Syrien
Kurz vor der Waffenruhe fliegen die Geschosse

Im April ist eine Waffenruhe in Syrien nach wenigen Stunden gescheitert. Auch die Feuerpause zum muslimischen Opferfest steht offenbar auf der Kippe: Kurz vor ihrem Inkrafttreten melden Augenzeugen tödliche Kämpfe.
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Beirut/AmmanDie syrischen Streitkräfte haben einer viertägigen Waffenruhe während des muslimischen Opferfestes zugestimmt. Doch bereits vor ihrem Beginn war die Feuerpause gefährdet: In der Stadt Aleppo berichteten Aufständische von massiven Kämpfen, einige Rebellenführer erklärten bereits vorab, die Waffen nicht ruhen lassen zu wollen.

Die syrischen Streitkräfte stimmten laut einem Bericht des Staatsfernsehens offiziell einer viertägigen Kampfpause zu. Demnach behielten sich die Regierungskräfte jedoch vor, auf Beschuss und Anschläge zu reagieren und den Rebellen eine Festigung ihrer Positionen zu verwehren. Zudem würden alle Versuche unterbunden, Kämpfer mit Nachschub zu versorgen.

Der Chef des Syrischen Nationalrats, der größten Oppositionsgruppe im Exil, Abdelbasset Sieda, war skeptisch, ob sich die Regierung von Präsident Baschar Assad an die Vereinbarung halten werde. "Wir warten ab, was das Regime macht. Wenn sie es akzeptieren, dann werden wir es auch akzeptieren", sagte er. Im Gegensatz dazu kündigten einige Rebellenführer in Syrien an, die Kampfpause nicht zu achten. Die regierungsfeindlichen Aufständischen verfügen über keine einheitliche Führung.

Die Waffenruhe soll ab dem heutigen Freitag während des islamischen Opferfests Eid al Adha vier Tage halten. Sie wurde vom UN-Sicherheitsrat einstimmig befürwortet. Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi sagte zuvor, dass ein neuerliches Scheitern einer Waffenruhe die Kämpfe noch verschärfen könnte. Im April hatte eine Waffenruhe mit deutlich längerem Vorlauf nur wenige Stunden gehalten.

Doch noch kurz vor der geplanten Waffenruhe lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen heftige Gefechte. Aktivisten meldeten mehr als 100 Tote. Sowohl die staatliche Nachrichtenagentur Sana als auch Oppositionelle berichteten über Kämpfe im Großraum Damaskus, in Aleppo und Idlib. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Noch am Donnerstagabend nahm die syrische Armee nach Berichten von Bewohnern einen Stadtteil im Süden von Damaskus unter Feuer. Die Artillerie habe nur wenige Stunden nach Annahme der Waffenruhe aus den Bergen über der Hauptstadt zahlreiche Geschosse auf Hadschar al-Aswad abgefeuert, hieß es. In dem Viertel wohnen verarmte Flüchtlinge von den israelisch besetzten Golan-Höhen. Der Stadtteil diente Aufständischen als Ausgangspunkt für Angriffe auf Regierungstruppen, wie es weiter hieß.

Auch in der größten Stadt des Landes kam es noch am Tag vor dem Inkrafttreten der Waffenruhe zu schweren Kämpfen. Nach Angaben von Aktivisten und Rebellen konnten regierungsfeindliche Kräfte mehrere Stadtviertel von Aleppo erobern. Rebellen-Kommandeur Bassam al Dada sagte, Kämpfer hätten die Kontrolle über zwei zentrale Viertel erlangt, unter anderem über den seit Monaten umkämpften Stadtteil Salaheddin.

Auch sei es erstmals gelungen, in ein kurdisch dominiertes Viertel vorzudringen. Dabei wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London neun Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Dada erklärte, die Rebellen kontrollierten inzwischen die Hälfte der ehemaligen Wirtschaftsmetropole.

Unterdessen forderte ein mit der Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen beauftragtes UN-Expertenteam den syrischen Präsidenten Assad zu einem baldigen Gespräch auf. Dieses solle "ohne jede Vorbedingung" stattfinden, sagte am Donnerstag dessen Leiter, der Brasilianer Sergio Pinheiro. Das Expertenteam soll bis März 2013 die Ereignisse in Syrien untersuchen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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