Syrien
Syrische Kurden starten Offensive auf Al-Rakka

Die Offensive auf die irakische IS-Hochburg Mossul läuft bereits seit knapp drei Wochen. Nun sollen die Extremisten in Syrien auch aus ihrer De-facto-Hauptstadt Al-Rakka vertrieben werden.

BeirutDie lange erwartete Offensive zur Rückeroberung der syrischen Stadt Al-Rakka von der Terrormiliz Islamischer Staat hat begonnen. Die von Kurden angeführten Demokratischen Kräfte Syriens kündigten am Sonntag an, dass sie mit 30.000 Kämpfern von verschiedenen Seiten aus auf die De-facto-Hauptstadt des IS vorrücken würden. Die USA und Großbritannien erklärten, sie würden die Angreifer aus der Luft unterstützen.

SDF-Kämpferin Cihan Ehmed gab den Beginn der Operation „Zorn des Euphrats“ bei einer Pressekonferenz am Sonntag im kurdisch kontrollierten Ein Issa nördlich von Al-Rakka bekannt. Genaue Details, wie die schätzungsweise 5000 Extremisten aus der 200-000-Einwohner-Stadt vertrieben werden sollen, nannte sie nicht.

SDF-Sprecher Talal Sillo sagte lediglich: „Wir wollen das umliegende Land befreien, dann die Stadt umzingeln und dann werden wir angreifen und sie befreien.“ Am Sonntag meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dass die SDF im Gebiet zwischen Ein Issa und Al-Rakka bereits sechs Dörfer eingenommen hätten.

Vor knapp drei Wochen hatten irakische Truppen bereits eine Offensive gestartet, um den IS aus Mossul im Nordirak zu vertreiben. Ehmed sagte am Sonntag, die beiden Operationen, Mossul und Al-Rakka, seien nicht aufeinander abgestimmt. Es handele sich schlicht um „gutes Timing“.

Die Demokratischen Kräfte Syriens sind eine von den USA unterstützte Koalition aus kurdischen, arabischen und christlichen Kämpfern. Größte Teilfraktion sind die syrisch-kurdischen Volksschutzeinheiten YPG, die den USA als effektivste Truppe im Kampf gegen den IS gelten. Die Türkei hingegen betrachtet sie als Terrororganisation und hat vorgeschlagen, dass eine vom türkischen Militär unterstützte Rebellenfraktion die Offensive auf Al-Rakka anführen könnte.

Ehmed, umgeben von ranghohen Kommandeuren und Funktionären der SDF, rief die Türkei auf, sich aus dem Kampf um Al-Rakka herauszuhalten. „Unsere Hoffnung ist es, dass sich der türkische Staat nicht in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischen wird“, hieß es.

Auf die Frage, ob er von den USA die Zusicherung erhalten habe, dass deren Nato-Partner Türkei nicht eingreifen werde, sagte SDF-Sprecher Sillo: „Natürlich haben wir sichergestellt, dass keine anderen Kräfte als die SDF an der Operation beteiligt sind, bevor wir sie begonnen haben.“ Ein weiterer SDF-Vertreter, Resan Hiddo, warnte die Türkei vor Angriffen auf kurdische Stellungen in Nordsyrien. Die Kurden-Milizen müssten dann dien Vormarsch auf Al-Rakka aufgeben, um ihre eigenen Gebiete zu schützen. „Wir können nicht das Feuer im Haus unseres Nachbarn löschen, wenn unser eigenes Heim brennt“, sagte Hiddo.

US-Verteidigungsminister Asthon Carter begrüßte die Offensive. „Al-Rakka zu isolieren und letztlich zu befreien, ist der nächste Schritt im Operationsplan unserer Koalition“, sagte er. Der Gesandte des Weißen Hauses für das Anti-IS-Bündnis, Brett McGurk, sagte, die USA würden die Kurden mit Luftangriffen unterstützen. Man sei in „engem, engem Kontakt“ mit dem Verbündeten Türkei. Großbritannien will die Offensive vor allem mit Luftraumüberwachung unterstützen, wie Verteidigungsminister Michael Fallon sagte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommentierte die Offensive in einer im Fernsehen übertragenen Rede nicht. Er verwies am Sonntag stattdessen auf die Erfolge der von Ankara unterstützten Rebellen beim Vormarsch auf eine weitere IS-Bastion, Al-Bab.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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