John McCain forderte gezielte Luftangriffe auf syrische Luft- und Raketenstellungen. Die Untätigkeit der USA ermutige andere Staaten, ebenfalls hart gegen ihre Bürger vorzugehen, erklärte er.

Obama selbst begann am Donnerstag eine zweitägige Bustour im Nordosten der USA, um für seine Wirtschaftspläne zu werben. Dabei erwähnte er die Situation in Syrien zunächst mit keinem Wort. Sein Sprecher sagte, die Obamas Tour zeige, dass „der Präsident seine Prioritäten richtig setzt“, während er die Lage in Syrien verfolge. US-Generalstabschef Martin Dempsey sagte einen für Donnerstag geplanten Pressetermin ab.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Yeah es klappt wieder. Die Menschen sind so einfach zu verarschen. Wir befrieden Syrien wieder. Wir zeigen denen unsere Demokratie. Genauso wie in Irak. Unsere Freunde aus Israel und unsere Rüstungsindustrie werden sich bestimmt als dankbar erweisen!!. Yes wie can. Ich bin schlieslich der Friedensnobelpreisträger. HiHiHaHaHuhh Yeah Geil

  • seltsam ist auch, daß die "Beweisbilder und Videos " bereits am 20.8. auf den einschlägigen Websites auftauchten.

  • Eines steht fest, es ist absolut schrecklich und menschenverachtend, was in Syrien passiert.

    Die Weltgemeinschaft schaut zu und redet über taktische Vorgehensweise.

    Warum also, wenn das alles so wäre wie die Vorschreiber erklären, wer da alles an perfiden Interessen hat, warum dürfen die UN-Leute nicht an den Tatort???????????????

    Das will das Regime in Damaskus nicht und warum? Wer nichts zu verbergen hat, kann doch locker nachweisen, dass es keinen Anschlag von Seiten der Machthaber gab!

    Es werden Menschen abgeschlachtet und wir müssen täglich diesem Schlachten zusehen ohne dass etwas konkretes dagegen unternommen wird.

    Also wenn ich an der Stelle der erstmal friedlichen Demonstranten wäre, würde ich auch verzweifeln und mich denen anschliessen die wenigstens was unternehmen. Zu allem Überfluss sind das die weltweit operierenden Islamisten.
    Vor kurzem wurde im ARD ein Bericht gesendet, leider mal wieder viel zu spät, dort wurde ein Widerstandskämpfer ein Jahr lang begleitet.
    Zuerst war er bei den friedlichen Demonstranten, dann bei der bewaffneten Gegenwehr und heute bei den Islamisten. Seine Aussage dazu, die Weltgemeinschaft schaut zu wie wir nach und nach abgeschlachtet werden und die Islamisten unterstützen uns!

    Ja so wird das gemacht und der Westen diskutiert weiter. Übrigens der junge Mann ist gebildet, hatte einen guten Beruf und hatte absolut nichts mit Radikalen zu tun.

    Als damals Hitler an der Macht war gab, es auch Widerstand nur leider kein Internet. Aber auch da hat die Weltengemeinschaft einfach nur weggeschaut!!!!!!!!!!!!!!!!

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