Syrien
Menschenrechtler sichten Beweise für Blutbad

Satellitenfotos belegen laut Human Rights Watch die verheerende Gewalt in Homs. Während Vertreter des Roten Kreuzes mit den Behörden um Hilfslieferungen ringen, tauchen neue Berichte von Gefechten und Hinrichtungen auf.
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New York/Beirut/Damaskus/AmmanDie blutige Gewalt in Syrien nimmt kein Ende. Aus den Protesthochburgen Homs, Idlib und Hama wurden am Samstag erneut Hinrichtungen sowie heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren gemeldet. Das oppositionelle syrische Netzwerk für Menschenrechte berichtete, dass 44 fahnenflüchtige Soldaten in der Provinz Idlib hingerichtet worden seien. Von unabhängiger Seite konnte dies zunächst nicht überprüft werden.

Bei einem Selbstmordanschlag in der Provinz Daraa kamen derweil mindestens zwei Menschen ums Leben. Wie die Nachrichtenagentur Sana berichtete, explodierte nahe der jordanischen Grenze am Samstag eine Autobombe. Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte gab es dabei zwei Tote. Nähere Angaben zu dem Zwischenfall lagen nicht vor.

Aus der Protesthochburg Homs meldeten Aktivisten ebenfalls Hinrichtungen. In dem Stadtteil Baba Amro werde die Bevölkerung weiterhin „terrorisiert“, sagte der Oppositionelle Abu Imad im Libanon. Aus dem Grund werde auch das Rote Kreuz nicht in das Gebiet gelassen, betonte er. Die syrischen Behörden hatten dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond auch am Freitag den Zugang zu notleidenden Menschen in dem Viertel versagt.

Satellitenfotos der wochenlang von Regierungstruppen beschossenen Stadt beweisen nach Ansicht von Menschenrechtlern, dass es dort ein Blutbad gegeben hat. „Die neuen Bilder und Augenzeugenberichte zeigen, dass durch den Beschuss weite Teile zerstört wurden, Hunderte Menschen starben und unzählige verletzt wurden“, hieß es am Freitag von Human Rights Watch (HRW) in New York. Die Organisation geht von 700 Toten in der Stadt seit Beginn der Offensive vor einem Monat aus. Insgesamt sind nach UN-Schätzungen mehr als 7500 Menschen seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor einem Jahr getötet worden.

Besonders betroffen sei das Wohngebiet Baba Amr, wo Artilleriebeschuss und Scharfschützen unzählige Opfer gefordert hätten. „Die Satellitenbilder und die Zeugenaussagen zeigen das Ausmaß einer ungezügelten Brutalität in Baba Amr“, sagte HRW-Nahostchefin Sarah Leah Whitson. Die Aufnahmen aus dem All, die aus einer zivilen Quelle stammten, zeigten 950 Krater von Granateneinschlägen in dem Viertel.

Whitson warf Russland und China vor, trotz des Blutbads jede Aktion des UN-Sicherheitsrates zu blockieren. „Moskau und Peking handeln nicht, obwohl die Menschen in Syrien Opfer von Zerstörung und Tod werden.“ Russland und China, die im Sicherheitsrat ein Vetorecht haben, verhindern bislang im höchsten UN-Gremium eine Resolution zur Verurteilung des Assad-Regimes.

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  • Was ein Armutszeugnis der Politik, der Regierung und ein menschenverachtender Umgang in diesem Land. Demnächst wird es ein privates Kopfgeld auf den Kriegstreiber an oberster Stelle geben, der diesem Abschlachten keinen Einhalt gebietet und fleißig weiter morden lässt, was noch viel schlimmer ist, als selbst einen Mord zu begehen.

  • Ah, weite Teile zerstört? Dann sollte man 'mal Luftaufnahmen von Berlin, Köln oder Tokio von 1945 hernehmen, das ist dann zerstört. Im übrigen können Trichter eigentlich nur auf der Straße oder in Grünanlagen zu sehen sein. Fazit: Propaganda pur.

  • Vielleicht sollten die Menschenrechtler mal Bilder aus Libyen, dem Irak und Afghanistan bringen. Aber das ist nicht gewünscht.
    Wird bald auch über die Befreiung von Saudi-Arabien, der VAR, Kuwait, Oman berichtet?

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