Syrien
Nichts als ein Hoffnungsschimmer

In Syrien gilt erneut eine landesweite Waffenruhe, doch die scheint im Rauch des Schlachtfeldes wieder zu verblassen. Denn auch die Stimmung der Partner USA und Russland könnte schlechter nicht sein.

AleppoHoffnungsschimmer am Horizont hat das geschundene Bürgerkriegsland Syrien in diesem Jahr schon häufiger gesehen. Im Frühjahr einigten sich die Großmächte USA und Russland auf eine Waffenruhe, die das Blutvergießen beenden sollte. Am Genfer See trafen sich Vertreter der Regierung und der Opposition erstmals seit zwei Jahren zu Verhandlungen. Eine politische Lösung für den blutigen Konflikt, der seit fünf Jahren tobt, schien zumindest nicht ausgeschlossen.

Geblieben aber ist bislang von diesen Hoffnungsschimmern nichts. Die erste Waffenruhe löste sich nach und nach auf – bis sich beide Seiten wieder so heftig bekämpften, dass die Genfer Gespräche ohne jedes Ergebnis ausgesetzt werden mussten und bis heute auf Eis liegen.

Jetzt ist wieder ein solcher Hoffnungsschimmer aufgetaucht, denn seit Montag gilt erneut eine landesweite Waffenruhe, die Washington und Moskau ausgehandelt haben. Aber auch die scheint im Rauch des Schlachtfeldes wieder zu verblassen.

Zwar war die Gewalt zu Beginn der Feuerpause während des muslimischen Opferfest Eid al-Adha zunächst zurückgegangen. Doch kaum waren die Feiertage vorbei, verzeichneten Beobachter immer heftigere Kämpfe: Das Regime flog wieder Luftangriffe in den Provinzen Hama und Aleppo, in einem Vorort von Damaskus flogen die Granaten zwischen Regierungstruppen und Aufständischen und islamistische Rebellen nutzten die kurze Erholungsphase, um sich neu zu formieren.

An diesem Montag müsste nun eigentlich die nächste Stufe der Vereinbarung zwischen den USA und Russland umgesetzt werden. Sie sieht vor, dass die Luftwaffen beider Länder in Syrien gemeinsam gegen Terrorgruppen wie den Islamischen Staat (IS) Einsätze fliegen. Ob und wann es dazu aber tatsächlich kommt, ist bislang noch offen.

Die Stimmung zwischen den USA und Russland könnte schlechter nicht sein. Der möglicherweise versehentliche Angriff der US-geführten Koalition gegen syrische Regierungstruppen – die Verbündeten Moskaus – hat zum Zerwürfnis zwischen den Großmächten geführt. Der Zwischenfall macht deutlich, wie zerbrechlich die ganze Vereinbarung ist. Große Hoffnungen hatten ohnehin nicht einmal viele Menschen in Syrien gehabt.

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