Syrien-Krise
Warum sich Putin in Syrien engagiert

Wladimir Putin will nun doch keine Truppen nach Syrien schicken. Doch er wird sich nicht auf die Beobachterrolle beschränken – und Syriens Präsidenten Assad militärisch stärken. Aus zwei guten Gründen.

MoskauEs war ein gelungener Auftritt von Wladimir Putin bei US-Talkmaster Charlie Rose. Selbstbewusst parierte der Kremlchef die Fragen des Moderators, scherzte und lächelte entspannt in die Kameras. Putin hatte sich gut – womöglich besser als Rose selbst – auf das Interview vor seiner mit Spannung erwarteten Rede an die Uno-Vollversammlung vorbereitet. Der Sender CBS zeigte sich beeindruckt von „einer starken Persönlichkeit, die sich in eine Konversation mit unverblümter Rede, Charme und Witz einbringt“.

Trotz der gerühmten Unverblümtheit: In die Karten ließ sich der Kremlchef nur bedingt schauen. Russische Truppen in Syrien stritt er ab. Derzeit liefere Moskau nur Waffen an die syrische Regierung und humanitäre Güter an die Zivilbevölkerung und bilde Personal aus, sagte Putin. „Russland wird sich nicht an Militäroperationen auf dem Territorium Syriens oder anderer Staaten beteiligen, zumindest planen wir das zum heutigen Tag nicht“, fügte er hinzu.

Aus diesen Aussagen zu schließen, dass sich der Kreml in Syrien auf die Beobachterrolle beschränkt, wäre falsch. Natürlich ist der russischen Führung nicht daran gelegen, Bodentruppen gegen den Islamischen Staat (IS) ins Feld zu schicken; ein blutiges Unterfangen, das Erinnerungen an den verlustreichen Afghanistan-Krieg wecken würde. Doch Putin wird Syriens Präsidenten Baschar al-Assad auch militärisch stärken. „Es ist ein großer Fehler, die syrische Regierung und ihre Armee infrage zu stellen“, sagte Putin auch am Montagabend vor der Uno-Vollversammlung. „Sie kämpfen wahrhaft gegen die Bedrohung durch islamistische Terroristen.“ Die Flüchtlingskrise habe allein eine herbe Lektion erteilt. Unter Anspielung auf Libyen, Syrien und den Irak sagte Putin, staatliche Strukturen, die zerstört worden seien, müssten wieder hergestellt werden.

Einerseits liegen dem Festhalten an Assad geopolitische Erwägungen zugrunde: Russland hat traditionell gute Verbindungen zur arabischen Welt und sieht im Nahen und Mittleren Osten seine natürliche Einflusssphäre entlang seiner Südflanke. In der Hafenstadt Tartus hat Russland seinen einzigen Militärstützpunkt außerhalb der GUS. Mit Assads Sturz wäre die Flottenbasis gefährdet. Nun bietet sich stattdessen die Möglichkeit, im nördlich davon gelegenen Latakia sogar eine zweite Basis aufzubauen und somit die militärische Präsenz im Land zu verstärken.

Nach Ansicht des Politologen Nikolai Koschanow überlagern sich wirtschaftliche und geopolitische Überlegungen: „Das Bestreben, die Einflusssphäre der russischen Flotte auszubauen, zwingen Moskau dazu, die Basis in Tartus zu bewachen. Und die russischen Energiekonzerne sind an der Erkundung und Erschließung möglicher Öl- und Gasreserven vor der syrischen Küste interessiert“, schreibt der Experte des Moskauer Carnegie-Zentrums.

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