Trump und Erdogan

Die beiden Präsidenten sind in der Syrienpolitik über Kreuz.

(Foto: AP)

Syrien-Offensive Türkei mit scharfer Kritik an Trump

Zwischen den USA und der Türkei herrscht Uneinigkeit: Wie scharf hat US-Präsident Trump die türkische Syrien-Offensive kritisiert? Die Kurdenfrage belastet das Verhältnis der Nato-Partner – und Ankara zündelt weiter.
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AnkaraDie Nato-Partner USA und Türkei haben in einem Telefonat ihrer Präsidenten Differenzen über das türkische Eingreifen in Nordsyrien nicht ausräumen können. Präsident Donald Trump habe seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan zur Zurückhaltung bei der Militäroffensive aufgefordert. Erdogan müsse jegliche Aktionen unterlassen, durch die es zu einem direkten Konflikt mit US-Soldaten kommen könnte, sagte Trump nach Mitteilung des Präsidialamts. Die zunehmende Gewalt in der Region Afrin untergrabe gemeinsame Ziele in Syrien.

Die türkische Regierung widersprach dieser Darstellung. Die Präsidenten hätten in dem Telefonat lediglich ihre Meinungen zur Offensive „Olivenzweig“ ausgetauscht. Dabei habe Trump keinerlei Sorge über eine Eskalation der Gewalt durch die Militäraktion geäußert, hieß es in türkischen Regierungskreisen.

Einer von Trumps Sicherheitsberatern, Tom Bossert, bekräftigte allerdings später die US-Position nach Zurückhaltung der Türkei. Er sei dafür, dass sich die Türkei zunächst wieder aus Afrin zurückziehe, sagte Bossert am Donnerstag. Im Norden Syriens steigt das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen der Türkei und den USA.

Erdogan hatte der von den USA unterstützten syrischen Kurdenmiliz YPG mit einer großflächigen Bekämpfung gedroht. „So Gott will, werden wir, angefangen mit Manbidsch, dieses Spiel entlang unserer Grenzen zunichte machen und unsere Region von diesem Unheil vollständig säubern“, so Erdogan.

In jener Region haben jedoch die Amerikaner Militärpersonal stationiert – anders als im weiter westlich gelegenen Afrin, wo seit mehreren Tagen ein türkischer Luft- und Bodeneinsatz gegen die YPG läuft. Die USA haben die YPG unter anderem in Manbidsch trainiert und mit Waffen ausgerüstet, um die im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen.

Der türkische Ministerpräsident kritisierte die USA am Donnerstag für ihre Unterstützung der Kurdenmiliz scharf. „Ein Land, das wir unseren Partner nennen und mit dem wir jahrelang in der Nato und in der Region zusammengearbeitet haben, hat sich nun an Terrororganisationen geklammert“, sagte Binali Yildirim in der Hauptstadt Ankara. Das sei eine „sehr schmerzliche und fatale Situation“ und eine „sehr entwürdigende Sache für Amerika“.

Die Türkei betrachtet die YPG als Schwesterorganisation der verbotenen PKK, die seit Jahrzehnten für eine Autonomie der Kurden kämpft. Die YPG ist maßgeblich beteiligt am Kampf gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS). Erdogan habe Trump aufgefordert, die Waffenlieferungen an die YPG zu stoppen, sagte ein türkischer Regierungsvertreter. Trump habe erklärt, die USA lieferten den Kurden derzeit keine Waffen und würden die Lieferungen auch nicht wieder aufnehmen.

„Syrische Brüder zurückschicken“ – Erdogan verteidigt Einmarsch

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Nach Angaben der Türkischen Streitkräfte (TSK) wurden seit Beginn des Militäreinsatzes am Samstag 287 gegnerische Kämpfer „neutralisiert“. Mit „neutralisiert“ ist im Sprachgebrauch türkischer Sicherheitskräfte in der Regel getötet gemeint, der Begriff kann aber auch verletzt oder gefangen genommen bedeuten. Eine Bestätigung der YPG dafür gab es nicht.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten durch Raketenbeschuss von Mittwochabend in der türkischen Grenzprovinz Kilis auf zwei. Die insgesamt zwei Raketen hatten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu eine Moschee und ein Wohnhaus in Kilis getroffen. Die Kuppel der Moschee wurde fast komplett zerstört, wie auf Bildern zu sehen war.

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9 Kommentare zu "Syrien-Offensive: Türkei mit scharfer Kritik an Trump"

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  • Nehmen Sie Ihre Pillen Kloni, sonst gehts ins Höschen

    Herr Peter Spiegel
    25.01.2018, 17:02 Uhr
    Da sind halt noch echte Kerle am Werk: Erdogan, Trump,Putin.....die holen auch mal die Kelle raus.....unser sprechender Hosenanzug dagegen........

  • Da sind halt noch echte Kerle am Werk: Erdogan, Trump,Putin.....die holen auch mal die Kelle raus.....unser sprechender Hosenanzug dagegen........

  • SYRIEN-OFFENSIVE
    Türkei mit scharfer Kritik an Trump
    Zwischen den USA und der Türkei herrscht Uneinigkeit: Wie scharf hat US-Präsident Trump die türkische Syrien-Offensive kritisiert? Die Kurdenfrage belastet das Verhältnis der Nato-Partner – und Ankara zündelt weiter.

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    Seit mehr als 30 Jahren will die Türkei sich Terroterial erweitern.
    Damit ist alles geschrieben !

  • Sehr schöner Kommentar, Herr Kabus! Im Moment sind die Kurden zwar die Fliegen, aber wenn man einen Ball nicht mehr finden möchte, kann man auch den Ball verloren geben ... dann wird mit einem anderen Ball weiter gespielt und man nimmt einen Strafschlag in Kauf.

  • Golfspieler sind für Fliegen extrem gefährlich.

    Zuerst das Eisen beim Schlag und dann noch das Geschoss. Wenn die Fliege Glück hat, sitzt sie wie Münchhausen auf der Kugel und hält sich fest. Oft aber werden Fliegen in der Schussbahn zu Kollateralschäden.

  • Trump als Mann der Mäßigung, auf den islamische Alleinherrscher hören würden... Lachhaft. Er soll Golf spielen gehen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ein bisschen aufplustern für die Öffentlichkeit. Es ist doch jedem klar, dass ohne grünes Licht von Trump in Syrien kein Angriffskrieg durch die Türkei stattfinden würde. Daher sagt er am Telefon zu Erdogan auch was anderes, als seine Pressestelle veröffentlicht.

  • Die Türkei entfernt sich nicht nur immer mehr von der EU, sondern auch von der NATO. Dazu ist Erdogan jedes Mittel recht. Wir sollten dringend überwachen, was die Digib in Deutschland treibt. Sonst gibt es noch ein böses Erwachen.

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