Syrien
Neue Gräueltaten in der Rebellenstadt Homs

Neue Schreckensnachrichten aus der syrischen Rebellenhochburg Homs. Assads Truppen sollen Dutzende Zivilisten getötet haben, darunter viele Kinder und Frauen. Mitglieder des Regimes bringen ihre Familien außer Landes.
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Damaskus/KairoNach der Friedensmission des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan berichtet die Opposition von neuen Gräueltaten. In der syrischen Widerstandshochburg Homs haben die Truppen von Präsident Baschar al-Assad den Angaben zufolge 57 Zivilisten massakriert. Die Regimegegner zeigten am Montag Videoaufnahmen von Kindern und Frauen, die in dem Viertel Karam al-Seitun mit Messern getötet worden sein sollen. Syrische Staatsmedien machten „Terroristen“ dafür verantwortlich. Der Syrische Nationalrat (SNC) forderte eine Schutzzone. Landesweit vermeldete die Opposition seit dem späten Sonntagabend 92 Tote.

Annan hatte am Wochenende im Auftrag von Vereinten Nationen und Arabischer Liga mit Assad über ein Ende der Gewalt verhandelt. Ergebnisse gab es zunächst nicht, der ehemalige UN-Generalsekretär äußerte sich nach zwei Gesprächsrunden dennoch optimistisch.

Am Montag sagte der syrische Botschafter in Moskau, Riad Chadad, nach Angaben der Agentur Interfax, Damaskus stimme einem von Russland und der Arabischen Liga vorgelegten Friedensplan zu. Annan hatte den Plan zuvor in Damaskus überreicht. Der Vorschlag sieht unter anderem ein Ende der Gewalt auf beiden Seiten sowie die Zulassung humanitärer Hilfe vor. Er schließt fremde Einmischung in den Konflikt aus. Chadad betonte zugleich, das Regime wolle „bis zum Endsieg“ kämpfen.

Die Offensive des Regimes gegen seine Gegner wird nach Angaben der Opposition dabei immer grausamer. In Homs starben den Angaben zufolge 28 Kinder, 23 Frauen und sechs Männer. Einige der Kinder seien erwürgt worden, hieß es. Die Leichen seien am Sonntagabend gefunden worden. Ein Arzt aus Homs, den der Nachrichtensender Al-Arabija am Montag interviewte, berichtete außerdem von zahlreichen Vergewaltigungen.

Weitere 24 Zivilisten sollen nach Angaben der Opposition in der Nacht zum Montag getötet worden sein, als sie versuchten, die Stadt Idlib zu verlassen. In einem Dorf im Bezirk Dschabal al-Sawija (Provinz Idlib) seien am Sonntagabend 35 Zivilisten „als Geiseln genommen worden“. Die Regierungstruppen hätten damit gedroht, das Dorf Ain Laros erneut anzugreifen, wenn sich die Bewohner des Bezirks weigern sollten, Deserteure auszuliefern, die sich dort versteckt haben sollen. Von unabhängiger Seite sind derartige Berichte nur schwer zu überprüfen, weil Syrien keine freie Berichterstattung der Presse erlaubt. Die UN schätzen, dass seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor einem Jahr mehr als 7500 Menschen getötet wurden.

Der Syrische Nationalrat appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, endlich eine sogenannte sichere Zone in Syrien einzurichten. Angesichts der jüngsten Verbrechen des Regimes in Homs sei es notwendig, die Stadt und die umliegenden Gebiete zu schützen. Im Libyen-Konflikt hatte das Militärbündnis Nato ein von Oppositionellen kontrolliertes Gebiet mit Luftangriffen vor dem Zugriff der Truppen des Diktators Muammar al-Gaddafi geschützt.

Das regimekritische unabhängige syrische Nachrichtenportal „All4Syria“ meldete unterdessen, mehrere hochrangige Funktionäre aus dem Sicherheitsapparat und Beschäftigte des staatlichen Fernsehens hätten ihre Familien in den vergangenen Wochen ins Ausland geschickt. Um nicht aufzufallen, hätten sie bei den Behörden um Ausreisegenehmigungen „zum Zweck der medizinischen Behandlung“ ersucht. Einige der Funktionäre hätten Bestechungsgelder bezahlt, um die Ausreise ihrer Angehörigen sicherzustellen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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