Syrien
Neuer Anlauf bei Waffenruhe lässt Syrer hoffen

Formell gilt in Syrien bereits seit Februar eine vereinbarte Waffenruhe. Doch die erwies sich in den vergangenen Tagen als zunehmend brüchig. Nun starten die Konfliktparteien einen neuen Anlauf.

Beirut/MoskauDie syrische Armee hat am Freitag eine temporäre Waffenruhe für die Hauptstadt Damaskus und deren Außenbezirke sowie die Provinz Latakia erklärt. Die Feuerpause gelte aber nicht für die umkämpfte Stadt Aleppo im Nordwesten des Landes, hieß es in einer im Fernsehen vorgelesenen Erklärung. Dort kamen mindestens 15 Menschen beim Beschuss einer Moschee ums Leben. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hob die Zahl der Toten nach den Luftangriffen auf ein Krankenhaus und anliegende Gebäude vom Mittwoch auf 50 an.

Die Feuerpause für die syrische Hauptstadt soll am Samstag um 01.00 Uhr (Ortszeit) beginnen und in und um Damaskus 24 Stunden dauern, in Latakia drei Tage. Welche Auswirkungen die einseitig ausgesprochene Waffenruhe haben wird, war zunächst unklar. Es galt als unwahrscheinlich, dass sich die Rebellen daran halten werden - nach tagelangen Luftangriffen der Regierung auf von ihnen kontrollierte Bezirke von Aleppo. Oppositionellen Aktivisten zufolge starben in der Stadt in der vergangenen Woche mehr als 200 Menschen.

Das syrische Staatsfernsehen schrieb den Angriff auf die Moschee in Aleppo Rebellen zu, die ein von Regierungstruppen gehaltenes Viertel treffen wollten. Mehrere Raketen schlugen den Angaben zufolge nach den Freitagsgebeten in der im Viertel Bab al-Faradsch gelegenen Malla-Chan-Moschee und Umgebung ein. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt.

Zuvor hatte es Berichte über Luftangriffe der Regierung auf Teile von Aleppo gegeben, die von Rebellen gehalten werden. Dabei seien mindestens zehn Menschen getötet worden, berichteten die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Lokalen Koordinationskomitees.

In dem von Rebellen gehaltenen Viertel Mardscheh seien nahe einer Klinik Geschosse eingeschlagen, so die Aktivisten weiter. Angaben über Opfer gab es zunächst nicht, das Hospital sei am Freitag leer gewesen, hieß es. Schon am Mittwoch waren in einem von Rebellen gehaltenen Viertel das Kuds-Krankenhaus und angrenzende Häuser Ziele von Luftangriffen gewesen. Dabei seien mindestens 50 Menschen gestorben, darunter Patienten und sechs medizinische Mitarbeiter, teilte Ärzte ohne Grenzen am Freitag mit. Die USA vermuten hinter den Angriffen die syrische Armee.

Der Beschuss des Hospitals habe einen der letzten Orte in Aleppo getroffen, „wo man noch Menschlichkeit finden konnte“, schrieb die Organisation weiter. Ärzte ohne Grenzen warnte zudem, dass die 250.000 Anwohner in den von Rebellen gehaltenen Vierteln Aleppos der Gefahr ausgesetzt seien, ganz von medizinischer Hilfe und anderer Versorgung abgeschnitten zu werden.

In der seit Wochen wieder besonders umkämpften Stadt hatte es am Morgen einige Stunden Kampfpause gegeben, bevor die Bombardements erneut begannen. Aus Furcht vor Angriffen durch russische und syrische Flugzeuge hatten Imame in den Rebellen-Gebieten ihre Freitagsgebete in den Moscheen zum Teil ausgesetzt, wie es hieß.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, rief am Freitag alle Konfliktparteien auf, nicht zu einem totalen Krieg zurückzukehren. Offiziell gilt in Syrien seit Ende Februar eine Feuerpause, die allerdings immer wieder gebrochen wird. Die Terrormiliz Islamischer Staat und die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Nusra-Front sind von der Waffenruhe ohnehin ausgenommen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%