Syrien: UN-Sicherheitsrat entscheidet bereits heute

Syrien
UN-Sicherheitsrat entscheidet bereits heute

Für eine Syrien-Resolution hat der Sicherheitsrat kurzfristig eine Sondersitzung einberufen. Die Meldungen über erneute Gewalttaten werden immer dramatischer. Seit Freitag soll es mehr als 200 Tote gegeben haben.
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New York/NikosiaTrotz einer russischen Vetodrohung will der UN-Sicherheitsrat noch am Samstag (4. Februar) über eine Syrien-Resolution entscheiden. Marokko hat für 9.00 Uhr (Ortszeit, 15.00 Uhr MEZ) eine Sondersitzung beantragt und will seinen Entwurf dann zur Abstimmung bringen, hieß es von westlichen Diplomaten.

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Vetomacht Russland mitteilen lassen, sie wolle das auch von ihrem Botschafter ausgehandelte Papier nicht mittragen. Russland kann mit seinem Veto jede noch so starke Mehrheit überstimmen und hat das in der Vergangenheit auch getan, um jede Kritik an seinem Waffenkunden Syrien zu unterbinden.

Auf russisches Drängen war der von Arabern und Europäern eingebrachte Entwurf bereits verwässert worden, die Ächtung des Waffenhandels, der Ruf nach freien Wahlen und der Ablösung von Syriens Präsident Baschar al-Assad fand sich nicht mehr in dem Kompromiss. „Unser Standpunkt wurde ungenügend berücksichtigt“, hatte Russlands Vizeaußenminister Gennadi Gatilow dennoch gesagt.

Marokkos Schritt kommt überraschend, weil allgemein mit weiteren Verhandlungen gerechnet worden war. Unklar ist, ob die Araber nun einfach eine Entscheidung wollen und notfalls Russlands Veto in Kauf nehmen.

Hinter den Kulissen hatte es aber noch Kontakte auf höchster diplomatischer Ebene gegeben. So hatte US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert. Beide hätten vereinbart, dass die Diplomaten an den UN-Vertretungen in New York weiter nach einer Lösung suchen sollten. „Wir wollen, dass der Sicherheitsrat in einer einheitlichen und deutlichen Sprache spricht, um das syrische Volk zu unterstützen“, hatte Außenamtssprecher Mark Toner in Washington gesagt.

Unterdessen melden Menschenrechtler, in der syrischen Stadt Homs seien am späten Freitagabend mindestens 217 Zivilisten getötet worden. Allein im Viertel al-Chalidija habe es 138 Todesopfer gegeben, darunter Frauen und Kinder, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht zu Samstag mit. Die Beobachtungsstelle rief die syrische Bevölkerung „in allen Regionen“ auf, angesichts des „Massakers“ in Homs auf die Straße zu gehen und sich gegen die Führung zu erheben.

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira sprach von einer größeren Offensive in der Hochburg der Opposition gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Das Militär setzte Panzer, Mörsergranaten und Maschinengewehre ein. Nach Informationen der Korrespondentin des Senders im Libanon attackierten vor dem Gewaltexzess Mitglieder der Freien Syrischen Armee Kontrollpunkte der regulären Truppen. Dabei seien etwa zehn Soldaten ums Leben gekommen.

Danach sei offensichtlich ein Stadtteil von Homs ständig beschossen worden. Mehrere Häuser seien zerstört worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite für die Angaben aus Syrien gab es nicht. Bei Al-Dschasira hieß es weiter, es würden Blutspenden, Medikamente und medizinisches Personal benötigt. Das Zentralkrankenhaus sei völlig überlastet. In Moscheen seien provisorische Lazarette eingerichtet worden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden zudem in Rastan, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, am späten Freitagabend zwei Zivilisten getötet. Acht Deserteure der Armee seien in verschiedenen Landesteilen getötet worden.

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  • Hallo,
    wie wäre es denn mal mit diesen Informationen:
    www.voltairenet.org/de

  • So, so:
    die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London gibt bekannt.
    Da diese aber ein Manipulations und Lügeninstrument der syrischen Islamisten, der Antiassadfront ist, sollte man doch um der Objektivität willen bemüht sein,auch noch woanders Informationen zu bekommen.
    dpa/afp ihr seid wirklich wichtig: denn wäre ich Journalist und dürfte nicht wahrheitsgemäß die Wirklichkeit ergründen können und entsprechend berichten können, so würde ich mich weigern einen Artikel zu schreiben und wenn das dauernd vorkommt würde ich wahrscheinlich Gärtner geworden sein, wie jetzt.
    Da nun aber die Zeitungen gefüllt werden müssen darf dann dpa/afp die Propaganda betreiben.

    Man, war ich erleichtert das es ein Agenturtext war.
    Auf voltairenet.org/de findet man erstaunliche Dinge zu den Konflikten in und um Syrien.

  • @GasAusRuss
    ich kann Sie bei der eingeschränkten Sichtweise Ihre aggressive Argumentation verstehen. Nun, vielleicht beschäftigen Sie sich auch mal mit dem, was wirklich in der Welt hinter dem Vorhang abgeht. Sie werden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen und sehen, dass es sich alles um "ein großes Schachbrett" handelt...mit wirklich fantastischen Verpflechtungen.

    Russland ist auf gar keinen Fall ein Unschuldsland..aber Sie müssen das Gesamtziel betrachten...wer profitiert davon wenn Syrien unter die "westlichen" Fittiche kommt, wie es in Lybien u.a. der Fall ist....warum gerade diese Länder?...Was gibt es in diesen Ländern?...Nachforschen öffnet die Augen!

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