Syrien-Kritikerin schwer verletzt
Explosion nahe Beirut trifft Journalistin

Bei einer Explosion nördlich von Beirut ist eine libanesische Fernseh-Journalistin schwer verletzt worden.

HB BEIRUT. Wie die Polizei mitteilte, explodierte der Sprengsatz, als die populäre Nachrichtenmoderatorin May Chidyac am Nachmittag in Jounieh, einem vorwiegend von Christen bewohnten Küstenort, in ihr Auto steigen wollte. Die Bombe sei unter dem Sitz ihres Wagens versteckt gewesen, hieß es.

Nach Angaben von Krankenhausärzten in Jounieh verlor Chidyac bei der Explosion ein Bein und eine Hand. Ihr Zustand wurde als kritisch beschrieben. Am Abend wurde sie zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus nach Beirut gebracht.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora nannte den Anschlag auf Chidyac einen „krimminellen Akt gegen einen der besten und unabhängigsten Journalisten“ des Landes. Man werde alles tun, um die Hintermänner der Tat ausfindig zu machen, sagte Siniora, der den Transport der Schwerverletzten in ein Krankenhaus in Beirut begleitete. Staatspräsident Émile Lahoud verurteilte die Tat ebenfalls als krimminell. Auch er würdigte die unabhängige Berichterstattung Chidyacs.

Chidyac, eine Christin, arbeitet für das libanesische Fernsehen LBC. Es war bereits der zweite Anschlag auf einen libanesischen Journalisten binnen weniger Monate. Anfang Juni war in Beirut der für seine anti-syrische Haltung bekannte Journalist Samir Kassir ebenfalls bei einem Autobombenanschlag getötet worden.

Sofort nach dem Anschlag in Jounieh wurde der Tatort von der Armee abgesperrt. Die Hafenstadt liegt rund 15 Kilometer nördlich von Beirut. Bereits im Mai war dort ein Bombenanschlag verübt worden, bei dem zwei Menschen getötet worden waren.

Zu dem Anschlag auf Chidyac bekannte sich zunächst niemand. Die Polizei sieht jedoch Zusammenhänge mit den dreizehn vorangegangenen Bombenanschlägen, die seit Februar Libanon erschüttert haben. Dahinter werden prosyrische Kräfte vermutet.

Am 14. Februar war der frühere Ministerpräsident Hariri bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet worden. Die damalige Opposition, die inzwischen die Mehrheit im Parlament hat, machte Syrien für den Anschlag verantwortlich. Nach andauernden Protesten in Libanon und auf Druck des Weltsicherheitsrats hatte Syrien Ende April seine 29- jährige Militärpräsenz im Nachbarland beendet.

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