Syrien-Rückkehrer sagt aus: Deutsche beim IS-Geheimdienst

Syrien-Rückkehrer sagt aus
Deutsche beim IS-Geheimdienst

Im Januar ging den Behörden ein deutscher Dschihadist ins Netz. Dessen Aussagen über seine Zeit beim IS in Syrien legen nahe, dass Deutsche dort an Folterungen und Hinrichtungen beteiligt waren - auch gegen IS-Kämpfer.

BerlinMehrere deutsche Dschihadisten sind nach Angaben eines Syrien-Rückkehrers bei einer Spezialeinheit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) an Folterungen und Hinrichtungen beteiligt gewesen. In der syrischen Stadt Manbidsch seien mehrere Deutsche in einer "Sturmtrupp" genannten Abteilung beschäftigt gewesen, die für die Festnahme von sogenannten Abweichlern und Deserteuren zuständig gewesen sei, sagte der Rückkehrer Nils D. laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Rechercheverbunds aus "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR.

Die Bundesanwaltschaft hat den Mann wegen Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS angeklagt. Er soll dem Islamischen Staat von Oktober 2013 an für etwas mehr als ein Jahr angehört haben. Der Mann war im Januar im niederrheinischen Dinslaken festgenommen worden. Er wird sich vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten müssen.

Nils D., der aus der Salafistenszene in Dinslaken-Lohberg in Nordrhein-Westfalen stammt, war demnach von Oktober 2013 bis November 2014 in Syrien. Acht dieser dreizehn Monate habe er in dem "Sturmtrupp" verbracht, der vom Generalbundesanwalt als „Abteilung Innere Sicherheit· der IS-Miliz bezeichnet werde. Laut Nils D. bedurfte es einer besonderen Empfehlung, um zum IS-Geheimdienst zu gelangen. Auf der Straße seien die Angehörigen nur vermummt aufgetreten.

Laut Anklagebehörde war er auch in die Verwaltung von IS-Gefängnissen eingebunden gewesen. Beim Verhör eines Gefangenen habe er als Dolmetscher fungiert. Laut dem Bericht sagte Nils D. aus, an zehn bis fünfzehn Festnahmen beteiligt gewesen zu sein.

Gefangene seien durch Folter zu Geständnissen gezwungen worden, auf einem „Hinrichtungsmarktplatz“ hätten regelmäßig Erschießungen und Enthauptungen stattgefunden. Einmal habe er auch die Kreuzigung eines IS-Kommandeurs gesehen, an dem ein Exempel statuiert werden sollte.

Im IS-Gefängnis in Manbidsch, in dem er zusammen mit anderen Deutschen eingesetzt gewesen sei, habe er eingekauft und gekocht, sagte er laut dem Bericht. An Hinrichtungen und Folterungen, die in dem Gefängnis an der Tagesordnung gewesen seien, sei er nicht beteiligt gewesen. Ein Foto auf seinem Handy zeige ihn allerdings, wie er einem Gefangenen eine Waffe an den Hinterkopf halte.

Nils D. war dem Bericht zufolge Ende 2014 nach Dinslaken zurückgekehrt und wurde nach einem abgehörten Gespräch festgenommen. Seine mehr als 20 Vernehmungen zeigen laut dem Rechercheverbund das Ausmaß der Repression in den Gebieten unter Kontrolle der IS-Miliz, die sich nicht nur gegen die Zivilbevölkerung, sondern auch gegen eigene Kämpfer richte.

Im Januar soll vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gegen Nils D. beginnen. Wegen seiner Aussagen über andere deutsche IS-Kämpfer soll er in anderen Verfahren als Zeuge auftreten, etwa vor dem Oberlandesgericht in Celle, wo zwei Wolfsburger Syrien-Rückkehrern der Prozess gemacht wird.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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