Syrien
Oppositionsführer fordern Flugverbotszone

Syrische Kampfflugzeuge fügen den dortigen Rebellen schwere Verluste zu. Jetzt werden Forderungen nach einer Flugverbotszone laut. Damit es wirkt, müsste der Westen militärisch eingreifen. Doch der ziert sich noch.
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Aleppo/IstanbulAus der syrischen Opposition wird die Forderung nach einer Flugverbotszone über dem Land laut. Zum Schutz der Rebellen sollten ferner international gesicherte Bereiche an den Grenzen zu Jordanien und der Türkei geschaffen werden, sagte der Chef des Syrischen Nationalrats, Abdelbasset Sida, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei sehr wichtig, um „dem Regime deutlich zu machen, dass seine Macht Stück für Stück schwindet“. Es gebe Gegenden, die befreit worden seien, sagte Sida in einem Telefongespräch aus Istanbul. „Aber das Problem sind die Flugzeuge, die zusätzlich zum Artilleriefeuer töten und zerstören.“

Zuvor hatte US-Außenministerin Hillary Clinton nach Gesprächen am Samstag in Istanbul mitgeteilt, dass ihr Land und die Türkei die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien erwägen, um die syrischen Rebellen im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen. Ein Flugverbot müsste mit einem militärischen Einsatz durchgesetzt werden, den der Westen auch mit Blick auf Syriens Verbündete Russland und China bislang vermeidet. Ohnehin droht der Bürgerkrieg in Syrien auf Nachbarländer überzugreifen, nachdem es am späten Freitagabend ein Gefecht mit jordanischen Soldaten an der Grenze gegeben hat.

Die Auseinandersetzungen in der Region Tel Schihab-Turra begannen nach Angaben der syrischen Opposition, als syrische Soldaten auf Flüchtlinge schossen, die die Grenze nach Jordanien überqueren wollten.

Zwar haben jordanische Soldaten schon auf syrische Truppen gefeuert, um den Beschuss von Flüchtlingen zu stoppen. Doch war dies der bislang schwerste Zwischenfall an der Grenze seit Beginn des Konfliktes, der sich zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet hat.

Der Abschuss eines türkischen Militärjets durch die syrische Luftabwehr im Juni und der Beschuss libanesischer Dörfer durch Assad-Truppen schürten bereits die Furcht vor einer Ausbreitung des Konflikts in der ohnehin an Spannungen reichen Region.

Auf die Frage nach einer Flugverbotszone über den von Rebellen kontrollierten Gebieten sagte Clinton am Samstag, das sei ein Punkt, der mit der Türkei intensiver erörtert werden müsse. "Es ist eine Sache, über mögliche Aktionen zu reden, aber man kann vernünftige Entscheidungen nicht ohne eingehende Analysen und operative Planung treffen." Sie sei sich mit ihrem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu darin einig, dass solche Entscheidungen gemeinsam geprüft werden müssten. Dringend notwendig seien auch Planungen für die Zeit nach Assad, dessen Tage an der Macht aus Sicht des Bundesnachrichtendienstes gezählt sind.

Mit ihren Äußerungen brachte Clinton erstmals den Einsatz militärischer Mittel ins Gespräch. Im vorigen Jahr hatte viele westliche Länder den Kampf libyscher Rebellen gegen Machthaber Muammar Gaddafi mit einer Flugverbotszone entscheidend unterstützt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien: Oppositionsführer fordern Flugverbotszone"

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  • Syrien ist ein Souveräner Staat. Das bedeutet für die Amis aber nicht, dass man denen nicht diktieren darf was nach Ami Lesart rechtens ist.
    Die Situation ist höchst gefährlich. Die Amis spielen mit dem Feuer. Das ganze könnte sich zu einem nicht mehr zu kontrollierenden Konflikt entwickeln den die Amis nicht mehr alleine beherrschen können. Dann schreien die wie so oft gehabt um Hilfe.

  • Wen wundert es noch, dass Clinton eine Flugverbotszone durchsetzen will? Sie hat ja auch schon in Libyen nicht auf die Souveränität von Staaten geachtet. Und jetzt, wo Syrien von fundamentalistischen Sunniten aus aller Herren Länder heimgesucht wird, die ihren eigenen, von US-$ bezahlten Djihad fabrizieren wollen, während das syrische Volk hinter Assad steht, geht es ja auch um was. Der Einfluss des Iran und der Schiiten soll sinken, Israel soll ungehindert über Syrien in den Iran fliegen können und ihrer agressiven, rassistischen Politik die Krone aufsetzen.
    Traurig, dass es so einfach zu sehen ist, was hier abläuft und niemand es sehen will.

  • Mit einer völkerrechtswidrigen Flugverbotszone will man also solche Leute noch massiver unterstützen: http://www.schweizmagazin.ch/news/ausland/10757-Syrien--jhriges-Kind-von-den-Rebellen-ffentlich-hingerichtet.html

    Hoffentlich funktioniert die syrische Flugabwehr auch ohne das direkte Eingreifen Russlands ausreichend gut.


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