Syrienkonflikt
Assad schimpft über fremdgesteuerten Krieg

Syriens Machthaber Baschar al-Assad hat das Massaker von Hula verurteilt - ging aber nicht näher auf die Hintergründe ein. Stattdessen konzentriert sich Assad darauf, den Konflikt als vom Ausland gesteuert darzustellen.
  • 4

Beirut / DohaSyriens Machthaber Baschar al-Assad lässt sich offenbar nicht vom internationalen Aufschrei nach dem Massaker in Hula beeindrucken und hält am gewaltsamen Vorgehen gegen die Protestbewegung fest. „Wir werden weiterhin dem Terrorismus die Stirn bieten“, sagte Assad am Sonntag in einer Rede vor dem syrischen Parlament.

Die Führung in Damaskus bezeichnet ihre Gegner als Terroristen, die mit Unterstützung des Auslandes Gewalt schüren. Das Massaker in Hula, bei dem mehr als 100 Zivilisten getötet wurden, nannte Assad verabscheuungswürdig. „Noch nicht einmal Monster können so etwas begehen“, sagte der Präsident bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte.

Die westlichen Länder machen Assads Militär und verbündete Milizen für die Gewalttaten in Hula vor eineinhalb Wochen verantwortlich. Auch der UN-Sicherheitsrat sieht zumindest eine Teilschuld der syrischen Führung. Das Massaker, bei dem zumeist Kinder und Frauen getötet wurden, sorgte weltweit für Entsetzen und veranlasste den Uno-Sondergesandten für Syrien, Kofi Annan, zu erneuten Vermittlungsversuchen. Bei einem Treffen der Arabischen Liga in Doha warnte er am Samstag vor einem Abgleiten Syriens in einen ungezügelten Krieg.

„Wir haben kein politisches Problem“, sagte Assad in seiner rund einstündigen Rede. „Womit wir es zu tun haben, ist ein Versuch, sektiererischen Streit zu säen und das Instrument dazu ist der Terrorismus. Wir haben es mit einem wahren Krieg zu tun, der von außen geführt wird.“ Assad wirkte gelassen und ging nicht auf den Appell Annans ein, die Gewalt sofort zu beenden und schweres Militär aus den Wohngebieten zurückzuziehen - so wie es der UN-Friedensplan vorsieht. In dem seit 15 Monaten anhaltenden Aufstand gegen Assad sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen getötet worden.

Der Konflikt destabilisiert auch den benachbarten Libanon und hat die Furcht vor einem Flächenbrand in der gesamten Region geweckt. Bei Gefechten zwischen Anhängern und Gegnern Assads wurden am Samstag in der libanesischen Hafenstadt Tripoli 13 Menschen getötet.

Mitglieder der syrischen Opposition haben die Äußerungen von Präsident Baschar Assad zum Blutvergießen im Land scharf kritisiert. Es sei eine "verzweifelte und einfältige" Rede gewesen, die keine Reaktion verdiene, sagte Adib Schischakli vom Syrischen Nationalrat am Sonntag. Es handle sich um Lügen, mit denen das Massaker in Hula angesichts des immensen internationalen Drucks gerechtfertigt werden solle.

Seite 1:

Assad schimpft über fremdgesteuerten Krieg

Seite 2:

Krater von Artillerie zu sehen

Kommentare zu " Syrienkonflikt: Assad schimpft über fremdgesteuerten Krieg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Heute bei Kopp

    http://www.youtube.com/watch?v=auknOcJIY8k

  • Das ist ja nun wahrlich nicht der erste Stellvertreterkrieg im nahen Osten, neu ist nur dass Assad diesmal nicht Stellvertreter ist. Im mittleren Osten gilt: Ohne dass Israel aufhört sich weiter illegal Land anzueignen und deren rechtmäßige Besitzer bzw. inzwischen deren Nachfahren - je nach Grad des Widerstandes - diskriminiert oder exekutiert kann niemals Frieden einkehren. Erst muss die Israel-Frage gelöst werden, dann alle anderen Konflikte der Region und dazu muss als erstes der Westen endlich aufhören Israel zu beschenken und zu unterstützen. Dann könnte es mit dem Friedensprozess ganz schnell gehen. So aber ist die Strategie klar: Lügen, Sabotieren, Manipulieren, Terrorisieren, Exekutieren - und jeden Tag in Sachen Landnahme Fakten schaffen.

  • Wenn der Terror durch eingesickerte fremde Truppen in Syrien aufhören würde, dann gäbe es auch keine Opfer. Wieder werden Terroristen zu Oppositionellen oder Freiheitskämpfern gemacht, einfach widerlich diese verdrehten Meldungen in unserer Presse.
    Wo bleibt der Aufschrei der Gutmenschen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%