Syrien
Rebellen locken Journalisten in Falle

Gut und Böse lässt sich in Syrien kaum auseinanderdividieren. Nun wirft ein britischer Journalist den Rebellen vor, ihn in einen Hinterhalt gelockt zu haben. Er vermutet dahinter eine tödliche PR-Falle.
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LondonEin britischer Journalist hat schwere Vorwürfe gegen die syrischen Rebellen erhoben: Die Regierungsgegner hätten ihn in der Nähe der libanesischen Grenze in eine Falle gelockt, damit er von syrischen Regierungstruppen erschossen würde, erklärte der Chefkorrespondent von Channel 4 News, Alex Thomson, in seinem Blog. „Tote Journalisten sind nicht gut für Damaskus“, schrieb er.

Zu dem Zwischenfall kam es nach Angaben von Thomson am Montag in der syrischen Stadt Kusair, etwa eine halbe Stunde Fahrt von Homs entfernt. Er, sein Fahrer, ein Dolmetscher und zwei weitere Journalisten wollten hinter die Regierungslinien zurückkehren, als die Rebellen sie in eine Sackgasse geführt hätten. Ein Schuss sei gefallen.

Dies sei kein Versehen gewesen, erklärte Thomson. „Ich bin sicher, dass die Rebellen das bewusst arrangiert haben, damit wir von der syrischen Armee erschossen werden“, schrieb er. Dem Wagen gelang die Flucht. Thomson hat Syrien inzwischen verlassen.

Unterdessen hat die tunesische Regierung die Imame des Landes aufgefordert, nicht länger Jugendliche zum Dschihad in Syrien aufzurufen. Ein Sprecher der Übergangspräsidentschaft in Tunis erklärte am Freitag, Syrien benötige politische Hilfe und keine Dschihadisten.

In einem Brief, den Syrien im vergangenen Monat an die UN schickte, wurden die Namen von 26 ausländischen Kämpfern genannt, die in Syrien festgenommen worden seien. 19 der Genannten waren Tunesier.

Tunesien hat seinen Botschafter aus Syrien abgezogen und den syrischen Botschafter aus Tunis ausgewiesen, um gegen das gewaltsame Vorgehen gegen die Opposition zu protestieren.

Der Friedensplan des Uno-Sondergesandten Kofi Annan gilt unter Politikern und Diplomaten zunehmend als gescheitert. Die Rufe nach einer härteren Gangart der Weltgemeinschaft werden immer lauter.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien: Rebellen locken Journalisten in Falle"

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  • Die beschriebenen Vorgänge erinnern an Libyen.Regierungstreue und Aufständische sind gleichermaßen grausam.

    Fazit :
    Es gibt dort keine Guten und Bösen.
    Es gibt dort nur Böse.

  • Das ist erschreckend. Nirgendwo im Text stehen Anhaltspunkte, *warum* der Journalist recht haben könnte. Es ist alles nur Spekulation und Glaube. Aber es hat was mit Arabern zu tun und es hat was mit Gewalt zu tun, also wird gleich mal der Koran ausgepackt - in einer obskuren Übersetzung, die wahrscheinlich (dem Möchtegern-Impressum der Website nach zu schließen) den Umweg über das Englische nehmen musste. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: Koranübersetzungen sind ohne Verständnis des Originaltextes bestenfalls gefährlich, besonders in politischen Kontexten.

  • Das allererste erste Opfer im (Bürger-)Krieg ist die Wahrheit.

    Es ist schon erschreckend, wie blauäugig insbesondere linke Gesinnungsjournalisten (in England und bei uns) sich als 5. Kolonne der islamistisch orientierten Rebellen in Syrien hergeben.

    Demokratie westlicher Prägung mit einer Zivilgesellschaft, in der Frauen die gleichen Rechte haben wie diese Herrschaften, ist das wirklich allerletzte, was diese wollen. Da muss ich zähneknirschend selbst Putin Recht geben.

    Das Zitieren von steinalten Texten bringt uns aber hier nicht wirklich weiter. Denn weder die Bibel noch der Koran noch die pragmatische Sicht der Wikinger hilft hier. Weder erwartet uns auf der anderen Seite 72 Jungfrauen noch gibt es dort Met bis zum Abwinken.
    Wenn aber schon alte Texte, dann der hier. Der richtige Consultant in diesem Fall ist: G. I. Caesar: De Bello Gallico. Sein Rat: Raushalten. Den Gewinner im Sinne der Pax Romana integrieren.

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