Syrien
Militärintervention nicht mehr ausgeschlossen

Eine Intervention des Militärs könnte laut Opposition die einzige Möglichkeit sein, der anhaltenden Gewalt in Syrien zu begegnen. Zuvor sollen Soldaten von Präsident al-Assad gezielt junge Männer getötet haben.
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Amman/ParisWegen der eskalierenden Gewalt in Syrien zeichnet sich nach Einschätzung der Opposition eine militärische Intervention als einzige Lösung für den Konflikt ab. „Es gibt zwei Übel: Eine Militärintervention oder ein sich hinschleppender Bürgerkrieg“, sagte Basma Kodmani, Führungsmitglied der größten Oppositionsgruppe Syrischer Nationalrat (SNC) am Mittwoch in Paris. Wenige Tage vor der für Freitag geplanten internationalen Syrien-Konferenz in Tunis schlossen die USA eine Bewaffnung der Rebellen nicht mehr aus. Russland, das wegen seines Vetos gegen eine UN-Resolution zu Syrien in der Kritik steht, bemühte sich um freies Geleit für Hilfskonvois in die seit Wochen von Regierungstruppen belagerten Städte.

In mehreren Dörfern in der nördlichen Provinz Idlib haben Soldaten und Milizionäre von Präsident Baschar al-Assad nach Angaben der Opposition 27 junge Männer gezielt getötet. Sie hätten Jagd auf Zivilisten gemacht, teilte das Syrische Netzwerk für Menschenrechte mit. „Sie haben sie gefangen und ohne zu zögern getötet. Sie haben nur junge Männer gesucht, und wer nicht fliehen konnte, wurde umgebracht.“ Im Internet verbreitete Videos zeigten die Leichen gefesselter junger Männer - mit Schusswunden in Brust und Kopf.

In Homs, das Assad-Truppen seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss nehmen, wurden zwei Journalisten getötet. Es handle sich um die US-Bürgerin Marie Colvin, die für die britische Zeitung „Sunday Times“ gearbeitet habe, und um den französischen Fotografen Remi Ochlik, berichtete das Netzwerk für Menschenrechte. Bei den Angriffen auf den Stadtteil Baba Amro seien insgesamt mehr als 80 Menschen getötet worden. Nach dem Bombardement am Nachmittag seien allein 60 Leichen unter den Trümmern entdeckt worden, berichteten Oppositionelle.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach von Mord an den Journalisten: „Dieses Regime muss gehen.“ Der britische Außenminister William Hague reagierte ebenfalls schockiert.

Angesichts der Gewalt und der dramatischen Lage der seit Wochen eingeschlossenen Zivilisten vor allem in Homs und Hama wird eine militärische Intervention nicht mehr ausgeschlossen. Der Nationalrat neige immer mehr dieser Einschätzung zu, sagte SNC-Führungsmitglied Kodmani. Der Rat fordere Russland auf, sich bei der syrischen Regierung für die Schaffung sicherer Korridore für Hilfslieferungen einzusetzen. Zudem solle Ägypten den Waffentransport an Syrien durch den Suezkanal unterbinden.

Kodmani beriet mit dem Chef des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, über die Lage und forderte, das an mindestens drei Stellen die Hilfslieferungen freies Geleit bekämen. Das IKRK fordert eine Feuerpause von zwei Stunden pro Tag, um die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Nach Angaben der UN soll die Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen, Valerie Amos, schon bald nach Syrien reisen, um über die Hilfsaktionen zu beraten.

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USA: Müssen womöglich weitere Maßnahmen ergreifen

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  • Die flagge von syrien haut nicht hin, die da drauf ist: Syriens Flagge ist rot weiß schwarz mit grünen sternen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Flagge_Syriens
    http://www.welt-blick.de/flaggen-s-z.html

    ich frage mich wo das Bild oben entstanden ist. jedenfalls hauen die farben oben nicht hin.

  • Egal warum wir in Deutschland ein Wahlbüro betreten, sei es, um einen Bürgermeister, einen Regierungspräsidenten oder eine Bundesregierung zu wählen, wir können es in Springerstiefeln tun, mit umgeworfenem Palästinensertuch oder umgebundener Krawatte, in Anzug oder Badehose - kein Mensch wird uns dafür erschießen. In Syrien dagegen werden die Menschen Angst haben, den Weg zur Wahlurne zu gehen, es sei denn, sie tragen einen Assad-Button und müssen sich nicht fürchten auf einer Demonstration oder Beerdigung von Regimegegnern fotografiert worden zu sein. Die Demokratie in Syrien aber und ihre demokratische Freiheit ist tot. Wer würde hier bei uns denn noch wählen gehen, wenn er Sorge tragen müsste, bei der Stimmabgabe als einer erkannt zu werden, den es lohnt auf immer in dunklen Verliesen verschwinden zu lassen oder ihm wenigstens die Fingernägel auzureißen?

  • Nun, Ende der Woche findet das Referendum über die Verfassung statt. 'mal sehen, ob die Entscheidung des Volkes respektiert wird.

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