Syrien
Zehntausende fliehen vor Assads Rache

Die syrische Armee geht weiter mit aller Härte gegen die Rebellen vor. Nun wurde eine Stadt nahe der türkischen Grenze eingenommen. Tausende Einwohner flohen in das Nachbarland, es könnte die letzte Chance gewesen sein.
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BeirutSyrische Soldaten haben am Samstag ein Dorf nahe der türkischen Grenze eingenommen. Die Truppen seien am frühen Samstagmorgen mit sechs Panzern in Bdama eingerückt und hätten Maschinengewehre abgefeuert, erklärten die Koordinationskomitees, die regierungskritische Proteste in Syrien dokumentieren. 

Das Dorf liegt etwa 20 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt und ganz in der Nähe von Dschisr al Schughur, das die Regierungssoldaten am vergangenen Sonntag wieder unter ihre Kontrolle brachten. Dort kam es nach Angaben von Aktivisten zu Gefechten zwischen Soldaten und Deserteuren, die sich weigerten, die Proteste der Opposition gewaltsam niederzuschlagen. Am Freitag nahmen Soldaten auch die Stadt Maaret al Numan ein. 

Fast 10.000 Bewohner der Region waren über die nahe Grenze in die Türkei geflohen. Mit der Einnahme Badamas könnte den Menschen der Fluchtweg in das nördliche Nachbarland künftig abgeschnitten werden, befürchten Menschenrechtsaktivisten. Ein Sprecher des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman, erklärte, die Einnahme von Bdama bedeute neue Probleme für rund 2.000 Flüchtlinge, die in der Nähe untergebracht seien. Sie seien bisher von einer Bäckerei in Bdama versorgt worden. Nun könnten die Menschen nicht mehr in das Dorf gehen, um sich dort Brot zu holen. 

Seit drei Monaten demonstrieren Hunderttausende Syrer trotz immenser Unterdrückung durch die Sicherheitskräfte für politische Reformen und zuletzt auch den Rücktritt Assads. Menschenrechtsgruppen zufolge wurden bisher 1300 Demonstranten getötet. Darüber hinaus kamen bei bewaffneten Auseinandersetzungen 340 Polizisten und Soldaten ums Leben. Am Freitag töteten die Sicherheitskräfte bei landesweiten Protesten insgesamt 19 Syrer.

US-Außenministerin Hillary Clinton bekräftigte in einem Gastkommentar für die arabische Tageszeitung „Asharq al-Awsat“ die Unterstützung Washingtons für die Demokratiebewegung in Syrien. Zugleich verurteilte sie das Assad-Regime wegen seines mörderischen Vorgehens gegen die Demonstrationen seiner Gegner. „Anhaltende Brutalität mag es Assad erlauben, den im Gange befindlichen Wandel in Syrien hinauszuschieben, aber sie wird ihn nicht umkehren“, schrieb Clinton in der Samstag-Ausgabe des Blattes. 

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