Syrien
Opposition hat Ministerpräsidenten gekürt

Es ist vollbracht. Syriens Opposition hat einen Ministerpräsidenten gekürt. Doch ist das alleine schon ein Erfolg? Ein Teil der Opposition ist skeptisch. Ghassan Hitto wird es nicht leicht haben.
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IstanbulEs gibt kaum einen syrischen Oppositionellen, der sich nicht zum Staatschef berufen fühlt. Kein Wunder also, dass es bei der Wahl des Übergangsregierungschefs in Istanbul hoch herging. Erst wurde stundenlang gestritten und intrigiert, dann verließ ein Teil der Delegierten unter Protest den Saal. Als Ministerpräsident Ghassan Hitto schließlich am Dienstagmittag sichtlich erschöpft vor die Presse tritt, haben sich die meisten Hitzköpfe zwar schon wieder beruhigt. Doch Zweifel bleiben.

„Diese ganze Wahl war eine Farce, die Prozedur erinnerte mich stark an unsere beschissene Regierungspartei“, schnaubt ein altgedienter Oppositioneller, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. „Wer ist dieser Hitto? Der Mann hat eine Ewigkeit im Ausland gelebt und weiß gar nicht, wie es in Syrien aussieht“, lästert der Politologe Mohammed Aenad in einem Interview mit dem TV-Sender Al-Arabija.

Doch welche Aufgabe übernimmt Hitto überhaupt? Und wie geht es jetzt weiter? In den nächsten Tagen soll der kurdischstämmige Syrer sein Kabinett zusammenstellen. Doch so wie die Regimegegner ticken kann das eventuell auch noch länger dauern. Die Regierung wird ihren Sitz voraussichtlich in der Provinz Aleppo haben, die zu weiten Teilen von den Rebellen kontrolliert wird.

Die Opposition geht davon aus, dass Hitto nicht mehr als sieben Minister ernennen wird. Besonders dringlich sei die Besetzung der Ressorts Gesundheit, Flüchtlingshilfe, Innere Sicherheit, Energie und lokale Verwaltung, sagt Chalid Chodscha, ein Mitglied der oppositionellen Nationalen Syrischen Koalition.

Doch es drohen neue Reibereien. Hitto, der bei der Abstimmung von den Muslimbrüdern unterstützt wurde, hat in einer Kernfrage eine andere Meinung als der Vorsitzende der Koalition, Muas al-Chatib. Während Al-Chatib dem Regime einen Dialog zu bestimmten Bedingungen angeboten hat, erklärt Hitto: „Kein Dialog mit einem Regime, das Blut vergießt.“

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